Fressen Bären Bärlauch?

Die Sonne scheint. Es ist Mai. Ich wandere am Rand eines Buchenwaldes entlang. Der Frühling hat dem Wald sein grünes Kleid angezogen. Die Vögel orchestrieren ihr Gezwitscher. Die Luft riecht frisch, leicht ätherisch, nach würzigem Bärlauch. Neugierig bleibe ich vor einem grossen Feld voller blühendem Bärlauch stehen, freue mich über dieses schöne Foto-Motiv. Suche das Licht, schiesse ein paar Fotos. Und frage mich was dieser Lauch mit Bären zu tun hat.

In Irland wird der Bärlauch “Wild Garlic” genannt, doch im englischen Sprachraum gibt es auch die Bezeichnung “Bear’s Garlic”. Und der Bär kommt im italienischen “Oglio Orsino” vor. 

Was also hat der wilde Knoblauch mit dem Bären zu tun? Eine naheliegende Frage – aber eine eindeutige Antwort habe ich bisher nicht gefunden. Plausibel erscheint mir ein Art “Marketingtrick” – alles was stark macht wurde in der Pflanzenheilkunde mit dem Zusatz “Bären” versehen. Bärenkraut, Bärwurz, Bärentraube und eben Bärlauch.

Oder fressen Bären wirklich Bärlauch? Sinn würde es ja noch machen. Wenn der Bär aus seinen Winterschlaf aufgewacht ist, wäre der Bärlauch ein hervorragender “Starter”. Verleiht das Waldgemüse, welches ordentlich Vitamin C hat, dem aufgewachten Tier etwa Bärenkräfte?

Aber leben Bären überhaupt in Gebieten, wo der Bärlauch wächst? Im Hochtal des Engadin, wo zuweilen Bären gesichtet werden, dürfte das allerdings nicht möglich sein. Dasselbe gilt für andere Bärengebiete weltweit.

Warum das wilde grüne Lauchgewächs gleich über mehrere Sprachgrenzen hinweg den Bären im Namen hat wird mir also weiterhin ein Rätsel bleiben.