Vulkan Laki – warum ein isländischer Vulkan Napoleon zum Kaiser machte!

Aus der Rubrik „Der Traveller“

Vulkan Laki – die schöne, neue und unheimliche Landschaft rund um die Laki-Spalte zieht mich magisch an. Faszinierend ist mit welcher Wucht diese Vulkanspalte in Süd-Island eine ganze Landschaft neu erschaffen hat. Und gleichzeitig Europa umkrempelte. Im Frühjahr 1783 sorgten mehrere Vulkanausbrüche für eine Klimakatastrophe in Europa. Ernten wurden zerstört, Hungersnöte rafften Hunderttausende dahin. Vor allem in Frankreich braute sich eine explosive Stimmung im Volk zusammen, die am 14. Juli 1789 zum Sturm der wütende Pariser auf die Bastille ausartete.

Es war ein Pfingssonntag …

Die Eruption im Jahr 1783 begann am 8. Juni. Es war ein Pfingstsonntag. Nach mehreren leichten Erdbeben öffnete sich zunächst eine 12 km lange Eruptionsspalte. Bis zu 1000 m hohe Lavafontänen schossen in den Himmel. Die Stärke des explosiven Anteils der Eruption war unglaublich. In Bezug auf die geförderte Lavamenge war es die 2. stärkste Eruption auf Island. Nur die Eldgjá pumpte noch mehr Magma an die Erdoberfläche. Durch zwei Flusstäler floss die Lava in Richtung Meer. Das Wasser der Flüsse verdampfte unter der Lava. Selbst in 40 km Entfernung wurden Bauernhöfe vernichtet. Im Laufe der Eruption verlängerte sich die Spalte auf 27 km Länge. Auf ihr wuchsen mehr als 130 Schlackenkegel. Der Ausbruch förderte fast 15 Kubikkilometer Lava und 0,6 Kubikkilometer Tephra.

Laki Gigar Vulkane Süd-Island Iceland Lava Vulkankegel

Der Ausbruch löste eine Klimaveränderung aus

Neben der schieren Lava-Menge stellten die ausgestossenen Gase ein grosses Problem dar. Sie verursachten in vielen Regionen der nördlichen Halbkugel undurchdringlichen Smog. Schwefeldioxid und das giftige Flour bildeten Gaswolken, die bis nach Schottland und England drifteten. Sie beeinflussten das Klima und vergifteten Weiden und Feldfrüchte. Es kam zu Missernten. Unzählige Tiere verendeten. Auf Island verhungerten mehr als 10.000 Menschen. Auf den Britischen Inseln waren es sogar 25.000 die den Tod fanden. Der Winter 1783 – 1784 war in ganz Mitteleuropa einer der Härtesten und äusserst schneereich. Ende Februar führten viele Flüsse in Deutschland extremes Hochwasser. Besonders betroffen war Köln. 65 Menschen starben in den Fluten, zahlreiche Brücken und Gebäude entlang der Flüsse wurden zerstört. Darunter war auch die wichtige Holzbrücke in Heidelberg. Das Problem für die Brücken waren Eismassen, die sich an vielen Stellen stauten und meterhoch auftürmten. Extremes Tauwetter liess die zugefrorenen Flüsse in unglaubliche zerstörerische Fluten verwandeln.

Französische Revolution – indirekte Folge des Ausbruches?

Die Laki-Erhebungen im Süden Islands haben somit auch historische Bedeutung. Nicht nur in vulkanologischer Hinsicht. Die Folgen dieser massiven Vulkanausbrüche zwischen 1783 und 1785 haben möglicherweise, so vermuten Umwelthistoriker, 1789 in Frankreich die Revolution ausgelöst. So kam Napoléon Bonaparte an die Macht, der Ursprung seiner Herrschaft liegt somit vermutlich im unglaublichen Ausbruch der Laki Spalte begründet. Kalte Sommer nach den Eruptionen brachten Missernten und Hungersnöte. Die dramatischen Folgen waren selbst in Nordamerika zu spüren. Benjamin Franklin schrieb 1783 von einem «trockenen Nebel» und machte die dadurch verminderte Sonneneinstrahlung für die ungewöhnliche Kälte im Folgejahr verantwortlich.

Eine wichtige Erfindungen dieser Zeit war das Lokomobil: eine mobile Dampfmaschine, die überwiegend in der Landwirtschaft eingesetzt wurde. Durch das Sterben vieler Nutztiere in Schottland als Auswirkungen der Gase aus den Laki-Vulkanen wurde der Erfinder, der Schotte William Murdoch vermutlich zu dieser Erfindung motiviert.

Mit dem Jeep durch das Laki Gebiet Vulkan Iceland

Piste F206

Wer heute den Schauplatz eine der folgenschwersten Eruptionen der letzten 2000 Jahre besichtigen möchte, erreicht den Vulkan Laki resp. die Vulkan Spalte über die Piste F206. Diese ist keine der leichtesten Strecken und sollte nur mit einem Jeep bewältigt werden. Von der Ringstrasse aus, erreicht man den Laki-Krater in etwa 3 Stunden, Parkplatz mit Infotafel. Von dort kann man mit dem Jeep der Strasse weiter folgen – die Piste ist ein Rundweg und führt so wieder zurück.

Michael’s Beers & Beans Tipp:

BESTEIGUNG LAKI-KRATER

Der Parkplatz ist unmittelbar vor dem Berg Laki, der diesem Gebiet den Namen gab. Auf dem Gipfel hat man eine tolle Aussicht auf die Kraterreihe nach Osten und Westen.
Dauer: ca. 1 h (h)

Eine Wanderung auf den Laki-Krater belohnt mit einer tollen Aussicht über die unwirkliche Landschaft

WEITERE WANDERUNGEN

Route 2: Wanderung zum Krater
Dauer: ca. 20 min
Route 3: Wanderung um den Laki
Dauer: ca. 2-3  h
Route 4: Zum Krater und zur Höhle
Dauer: ca. 20 min

KRATERRUNDWEG

Direkt vom Parkplatz aus beginnt der Rundwanderweg. Nach 300 m erreicht man einen Holzsteg, der als Aussichtspunkt für den Kratersee gedacht ist. In unmittelbarer Umgebung sieht man weitere farbenprächtige Vulkanschlote und Lavaskulpturen. Lohnenswerter Weg!
Dauer: ca. 1,5 h

Die schöne, neue und unheimliche Landschaft rund um die Laki-Spalte

Quellen:

Homepage Vatnajökull National Park 
Tages Anzeiger: Auf die Eruption in Island folgte die Revolution in Frankreich
Erinnerungstafel (Hochwassermarkierung) in der Altstadt Heidelberg

Bilder:

Vulkan Laki (Laki Gigar), Island, by michael’s beers & beans

Picture Book

Lavafelder und Vulkankegel im Gebiet des Laki Vulkanes in Süd-Island Iceland
Der Weg ins Laki-Gebiet ist nur mit einem Offroader möglich
Die Lave formte die verschiedensten Gebilde
Frost im Laki-Gebiet Süd-Island Iceland
Im Laufe der Eruption verlängerte sich die Spalte auf 27 km Länge.
Mit dem Jeep unterwegs im Laki-Gebiet Süd-Island Iceland

Hinweis: Dieser Beitrag wurde erstmals im November 2016 veröffentlicht und zuletzt im September 2022 aktualisiert und ergänzt.