Die Jólasveinarnir – eine weihnachtliche Geschichte aus Island

Hallo. Mein Name ist Ragnheiður und ich bin hier in Ísland zu Hause. Genau genommen wohne ich im Jólagarðurinn, also im Weihnachtsgarten. Und ich bin eine Elfe, eine Weihnachts-Elfe. Normalerweise könnt ihr Menschen uns Elfen ja nicht sehen, doch als Weihnachts-Elfe schlüpfe ich während der Adventszeit in eine Weihnachtsfigur und freue mich bei den Menschen zu sein.

Ja, ihr habt richtig gesehen, hier in Island hat es bereits geschneit und es verbreitet sich schon eine weihnachtliche Stimmung. In den Häusern ist es gemütlich und warm. Und während draussen der kalte Wind heult haben die Menschen etwas Zeit für schöne Geschichten. So werde ich Euch während Adventszeit etwas begleiten und auf diesem Blog eine Weihnachtsgeschichte aus Island erzählen.

Wie ihr vielleicht wisst, gibt es in Island neben Eurer Welt noch unsere Welt – die Welt der Elfen und Trolle. Und von einer Trollfamilie, die im schneebdeckten Esja-Gebirge lebt, handelt meine Geschichte. Dort oben wohnt die Trollfrau Gryla zusammen mit ihrem Mann Leppaludi und ihren 13 Söhnen, ein richtig wilder Haufen.

Gryla, so wird erzählt, ist eine hässliche und gemeine Trollfrau. Mit Hausarbeit hat Gryla gar nichts am Hut – manchmal gab es deswegen für ihre ganze Familie Jahrzehnte nichts zu essen. Doch, es kann sein, dass Gryla ganz aus dem nichts heraus wie wild anfängt zu kochen. Dann lässt sie es so richtig zischen und krachen bis der Berg brennt. Die Menschen haben dafür sogar einen Namen – Vulkanausbruch!

Also ihr könnt Euch gut vorstellen, dass dieses Essen nicht wirklich gut war, was da Gryla bruzelte und kochte. Und in der Tat, es war nicht nur schlecht, sondern Grotten-schlecht!

Daher stahlen sich so um die Weihnachtszeit die 13 Söhne von Gryla hin und wieder davon um bei den Menschen vorbeizuschauen, um dort Menschenfutter zu bekommen. Das liebten die Brüder, zudem hatten sie herausgefunden, dass das Essen der Menschen um die Weihnachtszeit besonders lecker war.

Die Menschen dagegen mochten das Treiben der Trolle aus den Bergen nicht so sehr. Nach einigem hin und her merkten die Trolle, dass sie die Menschen für sich gut stimmen konnten, wenn sie als Gegenleistung für das weggefutterte Essen den Kindern kleine Geschenke brachten.

So langsam entwickelten sich die wüsten Trolle in eine Art Weihnachtsmänner, mittlerweile tragen sie sogar eine anständige, rote Kutte. Für die Kinder bedeutet es, dass sie sich mit 13 Jólasveinarnir , also mit 13 Weihnachtsmänner beschäftigen und jede Nacht einen Schuh hinausstellen müssen. Waren die Kinder artig, dann gibt es von jedem Jólasveinar ein Geschenk, sind sie nicht artig gewesen, dann gibt es nur Kartoffeln in die Schuhe. In den 13 Tagen vor Weihnachten steigen die Trolle vom schneebedeckten Esja-Gebirge hinab. Zu den Menschen kommt aber immer nur ein Weihnachtsmann nach dem anderen – vermutlich wäre das Chaos zu gross, wenn alle 13 Brüder auf einmal erscheinen würden.

Auch wenn die Trolle heute freundlicher sind, sind es doch ganz schön gerissene Gesellen und treiben am liebsten viel Blödsinn. So ärgern sie gerne die Schafe, knallen nachts mit den Türen, stehlen die Fressnäpfe der Katzen, Glotzen durchs Fenster und scheppern mit den Kochtöpfen.

Die 13 Jólasveinarnir stelle ich Euch einzeln in den nächsten Posts zum Advent vor. Da ist Stekkjarstaur, der aus seiner Welt keine Schafe kennt bis zu Kertasníkir, der am 24. Dezember zwischendurch einfach mal Kerzen verschwinden lässt.

Und wer weiss vielleicht schauen die 13 Kobolde vom Esja-Gebirge auch einmal bei Euch vorbei – schliesslich gbit es ja auch in Euren Ländern inzwischen Skyr*!

Also seid gespannt, geniesst die Vor-Weihnachtliche Zeit und ich freue mich, wenn ihr am nächsten Adventssonntag hier wieder vorbeischaust. 

Bis bald

Eure Weihnachts-Elfe

*Skyr ist ein Milchprodukt und ein isländisches Nationalgericht

Dieser Weihnachtsbrauch in Island basiert auf uralten Überlieferungen und kommt aus der grossen Sagen-Welt, die bis zu den Wikingern zurückreichen. Auf den Hintergrund dieser Weihnachtsmänner werde ich dann in einem letzten Post noch etwas näher eingehen.

Verfasst von

Michael’s Beers & Beans – Stories and Photos posted by Michael Schneider – ideas brewed with water of the Rhine. (Blogging for Fun / Non-Commercial) Zurich & Lake Constance

4 Kommentare zu „Die Jólasveinarnir – eine weihnachtliche Geschichte aus Island

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