Das Königreich der Papageientaucher

In den Sommermonaten ist Shetland das Königreich der Papageientaucher. Tammie norrie, wie der Vogel auf Shetland genannt wird, übernimmt dann für eine kurze Zeit die Macht über die Insel-Gruppe. Shetland ist weit weg von allem, daher begegnen die Menschen hier den Papageientaucher noch mit Respekt und Distanz. Auch wir haben uns diesem wundervollen Vogel vorsichtig genähert und haben Stunden verbracht, den bruchpilotenhaften Flugmanöver und den Kapriolen der Papageientaucher zuzuschauen. Meine Frau hat die Vogelbeobachtungen viel Spass gemacht und verspürte daher Lust wieder einmal zur Kamera zu greifen. Dabei sind ihr wunderschöne Aufnahmen gelungen.

Tammie norrie heisst der Puffin auf Shetland
Der Papageientaucher hat viele schöne Namen: In Shetland nennt man ihn Tammie norrie, in Island Lundi und in Italien Pulcinella di Mare

Nach Shetland kommen die Papageientaucher nur zum brüten. Hoch oben auf dem von Gras überwachsenen Klippen bauen die Vögel ihre Nester. Das Weibchen legt nur ein einziges Ei, um welches sich die Eltern gemeinsam kümmern. Im August sind die Tiere dann wieder für den Rest des Jahres vom Erdboden verschwunden. In dieser Zeit sind die Vögel auf dem offenen Meer, Tag und Nacht. Das Wasser ist ihr Element, trotzen selbst im Winter dort draussen der Kälte und den Stürmen. Die Papageientaucher ernähren sich von kleinen Fischen und Krebstieren, daher kann er mit seinen kurzen Flügeln hervorragend schwimmen und mehr als 50 Meter tief tauchen.

Mit seinem bunten Schnabel, dem schwarz-weissen Körper und dem tollpatschigen Watschelgang sieht der Papageientaucher aus wie ein Clown im Frack. Dies ist sicherlich ein Grund, dass dieser Vogel in der ganzen Welt so viele Fans hat. Und die Italiener ihm den schönsten Namen gegeben haben – Pulcinella di mare!

Über die Papageientaucher gibt es viel zu erzählen. Wie viele Vögel bleiben auch die Papageientaucher ihrem Partner treu, allerdings nicht ohne Beziehungspausen. Zoologen der University of Oxford haben herausgefunden, dass die Eltern, nachdem sie ihren Nachwuchs grossgezogen haben, gemeinsam auf das offene Meer hinausfliegen. Dort trennen sich ihre Wege, den Winter verbringen sie getrennt.

Auch die farbigen Schnäbel geben Rätsel auf. Schliesslich leuchten diese in strahlendem Orangerot, während der Rest des Vogelkörpers in in dezentem Schwarz-Weiss gehalten ist. Eine Zufallsentdeckung eines Ornithologen der Universität Nottingham liess den Schnabel unter UV-Licht im gelben Bereich leuchten. Die Papageientaucher – so die Schlussfolgerung – sehen nicht nur rotes, blaues und grünes Licht, sondern auch UV-Strahlen. Die Funktion des glühenden Schnabels des Papageientauchers ist vorerst noch ein Rätsel. Eine Vermutung ist, dass die Vögel beim Tauchen mit dieser Lichterzeugung untereinander kommunizieren.

Beziehungspause der Papageientaucher

Wir werden unsere Zeit und die vielen Begegnungen mit den Papageientaucher oben am Sumburgh Head nie vergessen. So bleibt uns die erste Beobachtung tief in unserer Erinnerung. Wir waren auf das Kap hoch gestiegen. Zuerst entdeckten wir kein Vogel, alles war wie leergefegt. Dann plötzlich, als würde ein Schauspiel starten: Ein Vogel nach dem anderen lässt sich auf den Klippen nieder und geniesst nach getanem Fischfang seinen Feierabend. Immer wieder neigen sie dabei ihre Köpfe oder flattern mit den kurzen Flügeln. Tief unten das Meeresrauschen. Sonst liegt eine wundervolle Ruhe über dem Felsen. Wir behalten Abstand, wollen die Tiere in Ruhe lassen. Schliesslich wollen wir ihr Vogelparadies nicht stören. Wir sind einfach dankbar, dass wir an diesem Ort die Natur so erleben durften.

