Bodensee – wann ist die beste Reise- und Urlaubszeit?

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„…von dieser weichen, blaudunstigen, feucht malerischen Luft voll Opal und Perlmutter, und wer einmal eine entscheidende Zeit seines Lebens an jenen milden Ufern gewohnt und jene weiche Luft geatmet hat, den überfällt für Augenblicke Erinnerung und Heimweh mit Liebesmacht…“, schrieb Hermann Hesse in seiner Erinnerung an den Bodensee.

In solchen “Augenblicke der Erinnerung” war bei Hermann Hesse wie bei vielen “Seehasen” der Traum vom “Süden nördlich der Alpen” tief verhaftet. 

Sitze ich an einem schönen Sommerabend an einer Uferpromenade und geniesse den Sonnenuntergang, dann fühlt es sich auch für mich an, als wäre ich gerade irgendwo am Mittelmeer. Darum verstehe ich, dass die “Seehasen” den Bodensee klimamässig gerne in die Nähe des Mittelmeers rücken.

Nun, der Bodensee liegt unverrückbar nördlich der Alpen. Eigentlich ist er ein riesiger Voralpensee, denn im Osten berührt der See mit seinem Ufer die Voralpen. Diese Lage zu den nahen Bergen sowie der See als grosser Wärmespeicher geben eine Mischung, die das Bodenseeklima tatsächlich zu einem fast mediterranen Lebensraum mit warmen Sommern und relativ milden Wintern macht.

Der Bodensee als Ferienregion ist (fast) ganzjährig geöffnet! Frühling und Herbst ist die Zeit zum Wandern und Radfahren. Der Sommer findet sowieso nur an den Seepromenaden und in den unzähligen Strandbäder statt. Der Winter dagegen kämpft noch mit den Vorurteilen wie ständigem Nebel und grauen Tagen. Dabei sind die Tage im Winter oft klar, die Berge zum Greifen nahe.

Zur welcher Zeit nun an den Bodensee reisen? Wann ein Hotel für Ferien am Bodensee buchen? Um einen Überblick zu bekommen, habe ich Euch das Reisewetter zusammen mit einigen Tipps für jeden Monat zusammengefasst:

Reisewetter: Wie das Wetter am See werden kann

März

Oft habe ich im März das Gefühl den Winter schon überstanden zu haben. Dieser Monat ist der niederschlagsärmste Monat des Jahres. Der Grund für mein Gefühl liegt vielleicht auch am Föhn, der in diesem Monat sehr häufig bläst und für frühlingshafte Temperaturen sorgt.

Es ist die Zeit am See den Vorfrühling zu entdecken. Warum im März nicht ein Wellness-Urlaub am Bodensee einlegen? Der See strahlt jetzt eine ruhige Kraft aus, hat eine entspannende Wirkung. Überall, insbesondere auf den Inseln Mainau und Reichenau lässt sich der Vorfrühling entdecken. Und vielleicht verhilft der Föhn, dass Du in einer der schönen Städte draussen in einem Strassencafé die Sonne geniessen kannst.

April

Dieser Monat ist nach dem frühlingshaften März oft eher ein kleine Enttäuschung, denn er kann – begleitet von Frühlingsstürmen – niederschlagsreich verlaufen. Es ist der typische Wechsel, an einem Tag bringt der Föhn frühlingshafte Temperaturen, am anderen Tag sorgen die nahen Berge und der noch sehr kalte See für Schneegestöber. Allerdings ab Mitte April macht der Frühling meistens richtig vorwärts.

April, April, der weiss nicht was er will. Wenn Du in dieser Zeit an den Bodensee reisen möchtest, brauchst Du Alternativen. Und die gibt es: Schokoladenfabrik, interaktives Spielemuseum, Kunstmuseen, Schmetterlingshaus und vieles mehr. Sollte das Wetter schön sein, dann geht es Ende April bereits mit den Obstblüten los, dann bricht eine der wunderbaren Zeiten am Bodensee an.

Mai

Der Mai wärmt die Region kräftig auf. Früher waren im Mai noch die Eisheiligen ein Thema, heute werden im Mai meistens die ersten Sommertage (25 Grad) gemessen.

Der Mai verwandelt die Landschaft rund um den Bodensee in ein wahres Blütenmeer. Jetzt ist die Zeit um in die Parkanlagen, Streuobstwiesen, Alpen- und Schlossgärten zu gehen. Viele Rad- und Wanderwege führen durch die wunderbaren Obstplantagen. Vielleicht hast Du einmal Lust unter einem Apfelbaum zu übernachten. Dies macht eines der beliebten Thurgauer Bubble-Hotel möglich.

