Jólasveinarnir – etwas zum Hintergrund der „Yule Lads“ aus Island

Die Weihnachtselfe Ragnheiður hat uns die Geschichte der 13 Weihnachtsmänner auf meinem Blog erzählt. Ich möchte Euch jetzt noch etwas zum Hintergrund dieser Geschichte erzählen, den ganz so romantisch wie die Version meiner erfundenen Weihnachts-Elfe ist das ganze dann doch nicht. 

Weihnachtsgeschichte veröffentlicht 2019 / Recycled und überarbeitet Nov./Dez. 2020 / Teil 5 (Hintergrund)

Dieser Weihnachtsbrauch in Island basiert auf uralten Überlieferungen und kommt aus der grossen Sagen-Welt, die bis zu den Wikingern zurückreichen. Machen wir uns nichts vor, die isländische Hexe Grýla ist ein furchterregendes Monster. Sie ist nämlich eine Menschenfresserin, die in der isländischen Wildnis (Esja-Gebirge) wohnt. Zusammen mit ihrem Troll-Mann Leppaludhi, den gemeinsam gezeugten dreizehn Söhnen und einer schwarzen Katze raubte sie Kinder. Es gibt sogar Quellen, die davon sprechen es seien ursprünglich 26 Brüder gewesen und Grýla haben in vorgehenden Ehen nochmals über 30 Söhne bekommen.

Wenn die hässliche Grýla und die Trolle in alten Zeiten von ihrem Berg stiegen und zu den Leuten kamen, dann, um Angst zu verbreiten und ungehorsame Kinder zu finden. Diese wurden der Erzählung nach von Grýla in einen Sack gesteckt, mitgenommen und in einem grossen Topf gekocht und verspeist. Wer seine Ungezogenheiten jedoch bereute, konnte in letzter Minute entrinnen. Brave Kinder durfte die Menschenfresserin anscheinend nicht anfassen.

Ich habe gelesen, dass wegen dieser bösen Geschichte im 18. Jahrhundert die isländische Regierung eine Verordnung erliess, die es Eltern verbot, ihren Kindern mit Monstern wie Grýla oder deren Zwergen Angst einzujagen, um damit Folgsamkeit zu erzwingen. 

Nun, die alte Hexe ist bis heute eine furchteinflössende Figur geblieben. Im Unterschied zu ihren Trollkindern, die über die letzten paar Jahrzehnte geradezu politisch korrekt geworden sind.

Das Erscheinungsbild wurde oder musste kinderfreundlicher gemacht werden. Die Wirklichkeit in den alten Zeiten war eine andere – eigentlich sind diese Trolle nämlich ein verlotterter, schmutziger Haufen Gesindel. Gluggagaegir (heute der Fenstergucker) war zum Beispiel ein richtiger Spanner und schaute den Mädchen unter die Röcke. Und wenn man wissen will, warum Stekkjastaur so heisst, wie er heisst, dann fällt einem auf, dass die Übersetzung lediglich „Steifer Stab“ bedeutet. Dies wird heute mit “steifem Bein” interpretiert. Und auch die anderen waren wohl in der ursprünglichen Bedeutung nicht viel besser.

Wirklich brav sind die 13 Kerle ja nicht geworden und die Unsitten des Stehlens und Randalierens haben diese noch nicht ganz abgelegt. Da Island heute nicht mehr isoliert ist, mussten sich die Weihnachtsmänner teilweise dem europäischem Advents-Brauchtum anpassen. Die Idee, dass die Kinder abends die Schuhe raus stellen, wurde vermutlich von den Holländern übernommen.

Aber auch Grýla hat dazugelernt und schickte offenbar ab einem gewissen Zeitpunkt die Brüder nicht mehr in schäbigen Kleidern zu den Leuten, sondern es gab in der Familie plötzlich einen roten Anzug mit weissen Bordüren und eine rote Zipfelmütze. Der jeweils im Ausgang befindliche Troll hat inzwischen dieses Tenue zu tragen. Grýla machte dies nicht ganz freiweillig, sondern aus lauter Respekt vom ganz grossen Onkel der andernorts mit dem Rentierschlitten geflogen kommt und durch den Kamin in die Häuser eindringt!

Ach ja, die blöde Katze habe ich ja noch vergessen. Wenn an Heiligabend der Nordwind heult, kann das auch Jólaköttur, die Weihnachtskatze sein. Sie schleicht am 24. Dezember aus Grýlas Höhle ins Tal und schnappt sich alle, die keine neuen Kleider anhaben!

„Geðileg jól – Frohe Weihnachten“.

Bild: Grýla, Figur im Weihnachtsgarten in Akureyri (Foto Michael’s Beers&Beans)

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