Der Halo von Arosa geht um die Welt

Dieser Schnappschuss ist ganz gross rausgekommen. Es zeigt ein Lichtphänomen bei sich auflösendem Nebel auf dem Hörnligrat (2511 müM) in der Bergwelt von Arosa. Per Twitter gepostet erreichte dieses Bild völlig unerwartet tausende Leser weltweit. Am Schluss wurde es sogar im morgendlichen Wetterbericht eines TV-Senders in Florida gezeigt und von einem französischen Observatorium für Tornados und schwere Gewitter retweetet und kommentiert.

(Refresh 20.1.2020) Heute morgen ist der Halo quasi von seiner viralen Reise rund um die Welt wieder zurückgekehrt und hat es auf die Titelseite von „20 Minuten“ geschafft – herzlichen Dank der Bildredaktion sowie dem Journalisten von „20 Minuten“ für ihre Arbeit und die lässige Umsetzung: Schweizer Halo geht um die Welt

Zudem hat der „Tages Anzeiger“ den Ball ebenfalls aufgenommen und in der Rubrik Panorama diesen Artikel unter dem Titel „Dieses Foto eines Zürchers geht um die Welt“ veröffentlicht.

Alle Posts über meine Begegnung mit diesem Halo in Arosa sowie den Folgen findest Du hier: https://beersandbeans.ch/tag/halo/

Es war Ende November, gegen 11.00 Uhr auf dem Hörnligrat, der Bergstation der Bergbahnen Hörnli-Express und Urdenbahn. Also mitten in der Bergwelt von Arosa (Graubünden). Seit rund einer Stunde kämpfte sich die Sonne durch die letzten Schneewolken. Es herrschte eine Temperatur von -7 Grad. Ich wartete hier oben auf meinen Kollegen, mit welchem ich mich zum Skifahren verabredet hatte. Die Zeit nutzte ich um die wunderschönen Lichtstimmungen mit dem Smartphone fotografisch einzufangen. Dies passte gerade gut, da ich mir vor einigen Tagen ein Smartphone mit neuer Kameratechnik angeschafft hatte, so konnte ich diese etwas testen.

Doch schnell erkannte ich, dass sich im Gegenlicht zur Sonne ein Halo entwickelte, anfänglich ganz unscheinbar, bis sich dieses Lichtphänomen unglaublich steigerte. Für mich faszinierend waren die zwei Ringe um die Sonne und die vielen Lichtreflexionen.

Noch ist vom Halo nicht viel zu sehen …

Mit der kleinen Weitwinkel-Linse brachte ich viele der Lichteffekte auf ein Bild und so fand ich es interessant genug um dieses Foto zu twittern und mit meinen Followern zu teilen.

Doch bald musste ich mir eingestehen, dies war kein gewöhnliches „Beer&Beans-Gezwitscher“ – der “Likezähler” ging für meinen Twitter-Account buchstäblich durch die Decke!

„Wunderschönes Eisnebelhalo-Phänomen mit ungewöhnlichen vielen Arten. Danke für’s teilen“ meinte der Meteorologe von MeteoSchweiz @danivumalvier als erstes Feedback. Und dann ging es den ganzen Tag so weiter – für mich war es am Schluss unmöglich auf alle Feedbacks zu antworten.

Aber was habe ich denn da nun fotografiert?

Viele Erklärungen zu diesem Phänomen erhielt ich direkt über Twitter, eine davon scheint vom Humorfestival zu stammen, welches demnächst hier in Arosa statt findet: “… bist Du sicher das es nicht der heilige Geist war …?“

Es handelt sich hier nicht um den heiligen Geist, sondern um ein Lichteffekt, welches als Halo bezeichnet wird. Der Ursprung dafür findet sich in den auflösenden, aus kleinen Eiskristallen bestehenden Wolken. Diese hauchdünnen Wolken sind ähnlich der Cirren, also den hauchdünnen “Eiswolken” die in ganz grosser Höhe vorkommen. Nun kommt das Sonnenlicht und wird durch diese kleinen Eiskristalle unzählig gebrochen. Im Innern dieser winzigen Kristalle wird das Sonnenlicht reflektiert und beim Austritt nochmals gebrochen. Eigentlich wie beim Regenbogen, wo die Wassertropfen das Licht sichtbar in die verschiedenen Farben aufbrechen. Diese Lichtreflexionen ergeben dann (teils farbige) Kreise, Bögen, Säulen und Lichtflecken.

Beim Aroser Halo war wohl mein Standpunkt genau richtig. Ich schaute quasi horizontal durch die dünne Eiswolke direkt in die Sonne. So konnte ich verschiedene Lichtbrechungen sehen. Am besten illustriert dies das folgende Bild, was mir @DuncanWingen aus Spanien erstellt und über Twitter zugestellt hat:

@DuncanWingen thx for the exiting explanations!

Halo ist nicht gleich Halo

Eines ist mir über Twitter klar geworden, mein zufällig geschossenes Bild ist genial – aber die Erklärung, was ich darauf nun wirklich gesehen habe, können wohl nur Fachleute und Wissenschaftler nachvollziehen.

Aufgrund der vielfältigen Formen der Eiskristalle gibt es ganz viele Haloarten. Eine sehr interessante Übersicht darüber findest Du hier: Arbeitskreis Meteore / Haloarten. (Vielen Dank nochmals an @danivumalvier für diesen tollen Tipp)

Etwas bringt mich am Schluss fast zu meinen Nordlicht-Beobachtungen (siehe „mein erstes Nordlicht war weiss, nicht grün„) auf Island und in Norwegen: wie bei den Nordlichter sieht jeder Beobachter seinen „persönlichen“ Halo – hier handelt es sich aber um eine optische Täuschung! In der Natur gibt es nur die Eiskristalle und das Licht der Sonne, der Halo entsteht erst für uns in unserem Auge oder durch die Kameralinse. Sind doch einfach faszinierend, diese Halos!

Die beste Kamera ist gerade die, die man dabei hat.

Eliott Erwitt

Quellen: SRF Meteo, Arbeitskreis Meteore e.V. (Themengebiet Halo), Wikipedia, Twitter (u.a.)

Meine Faszination gilt auch einer anderen Lichterscheinung – der Aurora Borealis, dem Nordlicht. Bilder und alle Posts mit vielen Tipps zum Thema Polarlicht findest Du auf meinem Blog: Faszination Nordlicht by Michael’s Beers&Beans

Michael’s Beers & Beans ist ein Hobby-Blog und nicht kommerziell. Ich bin ein fotografischer Geschichtenerzähler, erzähle was ich auf einer Reise oder sonst irgendwo so aufgeschnappt habe. Dieser Post ist in Ergänzung zu meinen Bildern als Small Talk, Gedankenaustausch und Plauderei zu verstehen, hat daher weder den Anspruch vollständig, noch komplett aktuell zu sein. Alle Informationen sind ohne Gewährleistung auf Vollständigkeit und Richtigkeit. Um sich in ein solches Thema zu vertiefen, empfehle ich unbedingt weitere Quellen zu überprüfen.