Zwischen den Jahren – mein kleiner Rückblick 2020 (Teil 4)

Es ist eine liebgewonnene Tradition, dass ich für mich persönlich ein Jahresrückblick erstelle, mein Bloggerjahr etwas reflektiere. Und warum nicht auch für dieses Corona-Jahr?

Vorwort Teil 1

Meine Fotografie lebt gewöhnlich von meinen Reisen raus in den Nordatlantik: Island, Färöer, Norwegen oder auch Irland. In diesen Covid19-Zeiten waren diese Länder für mich plötzlich unerreichbar. Und so hatte ich anfänglich in diesen Covid19-Zeiten gar keine grosse Lust mich mit der Fotografie zu beschäftigen. Ich brauchte einen Moment bis ich mich mit der neuen Situation abfinden und diese akzeptieren konnte. Langsam begriff ich, dass ich diese Zeit auch fotografisch nutzen sollte. Ich lernte neu zu sehen. Der Wechsel der Perspektive macht oft einen grossen Unterschied. Im Leben wie in der Fotografie.

Die Bilder in meinem diesjährigen Jahresrückblick sind genau aus Momenten der Achtsamkeit entstanden. Es sind einfache Bilder, mit denen ich die scheinbare Normalität der Natur oder der Zivilisation mitten in dieser Corona Pandemie spiegle.

Die Texte dazu ergänzen den Kontrast der Normalität der Jahreszeiten mit der Realität dieser Corona-Pandemie die uns Menschen seit diesem Jahr bedroht und vor der wir uns zu schützen versuchen.

Edward Hopper: «Cape Cod Morning», 1950. Foto by MSC aus Ausstellung 2020 Edward Hopper. Ein Neuer Blick auf Landschaft – Fondation Beyeler

Im letzten Teil meines Rückblick schaue ich zuerst nochmals in den Februar zurück. Ein Besuch der Fondation Beyeler brachte mich zur Ausstellung von Edward Hopper. Und zu seinem berühmten Gemälde „Cape Cod Morning“. In diesem Bild steht eine Frau in einem Erker. Sie scheint von der Aussenwelt abgeschirmt. Sie stützt sich mit den Händen auf einen Tisch, lehnt sich nach vorne und schaut aufmerksam nach draussen. Ihr Blick richtet sich auf etwas, was für den Betrachter nicht sichtbar ist. So sah ich dieses Bild im Februar.

Heute hat es für mich eine neue Bedeutung bekommen. Diese Frau, die so sehnsüchtig nach draussen blickt, fasst meinen eigenen Gefühlszustand für dieses Corona-Jahr einfach perfekt zusammen.

Herbstzeitlosen im Gottlieber Riet

Im Rückspiegel das letzte Quartal – herbstliche Bilder, der Schwabenweg und eine friedvolle Advents- und Weihnachtszeit.

Oktober

Die Fallzahlen schnellten plötzlich in die Höhe. Lange wollte es niemand so richtig wahr haben. Ein toller Sommer lag doch hinter uns? Auch die Regierung zögerte, erst am 18. Oktober 2020 ergriff der Bundesrat an einer ausserordentlichen Sitzung mehrere, schweizweit gültige Massnahmen. Diese schärfte er am 28. Oktober 2020 nochmals nach. Die Spitäler wurden von Covid-Kranken überrannt, die Intensivstationen füllten sich von Tag zu Tag. Dies geschah ausser Sichtweite der Presse und der Bevölkerung – diese interessierte viel mehr, ob die Skigebiete über die Festtage offen haben.

Sihlsee  im Hochtal von Einsiedeln

Der Oktober zeigte sich am Bodensee ausgesprochen kühl und sehr niederschlagsreich. In den nahen Bergen fiel bereits der erste Neuschnee.

Die Tage wurden kürzer, feuchter Nebel zog über den Fluss und das Wetter wurde „ungemütlich“. Der drastische Anstieg der Infektionszahlen schlug aufs Gemüt. Unruhig ging ich in den Spät-Herbst.

Trotzdem, aber noch vorsichtiger als sonst, nahmen wir die letzte Etappe von Konstanz nach Einsiedeln unter unsere Wanderschuhe. Wir starteten in Rapperswil am Zürichsee und folgten dem Schwabenweg durch eine wunderschöne Landschaft bis zu unserem Ziel dem Wallfahrtsort Einsiedeln im Hochtal der Sihl. Hinter uns lag der Kanton Thurgau, das Zürcher Oberland, der Zürichsee und zu Letzt der Etzelpass.

