Die Sage vom Urdensee

Arosa, Schweiz

Der Urdensee – war bei den Wanderer ein fast etwas „vergessener“ See. Nur wer die Route durch das Urdental nach Tschiertschen nahm, kam am kleinen See vorbei. Inzwischen ist der See sichtbarer geworden, seit es die talüberschreitende Urden-Seilbahn gibt. Auf der Fahrt vom Hörnli (Arosa) rüber zum Urdenfürggli (Lenzerheide) sehen die Besucher den See von der Gondel aus. Etwas unscheinbar liegt er in einer Senke.

Erst wenn man am Ufer steht, zeigt er seine wirkliche Schönheit. Der See ist umrahmt von Bergen. Plattenhorn, Hörnli – markant thront der Hörnlistein über dem kleinen See. Das auf Schieferfelsen und schwarzgrünem Serpentin ruhende, kalte Seewasser ist äusserst klar und schimmert bei Sonnenschein türkisblau.

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Der Urdensee liegt auf 2‘249 müM in einem Seitental des mittleren Schanffigg. De Untiefe im westlichen Teil des Sees scheint sehr tief zu gehen, diese wurde aber noch nie ausgemessen. Der See entstand durch einen natürlichen Riegel einer Seitenmoräne.

Die Eisbedeckung beträgt bis gegen acht Monate im Jahr.

Der Urdensee – und das verwundert dann eigentlich nicht – ist sehr sagenumwoben. In Arosa erzählt man dann auch gerne die eine oder andere Geschichte, in verschiedenen Versionen. Vor allem die Tiefe und die Farbe des Sees hatte den Aroser Walser früher sehr Eindruck gemacht. Sie hielten den See für unergründlich und sagten, sein Wasser wirble und bilde ein Trichterloch, zudem brülle er, wenn sich das Wetter ändert.

Am eindrücklichsten ist wohl die Sage, wie der Urdensee entstanden ist. Ich gebe hier die Version wieder, welche ich früher einmal auf der Homepage von Arosa Tourismus gefunden und archiviert habe:

Die Sage vom Urdensee

Vom Rothorn zieht sich ein enges Bergtal hinunter zur Plessur. In diesem wilden, engen Tal, das im Sommer von einigen Schafen besucht wird, liegt ein kleiner Bergsee. 

Wo jetzt der See ist, stand vor Zeiten eine Sennhütte und um die Hütte herum breitete sich eine schöne Alp. Dort wohnte ein böser Senn, der die Armen unerquickt des Weges ziehen liess. Einst kam ein armes, altes, schwaches Weib den Weg gezogen, müde von der weiten Reise und schmachtend vor Durst. Sie klopfte an der Sennhütte an und bat um eine Labung, aber der Senn antwortete ihr mit Scheltworten: „Mach dich fort, alte Bettlerin, wenn ich allem Lumpenpack, das hier vorüberzieht, Milch geben sollte, so müsste ich selbst bald Hungers sterben.“ Das arme, alte Weib flehte um Gotteswillen nur um eine kleine Labung, damit sie ihren Weg fortsetzen könne. „Meine Knie brechen mir“, sagte sie, „und meine Zunge brennt mich wie Feuer.“ Der Senn aber schlug die Tür zu. Das Weib sank vor der Türe nieder und als der Senn sie wieder öffnete und es noch dort erblickte, rief er fluchend aus: „Bist du noch da, Alte, wart, ich will dir jetzt Milch geben, dass dein Durst gestillt wird.“ Mit diesen Worten nahm er den Eimer und molk seine große, rote Kuh und kam dann zum Weib und gab ihr zu trinken. Die Alte trank und dankte dem Senn warm und erflehte Gottes Segen auf ihn herunter. Der Senn aber verzog seine Züge zu einem spöttischen Hohnlächeln, denn er hatte Magen (Lab) in die Milch geworfen. Kaum hatte die Alte neugestärkt ihren Weg eine Strecke weit fortgesetzt, als sie die fürchterlichsten Schmerzen im Leibe fühlte und wie sie sterbend hinsank, verfluchte sie den Senn und seine Alpe, und in dem Augenblick donnerte es in der Höhe, ein Blitz zuckte auf die Hütte, sie versank mit dem Senn und mit der roten Kuh und an jener Stelle quoll ein See. Noch sieht man den Weg, der zur Hütte führte, sich im See verlieren und noch sieht man deutlich denselben am jenseitigen Ufer wieder aus dem Wasser auftauchen und sich in die Höhe ziehen, denn bei der Sennhütte vorbei führte der Weg über das Gebirge nach Obervaz. Noch sieht man mitten im See einen schwarzen Fleck, das ist die Sennhütte, die dort versunken ist. Alle sieben Jahre einmal steigt bei furchtbarem Donner und Unwetter der Senn aus dem See hervor und melkt über den stürmischen Wellen des Sees seine rote Kuh und versinkt dann händeringend wieder mit fürchterlichem Geheul. Das ist die Entstehung des Urdensees.

Quelle: http://www.arosa.com (ursprüngliche Homepage wurde mit der „Fusion“ Arosa-Lenzerheide eingestellt), vermutlich Version von Christian Tester, Chur

weitere Quelle: Theodor Vernaleken, Alpensagen – Volksüberlieferungen aus der Schweiz, Österreich und Deutschland

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Bilder: Michael’s Beers & Beans
Michael’s Beers & Beans ist ein Hobby-Blog und nicht kommerziell.  Dieser Post ist in Ergänzung zu meinen Bildern als Small Talk, Gedankenaustausch und Plauderei zu verstehen, hat daher weder den Anspruch vollständig, noch komplett aktuell zu sein. Um sich in ein solches Thema zu vertiefen, empfehle ich unbedingt weitere Quellen zu überprüfen.

BergLiebe

In der Ausgabe „Sommer 2020“ ist in der beliebten Zeitschrift „BergLiebe“ ein Bild vom zauberhaften Urdensee aus dieser Serie erschienen. Mehr dazu im Post „BergLiebe: Urdensee (Arosa)“

Vielen Dank an Ursula Dahinden für die freundliche Empfehlung aut Twitter.

3 Gedanken zu “Die Sage vom Urdensee

  1. Was für ein schöner Ort – auch wenn ich, wenn ich jemals einen alten Herrn mit roter Kuh dort sehe, rennen werde so schnell ich kann haha 😉 LG

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