Irish Whiskey – Tipps von Michael’s Beers&Beans

Whiskey, Malts und Blends – Irlands flüssiges Gold (3)

Die Verkostungsnotizen sind so etwas wie das Herzstück meines Whiskey-Blog-Trails! Diese sind aber ganz klar „subjektiv“! Aber so kann ich Dir spannende Whiskey aus Irland vorstellen und Du bekommst konkrete Tipps.

Den irischen Whiskey zeichnet eine milde, runde und sanfte Charakteristik aus. Manchmal ist er in seiner Sanftheit näher dem französischen Cognac als dem schottischen Whiskey.

Dies ist auf einen wesentlichen Unterschied in der Herstellung zurückzuführen. Der irische Whiskey wird im Gegensatz zum schottischen Whisky nicht über dem Torffeuer gedarrt, damit findet man im irischen Whiskey keine herben und torfigen Rauchnoten. Für die Blends wird teilweise als Getreide auch Hafer verwendet.

Die Destillation und Lagerung ist ähnlich wie beim schottischen Whiskey, ausser dass in Irland immer drei Mal destilliert wird. Die irischen Malts werden zudem unterteilt in Single Malt (nur Gerstenmalz) und Pot Still Malts (gemälzte und ungemälzte Gerste).

Die meisten in Irland hergestellten Whiskeys sind Blends. Beim „blenden“ des irischen Whiskeys gibt es eine weitere Besonderheit, die ihn vom schottischen unterscheidet. Hier durchläuft jede Abfüllung verschiedene Reifeprozesse in unterschiedlichen Fasstypen. Häufig genutzt werden z. B. Sherry-, Bourbon- und Portweinfässer. Die verschiedenen Sorten zeichnen sich entsprechend durch ihre Komplexität aus.

In letzter Zeit werden jedoch auch mehr und mehr Single Malts hergestellt. Eine wichtige Qualitätsbezeichnung ist „Single Malt“ wie auch „Single Pot Still oder Pot Still Malts“. Letzteres bedeutet, dass der Whiskey aus einer Mischung gemälzter und ungemälzter Gerste besteht, der Anteil an ungemälzter Gerste aber höher ist.


Richtig geniessen – das richtige Glas

Ich gebe zu – ich liebe meine Whiskey Tumbler. Diese habe ich mir vor vielen Jahren in einer kleinen irischen Kristallgläser-Manufaktur nach und nach gekauft. Leider ist die Tradition der Kristallmanufakturen in Irland vollständig verschwunden. Meine Gläser sind noch nach alter irischer Tradition von Hand verarbeitet und mit aufwendigen Facetten geschliffen worden. Und haben halt noch etwas wie aus alten Hollywoodfilmen …

Der Whiskey Tumbler ist in vielen Fällen gar keine schlechte Wahl. Das Aroma eines Blended Whiskey entfaltet sich wunderbar, auch einen Bourbon aus den USA ist ein Genuss daraus zu trinken. Und warum nicht einmal „on the rocks“, der dicke Glasboden isoliert die Kälte bestens.

Möchte man allerdings einen feinen „Pot Still Malt“ geniessen, dann empfiehlt sich das Nosingglas oder Tastingglas. Whiskeygläser dieser Art erinnern an einen Cognac-Schwenker und besitzen eine rundliche Tulpenform. Die Aromen bleiben hier schön im Glas und entfalten sich wunderbar.

