Corona WebLog #10: Warum reise ich (danach)?


“Boarding completed! Kurze Zeit später dröhnt das Flugzeug, zittert und schiesst in den Himmel. Irgendwann erlöscht das “Fasten Seat Belt”-Zeichen. Die Lüftung summt. Durch das Fenster sehe ich den Flügel mit den Turbinen, unter mir ein riesiges Wolkenmeer.”

Erinnerst Du Dich noch an diese Momente? Dieses Gefühl es passiert jetzt, im Moment zu leben.

Wie wird dieses Gefühl auf unserer allerersten Reise nach monatelanger Isolation sein? Magisch, faszinierend?

Die Welt ruft wieder, und ich folge. Aber warum eigentlich, warum reise ich?

Ist es einfach ein instinktives, tief in mir verankertes Fernweh? Oder eine Illusion von Freiheit, welche den Alltag für eine kurze Zeit ausblendet?

Erstaunlich wenig hat es mit mir gemacht, dass meine Ferien- und Reisepläne ins Wasser gefallen sind. Ich bin zwar traurig – aber es ist kein Beinbruch! Vor der Corona-Pandemie war Reisen etwas selbstverständliches. Doch erinnere ich mich beispielsweise an meine Jugendzeit zurück, damals waren Fern- und Ferienreisen etwas für Privilegierte. Interrail und trampen unser Luxus. Normal ist eben nur was heute und gerade ist.

Nach einer Reise habe ich mich jeweils gefragt, bin ich wirklich erholt? Viele Eindrücke waren in meinem Kopf und meistens war die Rückreise (Flugzeug, Flughafen) in den letzten Jahren eher anstrengend. Im Alltag zurück fühlte sich alles wieder schnell an wie vor der Reise. Aber ich war bereichert, mein Horizont erweitert.

Warum zieht es mich trotzdem schon wieder raus, wenn auch nur zu einer kleinen Reise im eigenen Land? Ist es eine Flucht? Nein, für mich ist Reisen eine Auszeit. Als Kontrast zu meinem Alltag. Darauf zu verzichten, wäre für mich schwierig. Oder doch nicht? Meine Art zu Reisen ist schlussendlich nur eine schöne Illusion, eine Verklärung von Natur und Genuss. Als Gegensatz des alltäglichen “alles muss einen Sinn und Nutzen haben”. Der Weg als “Spamfilter” um den Alltag auszublenden.

Auszeiten richtig zu nehmen, habe ich in dieser Cornona-Krise erst so richtig gelernt. Mich zu Hause vom Alltag zu befreien, nicht nur körperlich, sondern auch geistig. Ohne jeden Zwang zu entscheiden, was ich machen möchte. Ein Gefühl von Freiheit und “glücklich sein” zu entwickeln. Ohne den “Katalysator” Reisen, der nicht zur Verfügung stand.

Meine nächste Reise wird nicht einfach eine Auszeit in der Erwartung hin zu etwas besserem sein. Sondern froh gestimmt mit mir zu reisen und mich nicht erst irgendwo zu treffen. Im Bewusstsein, dass die Welt so gross ist. Und der Horizont eine Linie, die vor mir zurückweicht, ich nie erreichen kann!

Ich freue mich auf meine erste Reise „danach“!

P.S. Einerseits packt mich langsam das Fernweh, andererseits bekomme ich Lust meinen Blog wieder mit Reisenotizen aufleben zu lassen. Und ich habe auch noch genug Fotos in der Beers&Beans-Kiste um den einen oder anderen Post zu erstellen. Nun, es werden Reise-Notizen sein von „davor“!

Jetzt freue ich mich wieder auf die Zeit, in der ich Reisen kann. Auch ich werde langsam anfangen. Auf Reisen in meine Lieblingsdestinationen wie Island, Irland und Shetland werde ich dieses und vielleicht auch nächstes Jahr noch verzichten. Mit schwerem Herzen! Für mich heisst es frei nach Goethe: Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah!  Aus der Coronakrise nehme ich für mich mit, Reisen dankbar anzunehmen, nachhaltiger zu planen und (noch) bewusster zu erleben.