Juni

Es ist der erste Sommermonat am See. Wettermässig kann er allerdings noch turbulent sein. Herrscht eine Westwindlage, dann gibt es nochmals kurze regnerische Phasen. Der See selber ist noch kühl, von der Sonne wird die Luft erwärmt, die ersten Gewitter entladen sich. Meistens ist der Juni aber schon richtig sommerlich, fühlt sich dann vielleicht etwas schwül an.

Der Juni ist die richtige Zeit auf dem wunderschönen Bodensee-Radweg den See zu entdecken. Dieser Radweg führt meistens am Ufer entlang einmal um den Bodensee herum. Ich bin dagegen dann gerne als Wanderer auf dem riesigen Wanderwege-Netz unterwegs. Und die ersten Strandtage, die ersten Sprünge ins Wasser stehen an.

Juli

Jetzt ist Bade-Saison am Bodensee. Der Juli ist der wärmste und sonnigste Monat. Allerdings ist es auch der gewittereichste Monat, dies gehört zum Sommer am See. Und es kommen die Hitzetage (30 Grad oder mehr) und wärmen den See nochmals so richtig auf.

Den Juli verbringe ich wohl mehr auf, am und im See als anderswo. Es ist Sommerzeit – Beach Life! Segelboote und Passagierschiffe kreuzen durch den blauen See. Die Naturstrandbäder rund um den See laden Dich zu einem Sprung ins kühle Nass ein. Unterwegs mit Seekajak oder Kanu auf dem Seerhein und Untersee ist eine schöne Sache. Versuche es doch einmal im Stand Up Paddling. Am Abend geniesst Du auf einer Terrasse ein Abendessen zu einem dieser unglaublichen Sonnenuntergängen. Echtes Sommerfeeling an Deutschlands Südsee!

August

Es bleibt einfach Sommer! Meistens sehr trocken, weniger Gewitter als im Juli. Der See erreicht noch höhere Temperaturen – hochsommerlich eben!

Beach Life und Sommerfeste – rund um den See. Es gibt Open-Air-Festivals, das berühmte Konstanzer Seenachtsfest mit grossem Feuerwerk. Am Ufer, in historischen Altstädten und in Schlössern werden die ersten Weinfeste ausgerichtet.

September

Während an anderen Orten es sich abkühlt, macht sich im September (wie auch im Oktober) jetzt der See als Wärmespeicher bemerkbar. Es hat oft sehr wenig Wind in dieser Zeit. Dies

passt gut zu diesem schönen, ruhigen und spätsommerlichen Monat. Oft verzeichnet man noch viele Sommertage (25 Grad oder mehr).

Wenn die Kraft der Sonne etwas nachlässt, dann kommt für mich nochmals die Wanderzeit so richtig zurück. Zu Fuss erkunde ich beeindruckende Aussichtspunkte, freue mich über die voll behangenen Weinreben und über ruhige, entschleunigende Plätze. Der See ist dabei nie weit entfernt, das Badezeug immer dabei. Denn die vielen spätsommerlichen Tage verlocken nochmals zum schwimmen im kristallklaren und warmen Wasser.

Oktober

Der goldene Oktober war in den letzten Jahren eher noch fast sommerlich. Doch ist der Oktober jener Monat der den berüchtigten Nebel am See entstehen lässt. (im Mittel 5 – 8 Tage) Aufgrund der Klimaveränderung ist allerdings ein Rückgang dieses Nebel zu beobachten, vielfach löst er sich in den frühen Morgenstunden bereits wieder auf und macht der Sonne platz.

Eine Reise im Herbst an den Bodensee ist reine Genusszeit! Die Apfelbäume hängen voller rot-grüner Früchte. Weintrauben, Hopfen und Steinfrüchte werden geerntet und zu Wein, Bier oder Schnaps verarbeitet. Überall gibt es eine Fülle von Früchten und Gemüse. Hier ein Glas Wein, dort ein feines Essen in einem der vielen guten Fischlokalen. Vielleicht etwas von der Voralberger Jagd oder schon das erste Käsefondue? Oder einfach ein feine St. Galler OLMA-Bratwurst vom Grill! Herbst halt.

November

Der November wehrt sich hier gegen den Winter, bringt wenig Niederschlag. Oft haben wir eine milde Schönwetterperiode, ein Art Martinisommer. Gegen Ende November kann es dann vom “sehr späten Sommer” direkt in den Winter hineindrehen, es wird dann das erste Mal richtig kalt und ungemütlich am See.

