CoronaWeblog #10

Corona Weblog

In meinem CoronaWebLog habe ich lange nichts mehr notiert. Obwohl ich vorsichtig blieb, liessen meine Sommergefühle die Pandemie in der grossen Überzeugung auf bessere Zeiten etwas in den Hintergrund rücken. Die letzten Wochen waren gut, aber wir verspielen hier in der Schweiz mit unserem „schwedischen Laissez-faire“ gerade unsere gute Situation. Die Hospitalisierungen und die Fallzahlen steigen stark an – Deutschland könnte uns in einigen Tagen zum Risikogebiet erklären*. Was dies bedeutet? Viele die im Bodenseeraum an der Grenze zu Deutschland wohnen werden sich (wieder) die Augen reiben. Denn sie werden an der Grenze mit Einschränkungen leben müssen. Es werden nicht die einzigen bleiben. Noch will es niemand wahrhaben – «bleib mir weg mit diesem Corona-Zeugs» höre ich dann und wann in diesen Tagen.

Wir sind alle diszipliniert, solidarisch zusammengestanden und sind im Frühsommer gemeinsam aus diesem Lockdown herausgekommen. Viele sind danach vorsichtig geblieben. Wo Staat und Unternehmen Regeln erlassen hält man sich daran. Ausserhalb ist Selbstverantwortung gefragt. Vielfach wird diese wahr genommen. Einzelne dagegen drängen auf Teufel komm raus ins alte Leben zurück und loten das Risiko für sich und andere weit aus. Andere wiederum versuchen laut mit hasserfülltem Egoismus und quälendem Fatalismus die Gesetze der Biologie zu bekämpfen. Ich frage mich manchmal, wo sind die Stimmen geblieben die im Umgang mit der Klimakrise die Verantwortung aller Generationen, vorallem der Älteren einforderte? Wir hätten in den letzten Wochen die Möglichkeit gehabt zu beweisen, dass wir unserer Verantwortung gerecht und jeder seinen Teil an Disziplin beiträgt um das Coronavirus unter Kontrolle zu halten.

War ich in den letzten Wochen zu ängstlich, zu vorsichtig? Es war nicht, dass ich mich in ein Schneckenhaus zurückgezogen habe. Vieles in diesem schönen Sommer war wie immer, einfach mit Verzicht auf weite Ausland-Reisen, Open Airs und grosse Sommerfeste. Schwieriger war für mich anzuerkennen, dass es eine Rückkehr in mein “gewohntes” Leben tatsächlich nicht mehr gibt. Zwar erscheint die Lage starr, träge. In Wirklichkeit ist diese Zeit ungeheuer dynamisch und führt uns in ein anderes, ungewohntes Morgen.

Der Corona-Winter wird hart. Es heisst jetzt über den nächsten Winter kommen, diesen durchzustehen. Dies ist, die älteren Generationen mögen aufhorchen, das allerwichtigste Ziel. Nicht gerade eine prickelnde Aussicht.

Die kommende Zeit will ich nicht mit Denkfaulheit und Freudlosigkeit verkommen lassen. Das nächste Stück unseres Marathons mit Vorsicht, Neugier und Lebensfreude weiterzugehen. Mit dem innerlichen Bewusstsein, es gibt ein Danach. Eines mit vielen neuen Chancen, einer anderen Leichtigkeit und einem Sinn für Genug.

Wie war das noch? Den Virus nicht empfangen und weitergeben! Alles Gute und bleibt gesund.

Stay well and safe.

* Nachtrag vom Freitag, 16. Oktober 2020

Ab Samstag 17. Oktober 2020 erschwert Deutschland die Einreise für Schweizer aus zehn Kantonen. Nach Genf und Waadt hat Deutschland am Donnerstagabend acht weitere Schweizer Kantone auf die Risikoliste gesetzt: Zürich, Zug, Schwyz, Nidwalden, Uri, Freiburg, Jura, Neuenburg. Für Personen (also auch für mich) aus diesen Kantonen wird die Einreise nach Deutschland ab Samstag durch die Quarantänepflicht erschwert. Die Einreise ist mit einem aktuellen PCR-Test dagegen möglich. Die Freude auf weniger Einkaufstouristen aus dem Raum Zürich wird wohl in Waldshut, Singen oder Konstanz nur von kurzer Dauer sein. Zumindest gilt dies alles nur für die nächsten drei Wochen. Es trifft am 8. November 2020 eine neue Musterverordnung in Kraft, welche Ausnahmen für Personen die „bis zu 24 Stunden in das Bundesgebiet einreisen“. Einkaufstourismus könnte wieder erlaubt werden, sofern dies dann wirklich dem dem Willen der deutschen Bundesregierung entspricht.


Die grössten Auswirkungen hat die Risiko-Einstufung dann wohl für Ferienreisende beider Länder. Deutschland ist für die Schweizer ein sehr beliebtes Ferienland.


Die in Deutschland beliebten grossen Wintersport-Orte in Graubünden, Wallis und Bern gelten derzeit nicht als Risikogebiet. Noch nicht.


Sollten allerdings die Fallzahlen in Deutschland weiter steigen, kann auch die Schweiz Regionen in Deutschland zum Risikogebiet erklären. Dann wäre der Zugang zu den Wintersportorten nur noch sehr erschwert möglich.

Einfach kompliziert …

Nachtrag vom Samstag, 17. Oktober 2020

Per Notrecht hat Baden Württemberg die 24h Regel eingeführt, damit sollte der kurzfristige Grenzübertritt weiter möglich sein ….

3 Gedanken zu “CoronaWeblog #10

  1. Danke für die Informationen und deine Gedanken! Dass die zweite Welle kommt, war vorauszusehen. Ich hoffe nur, dass es nicht wieder einen Lockdown gibt
    Bleib gesund
    LG Andrea

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