November

Die Fallzahlen stiegen und stiegen. Die Regierungen von Bund und Kanton hatten sich für einen Art schwedischen Weg entschieden. Güterabwägung – eine Balance zwischen Wirtschaft und Gesundheit zu finden. Täglich erhöhten sich die Todeszahlen. Die Übersterblichkeit war nicht zu übersehen, doch dies wurde von grossen Teilen der Gesellschaft und Politik anfänglich hingenommen.

Herbst-Spaziergang

Im November ist es am Bodensee immer neblig! Dieses Jahr wurde der November diesem Klischee gerecht! Und passte in diesen Corona-November! Trotzdem zog ich mit meiner Kamera los um die schönen, mystischen Seiten des Nebelwetters einzufangen. Vereinzelt schaffte es die Sonne, dann gabe es die goldigen und leuchteten Momente wie auf diesem Bild.

Dezember

Die Schweiz stieg zu den Ländern mit den meisten Fallzahlen auf. Täglich wurden die Todeszahlen zu Kenntnis genommen. Die Regierungen der Kantone nahmen ihre Leadfunktionen zu zögerlich wahr. Selbst das hinter Plexiglas tagende Parlament in der Bundeshauptstadt Bern lies zum Geburtstagsständchen für einen Bundesrat anfangs Dezember noch eine Blaskapelle aufmarschieren. Eines von diesen vielen Bilder, die eines Tages als Synonym herhalten müssen, dass in vielen Teilen unserer Gesellschaft der ernst der Lage zu diesem Zeitpunkt noch nicht begriffen worden war. Deutschland hatte bereits den Lockdown ausgerufen und fuhr das ganze Land zurück. Die Gesundheit und das Leben hat in unserem Nachbarstaat eine viel höhere Gewichtung.

Am 18. Dezember zieht die Schweiz (endlich) nach, der Bundesrat beschloss weitere Verstärkung der Massnahmen. Fast alle Skigebiete schliessen, ausser unter hohen Auflagen jene in Graubünden und Wallis. Meldungen einer Mutation des Virus aus England schreckte uns alle auf. In der Folge stellt unsere Regierung per 21. Dezember 2020 den Flugverkehr zwischen der Schweiz, Grossbritannien und Südafrika ein.

Doch zum Schluss kam die gute Nachricht – die ersten Impfdosen wurden geliefert. Der Kanton Luzern hatte als erster Kanton mit den Corona-Impfungen begonnen. Die erste Geimpfte der Schweiz war eine 90-jährige Bewohnerin eines Altersheims.

Sonnenstrahlen werden vom auflösenden Nebel reflektiert.

Wir stehen im Dezember vermutlich erst mitten in dieser Krise. Es gibt keine Alternative, durch die bevorstehenden Wochen müssen wir alle noch durch. Der Dezember verläuft für mich monoton. Viel Arbeit, Homeoffice, soziale Kontakte nur noch über digitale Medien. Die Advents- und Weihnachtszeit gibt mir wenigstens etwas Normalität.

Starten wir mit Zuversicht und Optimismus ins neue Jahr. 2021 wird ein „Comeback“ unseres Lebens geben und 2022 kann für uns alle ein goldiges Jahr werden!

Der Schwabenweg

Kloster Einsiedeln – das Ziel unserer Tour „Schwabenweg“

Der Jakobsweg von Konstanz bis Einsiedeln wird auch Schwabenweg genannt. Uns faszinierte die Idee von Konstanz aus nach Einsiedeln zu wandern. Vom Bodensee bis mitten in die Alpen der Innerschweiz. Und auf den Pfaden der Pilger zu wandern. Dieser Weg führte bereits in früheren Zeit bis nach Einsiedeln. In Einsiedeln sammelten sich dann die Pilger um weiter bis nach Santiago de Compostela zu gehen.

Den Schwabenweg sowie Bilder von unserer Wanderung werde ich Euch nächstes Jahr vorstellen.

Nebelmeer

Nebelmeer über dem Rheintal

Nebel, Hochnebel dominierte die Wetterlage im späten Herbst. Doch es gibt immer den Fluchtpunkt „Sonne“ – vom Bodensee einfach auf einen nahen Berg fahren und die Sonne sowie das Nebelmeer für den Moment geniessen.

Zwischen den Jahren – mein kleiner Rückblick 2020 (Teil 3)
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