Und jetzt zu meinen Verkostungen …

Verkostungsnotizen

Irische Single Malts
NameNotizTrifft mein Geschmack?
Locke’s 8 YearsSubtile Balance zwischen Frucht und Süsse. Ein guter, ehrlicher Single Malt
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Connemara Peated 12 yearsAnklang von Torf, Rauch und Jod, langer Nachhall. Mir ist er etwas zu aufgesetzt torfig, nicht harmonisch.
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Bushmills Rum Cask 12 yearsRarität mit filigranen Fruchtaromen. Für mich einer der besten Malts aus Irland!
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Bushmills 16 yearsAroma von Honig und Mandeln. Für mich ein „Favorite“.
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Brogans Legacy
10 years
Eine Sinfonie von feinen Fruchtaromen. Leicht pfeffrig im Nachhall. Diesem Whiskey bin ich in einem Hotel begegnet, ich glaube aber dieser wird nicht mehr hergestellt. 
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Bushmills 10 years.Fruchtig, leicht holzig. Mit subtilen Getreidenoten. Ein solider Malt.
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ClontarfStrenger, grasartiger Malzgeruch, mit einem Hauch von Frucht
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The TyrconnellKonventioneller Malt, mit Noten nach Menthol, Vanille und Gras.
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Knappogue Castle 1994Stechend, Anmutung von Süsse, Gras und Heu, etwas unharmonisch.
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Irische Blends
NameNotizTrifft mein Geschmack?
Redbreast 15  yearsPure pot still, non chill filtered. Frucht, Würze, Pfeffer und Süsse, unendlich lang. Für mich sind die Redbreast wirklich ein Genuss!
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Redbreast 12 years, pure pot stillSchokoladenaroma, würzig im Geschmack.
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Tullamore Dew
12 years
Zitrusaromen, süss-rauchiger Geschmack. Achtung ein riesiger Unterschied zum „normalen“ Tullamore Dew.
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Clontarf ReserveElegante Frucht (Aprikose, Stachelbeere), delikate Süsse auf der Zunge. Bei den Malt enttäuschend, hier bei den Blends ein toller Whiskey
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Bushmills 1608
12 Years
Kräftige Fruchtaromen (Zitrus), feuriger Nachhall.
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Power’s GoldFruchtbetonter Blend mit angenehmen Toffeenoten. Ein guter Whiskey – vorallem für Einsteiger sehr gut geeignet, damit macht man auch „Whiskey-Unkundige“ zu Freunden.
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Bushmills Black BushReift in Sherryfässern. Frucht-, Malz- und Nussanklänge, sehr nachhaltig
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Midleton Very Rare
– 2004 Selection.
Fruchtig und ölig, aber auch bitter und schwer. Für mich zu teuer und eher enttäuschend.
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Jameson 12 yearAngenehme Süsse mit Gewürznoten. Leicht bitter im Nachhall. Jameson ist einfach gut!
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Jameson 18 yearLeichte Röstaromen, Orangenblüten, sehr mild im Geschmack. Einfach ein fantastischer Blend!
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Clontarf ClassicLeicht spritzig, dezente Fruchtaromen. Kurzer Nachhall.
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KilbegganDeutliche Karamelsüsse. Sehr kurz im Nachhall.
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PaddyFlorale Noten, leichte Frucht, kurzer Nachhall. Tradition in Irland und einfach ein ehrlicher Whiskey. Toll „on the Rocks“ im Sommer.
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Jameson Crested TenGetreidelastiges Aroma, zartbitter im Geschmack. Für mich gibt es Besseres von Jameson.
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Tullamore DewKaum Entfaltung in Aroma, Geschmack und Nachhall. Belanglos. Für mich gehört er in den Irish Coffee!
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Die neue Destillery Teeling Whiskey ist ein Geheimtipp für Kenner wie auch die wiederbelebten Color-Spot Whiskey’s – Red, Yellow und Green Spot.

kürzlich entdeckt (Blended & Malts)
NameNotizTrifft mein Geschmack?
Teeling Vintage Reserve
21 Jahre (Single Malt)
In der Nase süsslicherer Malz , Apfel und Quitte, leichte Zitrusnoten. Er schmeckt etwas ölig, aber elegant mit Malz und süsslichem Getreide, schöner langer Abgang mit leichtem Holzton. Für meinen Geschmack ist der Abgang etwas zu scharf.

