Corona WebLog #16: Adventszeit

Normalerweise verzaubert mich der Advent jedes Jahr aufs Neue. Doch wie alles in diesem Jahr fällt auch die Advents- und Weihnachtszeit aus dem Ryhtmus. Die Adventszeit gab mir normalerweise etwas Raum. Und schöne Begegnungen mit Freunden, Familien und Kollegen. Doch dieses Jahr finden Weihnachtsmärkte, Weihnachtsessen und vieles anderes mehr einfach nicht statt. Selbst unsere familiäre Weihnachtsfeier wird anders sein. Auf Distanz. Keine Umarmungen. Keine Ahnung wie wir es wirklich gestalten werden. Wie soll sich da bei mir eine Adventsstimmung entwickeln?


Statt Adventsstimmung spüre ich rund um mich herum zunehmend Aggressivität. Die Menschen sitzen in der dunklen Jahreszeit, haben den Druck des nahenden Jahresendes und müssen diese zweite Welle in der Corona-Krise bewältigen. Dies baut bei vielen Frust auf.

Aber warum eigentlich? Aus dem Lockdown im Frühling wissen wir doch alle wie Corona geht? Ich spüre allerdings ebenfalls ein Unterschied, den der Lockdown war für mich in erster Linie eine Erfahrung. Ich verspürte neben den vielen Sorgen immer auch eine Aufbruchstimmung. Doch jetzt in der zweiten Welle stellt sich bei mir vermehrt eine Ermüdung ein. Die zweite Welle scheint für mich herausfordernder. Auch weil die Krise schon so lange dauert und kein unmittelbares Ende in Sicht ist. Und über allem steht auch eine Art von Monotonie.


Doch gerade jetzt ist die Adventszeit eine gute Gelegenheit in mich hineinzuhören. Speziell nach diesem Jahr. Wie geht es mir wirklich, was beschäftigt mich? Eine Bilanz über dieses, mein aussergewöhnliches Jahr zu ziehen.

Normal bin ich in der Adventszeit viel unterwegs, eher wenig zu Hause. Das ist momentan anders. So muss meine Adventsstimmung dieses Jahr von innen kommen. Auch ohne die liebgewonnen Rituale und Strukturen. Meine Adventszeit muss „coronafähig” werden.

Ich baue mir bewusst Momente des Genusses ein, pflege die sozialen Kontakte, was halt (online) möglich ist. Schätze mehr Zeit zu Hause zu haben. Rückblickend dankbar zu sein für die alten Freiheiten, die wir erleben durften. Und daraus die Hoffnung schöpfen auf die neuen Freiheiten, die wir nach der Krise erleben dürfen.

Advent ist eine Zeit der Erschütterung, in der der Mensch wach werden soll zu sich selbst.

Alfred Friedrich Delp, Jesuit (1907- 1945)