Der November ist nicht der Monat für eine Reise an den Bodensee. An vielen Orten ist jetzt Off Season. Vielleicht ein Tagesausflug? In den Städten am See ist es ruhig, trotzdem lebendig. Die grauen Tage lassen sich nicht abstreiten, aber es kann anders: im November 2017 verzeichnete die Bodenseeregion die meisten Sonnenstunden in Deutschland.

Dezember

Jetzt kommt die “graue Zeit am See”, also die Zeit die oft mit dem Nebel in Verbindung gebracht wird. Dabei ist der Dezember nicht neblig, sondern halt wie anderswo oft einfach bedeckt. Also kalt, trocken und trüb. Oft weht eine Bise. Dies kann sich zu Weihnachten ändern, was wir oft erlebt haben. Dann kommen die Westwinde und bringen milde und feuchte Atlantikluft in den Kontinent. Dies führt zu einem Stauwetter, welches viel Regen mit sich bringt.

Der Dezember ist keine Reisezeit, aber trotzdem ein wundervolle Zeit. Weihnachtserlebnisse über drei Länder hinweg, Weihnachtsmärkte finden direkt am Ufer, in historischen Städten oder in barocken Schlössern statt. Warum nicht einmal zum Christmas Shopping nach Konstanz – eine wunderbare Sache in einer der schönsten Shopping-Städte in der ganzen Region.

Oft ist der Föhn im Dezember ein Thema – dann gibt es zwischen Weihnachten und Sylvester Frühlingstemperaturen. Apéro an Heiligabend draussen in der Sonne oder an Sylvester an einer der Seepromenaden sitzen und einen Kaffee trinken – der Bodensee ist immer für eine Überraschung gut.

Januar

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Für mich so etwas wie ein Wetter-Tiefpunkt im Bodensee-Jahr. Es ist kalt, regen- oder sogar schneereich. Doch gegen Februar spürt man bereits eine Veränderung, dann können auch recht sonnige, kalte Tage auftreten.

Im ersten Monat des Jahres gibt es keinen Grund an den See zu reisen. Der Januar ist “Off Season”. Wen es Dich trotzdem hierher verschlägt, dann plane unbedingt einen Ausflug in eines der Wintersportgebiete in Vorarlberg oder der Schweiz ein. Dort findest Du Schnee, Sonne und damit einfach viel Licht. Viele Wintersportgebiete sind in kürzester Zeit erreichbar.

Februar

Das Februarwetter ist sehr unterschiedlich. Herrscht Westwind, dann ist es mild, niederschlagsreich und windig. Zieht der Wind von Osten herein, kann es nochmals sehr kalt werden. Meistens bleibt es dafür trocken. Im Februar ist die Wassertemperatur des Sees oft am kältesten, die Bise bläst streng und aufdringlich über den See. Etwas Abhilfe kann eine Föhnlage bringen, dann gibt es die ersten Frühlingsgefühle.

Wer jetzt eine Reise an den See plant kommt wegen der fünften Jahreszeit. Zum Teil ist es am See jahrhundertealtes Brauchtum, an vielen Orten in allen vier Ländern wird in Umzügen, Bällen und närrischen Aktionen gefeiert.

“Sommerfeeling ist bei mir eine Mischung aus dem Jetzt und meinen Kindheitserinnerungen. Nur wusste ich damals nicht, dass mich das Erlebte prägen wird – heute habe ich das Bewusstsein, dass ich den Moment der schönen Sommertage geniessen, kurz in die Leichtigkeit des Seins eintauchen kann.” Michael, Beers & Beans (Ausschnitt aus dem Sommerspecial 2019)

Wer Du noch mehr Wetterfeeling vom Bodensee möchtest, dann empfehle ich Dir meine „Flaschenpost vom Seerhein“, welche monatlich hier auf dem Blog erscheint. Neben aktuellen, saisonalen Bildern findest Du Informationen oder Tipps. Link zur „Flaschenpost vom Seerhein“

Weitere Posts vom Bodensee, Untersee und Seerhein findest Du hier.