Diese „Vintage-Abfüllungen“ sind für mich allerdings nicht ganz durchschaubar, woher diese kommen. Oft gibt es noch alte Bestände, die beim Re-Start quasi als Startinvestition abgefüllt und verkauft werden. Teeling’s gibt es noch nicht so lange auf dem Markt.
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Teeling Small Batch (Blend) Im Gegensatz zu vielen anderen irischen Whiskeys recht kräftig, würzig und mit schärferem Nachgang. Schmeckt komplex und vollmundig. Geschmacklich ganz anders als die Whiskey aus dem Haus Jameson und Bushmills. Ich mag diesen Whiskey – ein feiner, neuer Geschmack aus Irland.
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Red SpotLange wurde die „Color Spots“ nicht mehr produziert, nach und nach kamen diese wieder auf den Markt. Am Schluss ist jetzt sogar der Red Spot Single Pot Still Irish Whiskey wieder zurück. Ein altes Rezept der Familie Mitchell ist die Basis dieses traditionellen irischen Pot Still Whiskeys, der jetzt in der Midleton Distillery hergestellt wird.

Eine Mischung von süssen Aromen reifer Früchte von den Marsala-Weinfässern. Während die Fruchtaromen andauern, pfefferige Würze, Eiche- und Gerstenoten. Schöner Abgang.
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West Cork Irish Single Malt Whiskey Rum Cask
12 Age
Fruchtige Noten, fast etwas nach Grapefruit und Äpfel. Kandiszucker, Malz. Cremig, am Schluss leicht pfeffrig 
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West Cork Glengarriff Series
Peat Charred Cask
Zart geräucherte Zitrusfrüchte, Nuancen von Kräutern, ein Hauch von Süssigkeit. Starker Abgang.

Dieser Whiskey überrascht, genau darum mag ich heute die Whiskey’s der West Cork Distillers. Hier findet sich traditionelle Kompetenz mit viel Mut zu Experimenten. Beim „Peat Oak Charred Cask“ werden die Fässer mit Torf, beim „Bog Oak Charred Cask“ mit Mooreichenholz ausgebrannt. Diese mehrere hundert Jahre alten Eichen wurden im Moor unter Abwesenheit von Sauerstoff und in der dortigen sauren Umgebung konserviert.
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In meiner „Blog-Whiskey-Tour“ gibt es viel spannendes zum Thema Irish Whiskey:

Teil 1: Whiskey, Malts und Blends – Irlands flüssiges Gold

Teil 2: Die Geschichte des irischen Whiskey

Teil 3: ein paar persönliche Verkostungsnotizen

Teil 4: Etwas über die Herstellung von irischem Whiskey

Disclaimer

Wie alle alkoholischen Getränke soll Whiskey mit Mass und Verstand genossen werden. Das Konsum-verhalten geht denn auch ganz in diese Richtung: Es wird weniger Whiskey als früher getrunken und mehr Wert gelegt auf Qualität und Erlebniswelt der Marken.

  • Alkohol erfordert einen verantwortungsvollen Umgang! 
  • Hoher Alkoholkonsum kann Deine Gesundheit gefährden!
  • Alkohol kann abhängig machen!
  • Bitte nimm nicht am Strassenverkehr teil, wenn Du etwas getrunken haben!
  • Beachte bitte die Vorschriften!

Michael’s Beers & Beans ist ein Hobby-Blog und nicht kommerziell. Ich bin ein fotografischer Geschichtenerzähler, erzähle was ich auf einer Reise oder sonst irgendwo so aufgeschnappt habe. Dieser Post ist in Ergänzung zu meinen Bildern als Small Talk, Gedankenaustausch und Plauderei zu verstehen, hat daher weder den Anspruch vollständig, noch komplett aktuell zu sein. Alle Informationen sind ohne Gewährleistung auf Vollständigkeit und Richtigkeit. Um sich in ein solches Thema zu vertiefen, empfehle ich unbedingt weitere Quellen zu überprüfen.

Dies ist keine Werbung oder sponsored Post, sondern ein subjektiver, persönlicher Erfahrungsbericht. Die Verwendung der von mir vorgestellter Produkte ist von mir selber so entschieden und auch von mir bezahlt.  

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