Corona WebLog #24: Postkarte aus Arosa

Schlichtweg habe ich es nicht mehr ausgehalten. Unvorstellbar ein Winter ohne die Kombination aus frischer Bergluft, idealer Hanglage – nicht zu steil, nicht zu flach – sowie dem perfekten Carving-Schwung auf weiten, offenen Pisten. Ich liebe Skifahren. Skifahren bedeutet Freizeit, Freude, Freiheit und Genuss. Ich liebe den kühlen Wind und die Sonne in meinem Gesicht.

Unglaublich, vor mehr als 60 Wochen stand ich das letzte mal auf meinen Skiern – unbewusst. Im März letzten Jahres vielen meine Skiferien dem landesweiten Lockdown zum Opfer. Seit dem ist viel passiert, an Reisen und Ferien war fast nicht zu denken.

Nun stehe ich hier mitten in der wunderschönen Bergwelt von Arosa auf den Skiern. Tatsächlich darf ich ein paar Ferientage verbringen und dies noch in meinem Lieblingshotel. Während halb Europa im Lockdown ist, lässt der Shutdown in der Schweiz die Skigebiete offen.

Und doch, es ist anders, wie so oft in den vergangenen Corona-Zeiten. Ich spüre Unsicherheit. Aber warum? Alle Vorsichtsmassnahmen sind getroffen worden, um sich selbst noch andere Menschen zu gefährden. Soziale Kontakte vermeide ich wie bisher, ich bin hier zum Skifahren und Winterwandern. Bin oft draussen an der Bergluft. Und ich gehöre ohnehin zu den Menschen, die konsequent im Home-Office arbeiten und warum soll ich mir jetzt nicht einfach ein paar Tage in den tief verschneiten Bergen gönnen? Die Kunst ist doch, die Dinge anzunehmen, welche sicher und jetzt möglich sind.

Die Skigebiete sind offen, es wurde aber konsequent alles auf den Wintersport reduziert. Die Betreiber der Bergbahnen geben sich alle Mühe, ihr Schutzkonzept durchzuziehen. Vieles bekommen die Schneesportler nicht mit, wie die Verneblung der grossen Gondeln mit Desinfektionsmittel. Dies geschieht mehrmals täglich.

Die Hütten haben alle geschlossen, Aprés Ski ist sowieso kein Thema! Dafür haben einige Hütten einen Take Away Service eingerichtet. Das Angebot ist stark reduziert. Gegessen und getrunken wird im Stehen direkt an der Piste. Oder sitzend im Schnee.

Obwohl die Hotels im Dorf gut gebucht sind, sind die Pisten halbleer. Kein Anstellen, nicht ansatzweise, Pulverschnee, tolle Bedingungen zum endlos weiten Carven und Dahin-Flitzen. Zudem verhalten sich die Wintersportler diszipliniert was die geltenden Schutzmassnahmen wie Maskenpflicht beim Anstellen an den Liften, Maskenpflicht beim Kauf von Speisen und Getränken sowie beim Gang aufs WC betrifft. Ich empfand, dass sich alle – Gäste, Skifahrer, Betreiber, usw. sehr vorbildlich in diesen Tagen verhalten haben.

Mit der Maske beim Skifahren habe ich mich zwar nicht angefreundet, aber muss sein. Doch meine normale Hgienemaske erwies sich schnell als ungenügend beim Skifahren. Durchgenässt vom Schneefall, vom eisigen Wind gefroren, schnell ausgelottert. Zertifizierte Halsschläuche sind eindeutig besser.

Im Hotel wird ein vorbildliches Schutzkonzept umgesetzt. Belegt wird das Hotel mit maximal 75%. Zum Schutze aller Gäste und Mitarbeitenden gibt es viele Hygienevorschriften inkl. dem Tragen von Schutzmasken in allen öffentlichen Bereichen und die soziale Distanz von 1.5 Metern ist einzuhalten.

Aufgrund der aktuellen Lage (Shutdown) sind alle Restaurantbetriebe im Ort Arosa wie im Skigebiet geschlossen, davon ausgenommen sind solche, die an Hoteleinrichtungen angeschlossen sind. Als Hotelgäste können wir die Restaurants in unserem Hotel unter den gewohnten Schutzmassnahmen nutzen. Und durch den schnellen und unkomplizierten Zugang zu den Pisten ist es uns möglich jederzeit für die Mittagspause ins Hotel zurückzukehren. Ab 23.00 Uhr gilt eine Sperrstunde, dann gehen in unserem Hotel die Lichter aus.

Der Aufenthalt in unserem Hotel hat so einen “Normalitäten-Mix”, dass mich manchmal ein Art “Titanic-Gefühl” beschleicht. Beim Abendessen und einem schönen Glas Wein, die Musik säuselt im Hintergrund, erscheint dieser Luxus surreal. Eine kleines verlorenes Schiff umtost von den Wellen der Corona-Pandemie.

Schlechtes Gewissen? Wintersport und Genuss mitten in der Corona-Pandemie? Jaein, es gibt keinen Grund, dass mich ein schlechtes Gewissen beschleicht. Solange ich in den Ferien das Gehirn nicht ausschalte. Ferien ja, aber gefordert ist weiterhin mitzudenken und vorsichtig zu sein. Alle Regeln strikt einzuhalten. Und dies gilt für Ferien in der Bergwelt von Arosa, in der Schweiz ebenso wie für den Rest der Welt.

Dieser Aufenthalt in Arosa war anders. Weniger unbeschwerter, trotzdem bin ich sehr dankbar für diesen wundervollen Corona-Time Out!

«Wir können die Leute nicht die ganze Zeit einsperren. Sie müssen auch mal an die frische Luft. Skifahren und Langlaufen können in dieser Situation eine willkommene Abwechslung sein.»

Bundesrat Guy Parmelin im Interview mit der «Sonntagszeitung» zum Auftakt seines Präsidialjahres