Dynamische Preissysteme in Skigebieten: Frühbucher profitieren, Familien haben eher das Nachsehen.

Die Ruhe der Berge, die verschneiten Tannen neben der Piste, die klare Luft des Morgens und die Sonne. Bei keiner Sportart erlebe ich die vielfältige Natur der Berge so wie beim Skifahren. Daher ist ein Skitag für mich immer etwas spezielles, ein Genuss, für den ich gerne bezahle. Inzwischen geht das Ganze aber richtig ins Geld. Und es wird für spontane Menschen in Zukunft noch teurer. Neue dynamische Preissysteme treiben die Preise für eine Tageskarte bald über den Bereich von 100 Franken. Der Grund dafür liegt darin, dass viele Schweizer Skigebiete den Preis für den Skipass von der Nachfrage abhängig machen. Frühbucher profitieren, Familien haben das Nachsehen. Nachfolgend ein paar Gedanken und Beobachtungen.

Bergbahnen in der Schweiz haben Milliarden in die Pistenanlagen investiert. Ein beschneiter Pistenkilometer kostet rund eine Million Schweizer Franken. Dazu kommen hohe Betriebskosten für Strom, Wasser und Pisten-Präparation. Da verwundert es nicht, dass auch schon vor der Einführung der dynamischen Preis-Systeme eine „normale“ Tageskarte in einem der teuersten Schweizer Skigebiet wie z.B. St. Moritz oder Zermatt fast 80 Schweizer Franken kostete. (ca. 70 Euro)

Um mehr Umsatz zu generieren haben Schweizer Skigebiete dynamische Preissysteme lanciert. Das Prinzip ist mir schon von Flug- und Hotelbuchungen bekannt: Kostete der Flug an einem Buchungstag noch 200 Franken, lege ich ein paar Tage später schon 50 Franken drauf, weil die Nachfrage gestiegen ist – oder umgekehrt: Sinkt die Nachfrage, sinkt der Preis.

Bereits in der vergangenen Saison hat “mein” Skigebiet Arosa-Lenzerheide auf ein solches dynamisches Preissystem umgestellt. Andere Skiarenen wie Andermatt-Sedrun, Zermatt und St. Moritz-Oberengadin (u.a.) bieten jetzt ebenfalls seit diesem Jahr flexible Preismodelle an.

«First Minute Deal» heisst dies in Arosa-Lenzerheide:  Eine heute für in vier Wochen gekaufte Tageskarte in Arosa Lenzerheide ist günstiger, als wenn ich diese erst in vier Wochen an der Talstation löse. Da ich die Möglichkeit habe ausserhalb der Hauptsaison meine Skiferien zu nehmen profitiere ich von attraktiven Rabatten von bis zu 35 Prozent. Das Nachsehen haben Familien, die davon nur wenig profitieren können. Die Eltern von schulpflichtigen Kindern können meist nur zu Spitzenzeiten fahren und kommen nur auf einen minimalen Frühbucher-Rabatt. Positiv an diesem System finde ich, dass die maximalen Preise „gedeckelt“ sind. Bedeutet eine Tageskarte hat einen festgelegten Höchst-Preis.

Schlussendlich steckt hinter diesem Pricing eine Wette, die sich für die Bergbahnen immer auszahlt. Den sie verdienen, ganz egal, ob in meiner gebuchten Woche das Wetter nicht mitspielt oder im Fall, wenn ich verhindert bin. Gehe ich auf die Wette nicht ein, dann bezahle ich bei schönem Wetter den Höchstpreis – dieser kann in einigen Skigebieten in Zukunft sogar nach oben offen sein.


Daher bin ich überzeugt, dass das dynamische Pricing die Durchschnittspreise in den nächsten Jahren in der Schweiz nochmals deutlich ansteigen lassen wird. Dagegen wird man sich kaum wehren können, denn im Grunde sind diese hohen Preise gerechtfertigt. Die Wintersportorte und Bergbahnen betreiben einen hohen organisatorischen und technischen  Aufwand. Die Freizeit auf spektakulären Abfahrten sicher zu verbringen und dies dann gemütlich bei Sonnenschein auf einer urchigen Berghütte inmitten der unwirklichen Alpen ausklingen zu lassen, hat seinen Preis.

Tageskarte für 105 Schweizer Franken?*

Etwas problematisch sehe ich, dass zukünftig die Tarife aufgrund Algorithmen automatisch berechnet werden. Irgendwann werden die Preise in den grossen Skigebieten bei schönem Wetter die 100 Schweizer Franken-Marke für das Tagesbillet an der Kasse durchbrechen. Solche Rekorde werden das Image vom unbezahlbaren und teuren Skisport in der Schweiz zementieren,

Alternativen gibt es. Denn es bleiben immer noch die kleinen, fast unbekannten Skigebieten in den ursprünglichen Bergdörfern. Abseits des grossen Après-Ski-Klamauks warten hier kleine, aber feine Pisten und das originale, Schweizer Märchenland-Gefühl mitten in den Alpen. Zum Fixpreis für jedemann.

*Am 4.2.2109 wurde auf dem Online-Portal von St. Moritz die Tageskarte für den 5.2.2019 zum Preis von CHF 92.– angeboten. Nach den Schneefällen war die Prognose für den 5.2.2109 „Sonne pur“. Zudem hatte in dieser Woche u.a. der Kanton Zürich Wintersportferien. Würde ich am 4.2.2019 über Snow Deal eine Wette auf den 5.4.2019 abschliessen, könnte ich die Tageskarte für CHF 42.– kaufen. 

Quellen: Tagespresse, Homepage Bergbahn Arosa Lenzerheide, eigene Erfahrungen

Bilder: Michael’s Beers & Beans (Arosa / Archiv)
Michael’s Beers & Beans ist ein Hobby-Blog und nicht kommerziell.  Dieser Post ist in Ergänzung zu meinen Bildern als Small Talk, Gedankenaustausch und Plauderei zu verstehen, hat daher weder den Anspruch vollständig, noch komplett aktuell zu sein. Um sich in ein solches Thema zu vertiefen, empfehle ich unbedingt weitere Quellen zu überprüfen.

Verfasst von

Michael’s Beers & Beans – Stories and Photos posted by Michael Schneider – ideas brewed with water of the Rhine. (Blogging for Fun / Non-Commercial) Zurich & Lake Constance

6 Kommentare zu „Dynamische Preissysteme in Skigebieten: Frühbucher profitieren, Familien haben eher das Nachsehen.

  1. Ich weiss noch nicht, ob mir diese Entwicklung gefällt. Obwohl ich die Bergbahnen verstehe und so oder so nicht jede Neuerung für Begeisterung sorgt. Zum Glück kann diesen Winter, dank natürlichen Schneemengen viel Geld gespart werden für Beschneiung. Für Familien ist Skifahren schon lange Luxus, die nicht in den Bergen leben und von einem Saisonabo profitieren können.

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    1. In Island habe ich in einem Supermarkt das dynamische Preissystem erlebt, als um 20.00 Uhr sich die digitalen Preisschilder aller Produkte vor meinen Augen einfach verteuert haben. Da ich nicht so der Schnäppchenjäger bin, stehe ich sowieso immer am falschen resp. am teuren Ort. 😉 LG, Michael

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