Vulkan Fagradalsfjall auf Island wird aktiver

Seit Wochen sprudelt nun die Lava am Fagradalsfjall. Anfänglich schien sich der Vulkan auf der Halbinsel Reykjanes unweit der Hauptstadt schnell zu beruhigen, doch inzwischen wird er immer aktiver. Es hat sich eine dritte Eruptionsspalte geöffnet, welche ca. 500 m lang ist. Weitere scheinen sich zu bilden. Daher wird die aktuelle Lage gerade etwas unübersichtlich. Diese dritte Spalte liegt zwischen den anderen beiden. Auf den Webcams lässt sich gut beobachten, dass die Lava in Richtung des Geldingadalurs abfliesst. Insgesamt sind bisher 8 Schlote (Hornitos) entstanden.

Beitragsbild: abkühlendes Lavafeld im Krafla-Gebiet, Iceland (Symbolbild, Photo by michael’s beers&beans)

Isländische Geologen haben inzwischen die Lava untersucht und festgestellt, dass diese Lava sehr schnell aus grosser Tiefe an die Oberfläche drückt. Die Wissenschaftler gehen von einer Tiefe von ca. 20 km aus. Dieser Vulkan wird somit über ein sehr grosses Magmareservoir gespiesen und daher könnte die Eruption noch sehr lange andauern.

Ein eindrückliches Bild, im Vordergrund die Stadt Rekjavik und im Hintergrund der Vulkan, der ca. 30 km entfernt auf der gegenüberliegenden Halbinsel liegt. (Bild: Golli – Kjartan Þorbjörnsson / Iceland Review / Instagram)

In diesem Zusammenhang ist mir eine interessante Frage aufgefallen, die in den sozialen Medien diskutiert wird. Könnte sich aus der Eruption ein Ausbruch wie die gigantische Laki-Eruption (1783 – 1785, Grímsvötn, Südisland) entwickeln? Fachkreise halten dies eher für unwahrscheinlich, schliessen es aber nicht ganz aus. Die Stärke der Eruption könnte also noch weiter fluktuieren, die Spalten sich über Kilometer ausbreiten, die Hornitos sich zu ausgewachsenen Vulkankegeln (Pyroklastische Kegel) auftürmen.

Hoffen wir, dass es nicht so weit kommt und sich der Ausbruch am Fagradalsfjall weiterhin harmlos verhält.

Die Eruption des „Laki-Gigar“ begann im Jahr 1783. Es war ein Pfingstsonntag. Nach mehreren leichten Erdbeben öffnete sich zunächst eine 12 km lange Eruptionsspalte. Bis zu 1000 m hohe Lavafontänen schossen in den Himmel. Die Lava floss durch 2 Flusstäler Richtung Meer. Das Wasser der Flüsse verdampfte unter der Lava. Selbst in 40 km Entfernung wurden Bauernhöfe vernichtet. Im Laufe der Eruption verlängerte sich die Spalte auf 27 km Länge. Auf ihr wuchsen mehr als 130 Schlackenkegel.

Der Vulkan hat viele isländische Besucher angelockt, für die es eine willkommene Abwechslung ist. Je nach vulkanischen Aktivitäten wird das Gebiet für die Besucher auch schon mal gesperrt. Die Polizei und Rettungskräfte hatten in den vergangen Wochen alle Hände voll zu tun. Viele Besucher hatten sich in der unwirtlichen Gegend verlaufen oder sich überschätzt. So mussten sich die Helfer immer wieder um Leute kümmern, die nicht ausreichend ausgerüstet waren und teilweise an Unterkühlungen litten.

Natürlich ist der Aufenthalt direkt am Vulkan nicht ungefährlich. Der Vulkan setzt Schwefeldioxid frei, ein giftiges Gas. Es ist schwerer als Luft und sammelt sich daher in Senken, was bei wenig Wind problematisch wird. Zudem verliert es für uns in hoher Konzentration den Geschmack nach faulen Eiern. Schlussendlich ist dann noch die Lava – sehr heisses, rotglühendes Gestein. Auf der Webcam ist schön zu beobachten, wie an den Ausbruchstellen immer wieder Brocken heisser Lava abrechen und diese dabei “explodieren”.

Für jemand, der noch nie in Island war, ist kaum vorstellbar, dass dieser Vulkan nur 30km (ca. 1 Autostunde) von der Hauptstadt Rekjavik entfernt ist und trotzdem in einem schwer zugänglichen Gebiet liegt. Zur Zeit ist der Vulkan nur zu Fuss zu erreichen. Es sind rund 3.5km bis dahin. Aufgrund des bergigen Geländes muss +/- 2 Stunden Gehzeit eingerechnet werden. Berichtet wird, dass der Handy-Empfang dort schlecht oder gar nicht vorhanden ist, was es schwierig macht im Notfall Hilfe zu rufen. Und es ist immer noch Winter in Island.

Auf YouTube gibt es dieses schöne und eindrückliche Video von Rafn Sigurbjörnsson (Landschaftsfotograf)


Die Einwohner von Grindavik, der Ort welcher nur 10km vom Vulkan entfernt ist, haben dem Vulkan den Namen Geldingadalsgos gegeben. Dies weil der Ausbruch im Geldingadal angefangen hat. Vermutlich wird sich dieser Name nicht durchsetzen, eher wird sich die Bezeichnung Fagradalsfjall etablieren. In der Aussprache viel einfacher, trotzdem hier noch ein Video, wie man dies sowie einige andere Bezeichnungen in isländisch richtig ausspricht:

Wie spricht man Fagradalsfall aus?

Quellen: isländische Onlinemedien, Instagram, RÚV (öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt Islands), Island-Blog, usw.  
Bilder /Video: Rafn Sigurbjörnsson, Instagram Account von Iceland-Review, icewear, Titelbild und Laki by michael’s beers&beans

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