Quellen: eigene Beobachtungen, Bundesamt für Meteorologie und Klimatologie MeteoSchweiz

Verfasst von

Michael’s Beers & Beans – Stories and Photos posted by Michael Schneider – ideas brewed with water of the Rhine. (Blogging for Fun / Non-Commercial) Zurich & Lake Constance

11 Kommentare zu „Bodensee – wann ist die beste Reise- und Urlaubszeit?

  1. Eine schöne Jahreszeitliche Sammlung mit tollen Fotos! Eine Reise im Herbst an den Bodensee habe ich letztes Jahr auch gemacht und war so begeistert. Das Wetter war noch so warm, dass ich schwimmen gehen konnte Mitte Oktober. Das war schon einzigartig. Die Trockenheit und der Wassertiefstand vom Bodensee hat mich Ende August betroffen gemacht und du hast dazu ja auch einige Beiträge geschrieben. Die Klimaveränderung ist und war deutlich sichtbar letztes Jahr am Bodensee
    LG Andrea

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    1. Vielen Dank für Deine schöne Ergänzung. Der grosse See reagiert tatsächlich mit vielerlei Folgen empfindlich auf die Klimaveränderung, allerdings wurde es einem letztes Jahr mit dem Wassertiefstand deutlich(er) vor Augen geführt. Ich freue mich, wenn Du eine gute Zeit am See hattest. LG, Michael

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  2. Hallo Michael,
    ich habe gerade viele Wiedererkennnungsmomente erlebt! Toll! Nicht nur durch deine ansprechenden Fotos, die den Bodensee rund ums Jahr präsentieren, sondern auch beim Lesen deiner Zeilen.
    Dadurch, dass mein Mann aus der Gegend stammt und meine Schwiegereltern an der Schweizer Grenze nahe des Sees lebten, war ich im Laufe der Jahre zu allen möglichen Zeiten am See. Und vom frühen und zauberhaften Frühling über das mediterrane Feeling hin bis zum gefühlten Sommer am Meer und dem milden Herbst kommt mir alles sooo bekannt vor. Eine wunderschöne Region mit einem besonderen Klima.
    Nur diese Nebeltage, die habe ich tatsächlich auch erlebt, mehrmals – und hatte damit durchaus meine kleinen Probleme. Der Schwiegerpapa mit seinem November-Geburtstag, die Schwiegermama folgte im Dezember, dazu die Feiertage um Weihnachten … Wir saßen meist im Nebel, hatten tagelang Regen oder spürten den Föhn, der jemanden, der ihn nicht gewohnt ist, schon anstrengte.
    Doch vielleicht hängt es zumindest nebelmäßig auch sehr davon ab, WO genau am See man sich befindet und wie lange sich der Dunst dort halten kann.
    Auf jeden Fall hat mir deine Vorstellung der Jahreszeiten am See sehr gefallen. Sie zeigt sehr schön die Vielfalt, die die See und Region – auch bedingt durch die unterschiedlichen Monate und Temperaturen – hervorbringen.

    LG Michèle

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    1. Hallo Michèle, ganz herzlichen Dank für Deinen schönen “Wetterbericht”. Der Bodensee sorgt fast für ein Traumklima, aber eben nicht nur! Wie Du richtig anmerkst, sitzen wir im Winter – oft zusammen mit dem gesamten Schweizer Mittelland – im Nebel, während sich die Bergregionen über strahlenden Sonnenschein freuen. Aus meiner Jugendzeit erinnere ich mich ebenfalls an den ewigen Nebel im Winter. Klar, auch in Zürich ist der Winter dunkel und grau, ist sowieso nicht so meine Zeit. Doch als (Teilzeit-) Rückkehrer habe ich festgestellt, dass sich der Winter am See geändert hat. Der hartnäckige Bodennebel sowie der “ewige Hochnebel” ist weniger geworden. Wie ich beobachte wird der Winter vermehrt durch Westwinde (oft mit Regen begleitet) oder durch Bisenströmungen geprägt, welche arktische Kaltluft über den See bringen und den Hochnebel zerreissen. Der Klimawandel macht sich am Bodensee deutlich bemerkbar. So ist die Badesaison oft merklich verlängert. Das Wetter ist unberechenbarer geworden. In den letzten Jahren gab es schon Ende März/Anfang April viel Sonne und Temperaturen von bis zu fast 30 Grad. Dies kann sich durch eine ungewöhlich verregnete und kühle Periode ablösen. Leider sind sehr starke Unwetter häufiger geworden. Föhn, Nebel, Regen & Gewitter, „Arctic Outbreak” und Hitzephasen – ja der eigene Körper muss sich hier am See tatsächlich stets dem Wetter anpassen. Vielleicht unangenehm an manchen Tagen, aber nicht wirklich ungesund 😉 Ich wünsche Dir einen wunderschönen Frühling 🌷 und ganz liebe Grüsse vom Bodensee! Michael

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