Nordlichter auch über dem Himmel des Bodensees?

Ich stehe auf einer Anhöhe. Über dem isländischen Fjord Eyjafjörður. Bis zum Morgengrauen. Gespannt den Blick nach Norden gerichtet. Die klirrend kalte Luft und die dunkle Polarnacht sind Balsam für meine Seele. Langsam, fast unkenntlich erscheinen die Nordlichter. Werden intensiver, grünlicher. Im Moment nicht wissend ob diese gleich wieder verschwinden oder für Stunden durch den Nachthimmel wabern. Auch ich strahle in dieser geheimnisvollen Nacht, scheinbar vereint mit der Natur und der Magie des Unendlichen.

Die Begegnung mit einem Nordlicht ist unbeschreiblich, voller Magie. Doch in diesen Zeiten bleibt mir diese Begegnung verwehrt. Die Corona-Pandemie lässt eine Reise an den Polarkreis nicht so ohne weiteres zu.

Aber warum beobachte ich die Nordlichter nicht einfach zu Hause? Bei uns in der Schweiz, am Südufer des Bodensees? Dieser Gedanke erscheint absurd, ist aber gar nicht so weit hergeholt. Es gibt ab und zu Nordlichter am Horizont des Schweizer Nachthimmels. Für mich als Polarlicht-Fan heisst es daher in den Herbst- und Wintermonaten immer wachsam zu bleiben. Es ist tatsächlich möglich, dass solche Erscheinungen bei uns sichtbar sind. So wurde einer der letzten spektakulären Sichtungen von Polarlichtern im November 2013 über dem Bodensee wahrgenommen.

Am Polarkreis erscheint bei klarem Wetter fast jede Nacht ein grünliches Leuchten am Nordhorizont. Bei uns dagegen tritt das Nordlicht nicht in Form und Farbenvielfalt wie im hohen Norden auf. Polarlichter erscheinen am Schweizer Nachthimmel meist als diffuses Leuchten, für das Auge oft kaum wahrnehmbar. Es gibt zudem bei uns das Phänomen der „Beamer“, dies sind seltene Nordlichterscheinungen, welche mit senkrechten Strahlen in den Himmel ragen. Auch sind die Nordlichter nicht grün, sondern es überwiegt die Farbe rot. Das typische grün versteckt sich meistens hinter dem Horizont oder fällt kaum auf.

Um überhaupt ein Nordlicht in der Schweiz zu sehen, sollte man an einem Ort sein, der wenig Lichtverschmutzung hat und gleichzeitig einen weiten Blick über den Horizont nach Norden ermöglicht. Daher ist das Südufer der Bodenseeregion kein schlechter Platz für Nordlichtbeobachtungen. Wenn es denn überhaupt welche hat!

Ob es überhaupt Nordlichter gibt ist eine Frage der Sonnenaktivität. Derzeit befinden wir uns an einem Wendepunkt, es ist in den nächsten Jahren damit zu rechnen, dass die Sonne aktiver wird. Dies bedeutet, es gibt mehr Eruptionen und es entstehen starke Sonnenstürme. Diese schleudern winzige Teilchen in die Erdatmosphäre, was an Nord- und Südpol* die Polarlichter entstehen lässt. Diese starken Sonnenstürme können die Polarlichtzone von den nördlichen Breitengraden bis nach Mitteleuropa verschieben.

Die Chancen, Nordlichter am Bodensee zu beobachten, erhöhen sich.

Denn die Sonnenflecken haben eine direkte Verbindung zum Nordlicht, wobei Perioden hoher Sonnenfleckenaktivität die Häufigkeit und die Intensität der Nordlichter erhöht. Die Wissenschaft geht davon aus, dass der Sonnenfleckenzyklus in den nächsten Jahren in die maximale Phase tritt. Dies heisst, die Sonnenfleckenzahl nimmt zu. Der Höhepunkt scheint im Jahre 2025 erreicht zu sein. Es wird davon ausgegangen, dass alle 11 Jahre die höchste Phase der Sonnenfleckenaktivität erreicht ist. In der jüngsten Vergangenheit waren kaum Flecken auf der Oberfläche der Sonne zu erkennen. Ein Grund dafür, dass auch die Nordlichtaktivität am Polarkreis manchmal etwas schwächer ausfiel.

Es gibt auch Ausnahmen. So können vereinzelt starke Sonneneruptionen auftreten, wie zuletzt im Herbst 2017. Allerdings war zu jenem Zeitpunkt am Bodensee das Wetter schlecht, der Himmel bedeckt. Dazu kam, dass der Sonnensturm zu einem ungünstigen Zeitpunkt eintraf, da der Mond gerade zu dieser Zeit hell strahlte.

Sicherlich werde ich berichten, sollten die Chancen einmal gut sein um Nordlichter am Bodensee zu beobachten. Wäre auch für mich ein tolle Sache und es könnte doch das eine oder andere spektakuläre Bild entstehen.

 Von ausgewählten Orten lässt sich der Nachthimmel über dem See bei geringer Lichtbelastung hervorragend geniessen. Hier als Beispiel der Komet Neowise in der Abenddämmerung.

Übrigens im Januar 1938 gab es eine spektakuläre Nordlichtnacht. Dieses Ereignis war in ganz Europa bis nach Algerien zu beobachten. Das Nordlicht leuchtete so intensiv rot, dass viele Feuerwehrleute der Meinung waren, dass in ihrer Region ein Grossbrand ausgebrochen sei. Diese Nacht ging als „blutiges Meer“ in die Geschichte ein.

Die rötlichen Nordlichter entstehen in einer grossen Höhe, daher könnte man diese auch am Bodensee sehen. Die grünen Nordlichter dagegen verschwinden hinter dem Horizont.

Quellen: NASA, UiT The Arctic University of Norway, Posts Michael’s Beers&Beans, Buch von Helga van Leur: DAG & NACHT: DE HEMEL VERKLAARD, Thurgauer Tagblatt (Artikel Kaltes Feuer vom 05.11.2013), Buch: Andreas Walker und Thomas Bucheli: Wetterzeichen am Himmel: Meteorologische Erscheinungen verstehen und richtig deuten, u.a.

Bilder: Die Nordlichter wurden in Island und auf den Lofoten aufgenommen.

* Am Südpol erscheinen ebenfalls Polarlichter. Die Polarlichter des Südens werden Aurora australis genannt, die Nordlichter werden als als Aurora borealis bezeichnet.

Nachtrag 10.01.2022

Am 9. Januar 2022 hat mich ein Mail eines Lesers aus dem Emmental (Kanton Bern erreicht):

Ich und meine Frau haben in der Nacht zum neunten Januar zwischen 2:45 und 3:00 unabhängig von einander mindestens drei grüne Polarlichter beobachtet. Das war das erste mal, dass wir so etwas in unserer Region beobachtet haben. Viele Grüsse H.P.G

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Michael’s Beers & Beans ist ein Hobby-Blog und nicht kommerziell. Ich bin ein fotografischer Geschichtenerzähler, erzähle was ich auf einer Reise oder sonst irgendwo so aufgeschnappt habe. Dieser Post ist in Ergänzung zu meinen Bildern als Small Talk, Gedankenaustausch und Plauderei zu verstehen, hat daher weder den Anspruch vollständig, noch komplett aktuell zu sein. Alle Informationen sind ohne Gewährleistung auf Vollständigkeit und Richtigkeit. Um sich in ein solches Thema zu vertiefen, empfehle ich unbedingt weitere Quellen zu überprüfen.

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