Das Königreich der Papageientaucher

Pulcinella die Mare
Il Pulcinella di Mare

Bruchpiloten Puffin Papageientaucher
Der Papageitaucher ist ein Taucher und Flieger, allerdings die Landungen haben eher was von einem Bruchpilot

Schnabel leuchten im UV Licht

Papageientaucher im Anflug

Bilder 1,2,3,6,7 bei A.C.S (vielen Dank), Bilder 4,5 bei Michael’s Beers & Beans, Shetland im Juni 2018

Quellen:  Shetland Nature, National Geographic, Wikipedia (u.a.)

 

Mehr Wildlife, mein „Shetland Picture Book“ sowie Tipps und Infos zu Shetland findest hier. (Bild anklicken)

Verfasst von

Michael’s Beers & Beans – Stories and Photos posted by Michael Schneider – ideas brewed with water of the Rhine. (Blogging for Fun / Non-Commercial) Zurich & Lake Constance

19 Kommentare zu „Das Königreich der Papageientaucher

  1. So tolle Fotos, da habt ihr Glück gehabt und konntet in Ruhe die wunderbaren Vögel beobachten und fotografieren. Die Papageientaucher haben mich genauso auf Island fasziniert und oft habe ich über ihre lustigen Landeversuche lachen müssen
    LG Andrea

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    1. Auch wir hatten eine schöne Begegnung mit den Lundi auf Island, draussen in den Westfjorden auf Látrabjarg. Wenn die Vögel in der Luft sind, dann scheinen sie aufgehängt wie in der Augsburger Puppenkiste, auch wir haben viel gelacht und geschmunzelt über die bruchpilotenhaften Landungsversuche, die aber eigentlich immer gut ausgehen. Danke für das Feedback, schon an die „Fotografin“ weitergegeben. LG, Michael

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  2. Das muss wirklich ein besonderes Erlebnis gewesen sein! Gratulation zu den Aufnahmen!

    Sehr interessant auch die Sache mit den unter UV-Licht leuchtenden Schnäbeln! Ich las damals nach der eigenen Sichtung von „Puffins“ an der Küste der Bretagne, dass dieses Phänomen wohl unter den Vögeln auch als Lockmittel während der Paarungszeit eingesetzt wird. Sie können es ja durchaus wahrnehmen, auch wenn das menschliche Auge es ohne Hilfsmittel (UV-Licht) nicht erkennt. Für uns sehen sie einfach nur prächtig bunt aus.
    Und – ich war ganz verdutzt – die Vögel stoßen die Schnäbel wohl später im Jahr durchaus ab und kommen eine Weile unauffällig braun daher. Bis zur nächsten Paarungszeit – dann wird wieder geleuchtet.

    LG Michèle

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    1. Darum sind wir gerne am späten Nachmittag oder sogar abends nochmals zum Sumburgh Head hoch, einfach weil uns die Papageientaucher so fasziniert haben. Wenn man sich mit diesen Vögeln anfängt zu beschäftigen, dann wird es einem bewusst, dass da noch einige Rätsel ungelöst sind.Und irgendwie passt dies zum “ Pulcinella di mare“, oder? Danke für Deine wertvollen Ergänzungen & LG, Michael

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    1. Liebe Christa, schön, dass Du hier mitliest. 🙂 Natürlich gebe ich das Kompliment an die Fotografin weiter, sie hat selbst bei Wind und Regen oben an den Klippen stundenlang ausgeharrt, um die Vögel zu beobachten. (Ich habe mich einmal dort oben einfach in den Leuchtturm weggeschlichen, da gab es heissen Kaffee …) LG zurück in den hohen Norden, Michael

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