Hitze und Trockenheit am Bodensee

Das Niedrigwasser beeinträchtige auf vielfältige Weise das Bodenseeufer

Hitze und Trockenheit am Bodensee lässt den Wasserstand so tief sinken wie noch selten. Normalerweise wird am See im Juli ein relativer hoher Wasserstand verzeichnet – durch die Schneeschmelze. Aber diese war bereits Mitte Juni vorbei. Der kurze Starkregen Mitte August hat das ganze leicht entschärft. Allerdings müssen wir damit rechnen, dass der Spätsommer weiterhin trocken bleibt.

Aus der Rubrik „Der Seehas“

Hitze und Trockenheit am Bodensee

Bilder vom Bodensee gingen in den letzten Wochen um die Welt: Luftaufnahmen die breite, hellgelbe Strände am Schilfsaum von Naturschutzgebieten wie dem Wollmatinger Ried zeigen oder Boote die in Häfen auf Grund gelaufen sind. 

Der Bodensee ist im Gegensatz zu vielen Schweizer Seen nicht reguliert. Daher ist das Niedrigwasser im Prinzip ein natürlicher Vorgang. Doch dieses Jahr ist das Niedrigwasser extrem und die flachen Uferbereiche sind bereits Ende Sommer ausgetrocknet. Natürlich sieht es nicht am ganzen See so dramatisch aus, wie auf meinen Bildern vom Ermatinger Becken.

Das Niedrigwasser hat Folgen für Umwelt

Da es schon Spätsommer ist, kommt die Lebensgemeinschaft am Ufersaum mehr oder weniger gut mit diesen Verhältnissen zurecht. Sofern beispielsweise die Vögel, welche sich in den Schilfgürtel zurückziehen, nicht von wattwandernden Menschen verscheucht werden. Wenn breite Flachwasserzonen trockenfallen, orientiert sich ein anderer Teil der Vögel in Richtung offener Wasserfläche und verlassen die ausgewiesenen Schutzzonen. Dort werden sie leider oft durch Wassersportler aufgeschreckt, flüchten dann vielleicht sogar vom See weg.

Der niedrige Pegel begünstigt zudem im Herbst eine Reihe von Vogelarten, die ansonsten hier selten, kaum oder gar nicht zu beobachten sind. So können Watvogelarten wie der Grosse Brachvogel oder in seltenen Fällen sogar Austernfischer beobachten werden. Auch der Höckerschwan freut sich über das Niedrigwasser, der Pflanzenfresser erreicht so viel besser die bei ihm sehr beliebte Armleuchteralge. Auch die Schilfbestände können sich weiter ausdehnen, weil diesen schadet eher das Hochwasser.

Niedrigwasser wirkt sich auf die Bodensee-Schifffahrt geringfügig aus
Ende der Segelsaison am Bodensee bereits im August

Das anhaltende Niedrigwasser wirkt sich auf die Kurs- und Ausflugsschiffe bisher nur geringfügig aus. Ganz ohne Probleme geht es aber doch nicht, beispielsweise ist der Hafen in Langenargen schon seit Wochen für die Fahrgastschiffe nicht mehr erreichbar, bei anderen Landestellen sind die Einstiegsrampen sehr steil, was für den Komfort der Passagiere ungünstig ist. Im Hafen Romanshorn hatte die Auto-Fähre Schwierigkeiten die Anlegestelle anzusteuern. Und auch am Rhein ist der Abschnitt Stein am Rhein nach Diessenhofen für die Schiffe Untersee & Rhein (hier im Bild) derzeit nicht pasierbar.

In vielen Yachthäfen rund um den See sind viele Boots­besitzer schon jetzt gezwungen, ihre Boote „auszuwassern“ und an Land zu bringen. Normalerweise geschieht das erst im Oktober. Viele der Boote – vorallem Segelboote mit Tiefgang – können wegen der niedrigen Pegelstände nicht an ihren Liege­plätzen bleiben.

Ist der See zu niedrig für Fische?

Für die Fische ist das Niedrigwasser vom Bodensee nicht ein Problem, die Berufsfischer fangen derzeit am Untersee noch genug Fische. Den Fischen macht eher die Wärme des Wassers zu schaffen. Davon betroffen sind Aale und Äsche. Auf der anderen Seite entwickeln sich in einem Hitzesommer für die Fische viele Nährstoffe im Wasser, was den einen oder anderen Fischarten wieder zu gut kommt.

Wasserqualität nicht beeinträchtigt, Baden an einigen Orten schon

Der Wasserqualität schadet der niedrige Wasserstand nicht, auch die Trinkwasserentnahme wirkt sich bei niedrigem Wasserstand nicht negativ auf den See aus.

Unschön dagegen für die Touristen und Badegäste ist das Algenwachstum. Vorallem am Obersee bildeten sich grosse Algenteppiche. Und vielerorts wird über das Seegras geklagt, dass dieses Jahr fast explosionsartig gewachsen ist.

Wattwanderungen
Barfuss durchs Watt – ein Spass für die ganze Familie? Auch am Bodensee möglich.

Wattwanderungen am Bodensee? Barfuss durchs Watt – ein Spass für die ganze Familie? Was an der Nordsee geht ist zur Zeit auch am Bodensee möglich. Und auch nicht verboten. Aber! Die trockenen Uferbereiche dürfen nicht überall begangen werden. Diese Familie hier im Bild verhält sich richtig und läuft in der Zone eines Badeplatzes in Richtung Wasser.

Niedrigwasser am Bodensee Flachwasserzonen am Naturschutzgebiet hier sind es Espen Riet / Ermatinger Riet oder auf der anderen Seite das Wollmatinger Ried

Flachwasserzonen sind oft an ein Naturschutzgebiet vorgelagert, daher sollten diese Zonen absolut gemieden werden. Gesetzlich muss 25m Abstand zum Schilfgürtel eingehalten werden – besser einfach sein lassen. Denn bereits jetzt sind die ersten Zugvögel im Naturschutzgebiet – die würde man nur unnötig aufschrecken und verjagen!

trockene Flachwasserzonen Schilfgürtel Gesetzlich sollte man 25m Abstand zum Schilfgürtel einhalten - aber man lässt es besser einfach sein.

Trockene Flachwasserzone vor dem Naturschutzgebiet Espen Riet / Ermatinger Ried – hier parallel zum Schilfgürtel durchzulaufen ist nicht nur eine schlechte Idee, sondern klar verboten!

roter und blauer Regenschirm Niedrigwasser am Bodensee trockener Steg

Vor-Ort-Besuch – im Gespräch mit der Präsidentin eines Vogelschutzvereins. Freiwillige Helfer von solchen Vereinen passen ab und zu auf, dass Besucher nicht direkt in die Naturschutzgebiete hinein „wattwandern“. Oft ein schwieriges Unterfangen.

Niedrigwasser im Bodensee droht immer häufiger

Bis zu 90 Zentimeter lag der Bodenseepegel bei Konstanz unter dem Wert, der für die Jahreszeit üblich ist. Diese Entwicklung ist nicht ein einmaliges Ereignis, sondern eine Tendenz hin zu niedrigen Sommerwasserstände. In den Alpen fällt immer weniger Schnee. Dadurch fliesst weniger Schmelzwasser über den Alpenrhein in den Bodensee oder das Schmelzwasser kommt zu früh.

Diese Entwicklung hat sehr stark mit dem Klimawandel zu tun.

Michael’s Beers & Beans ist ein Hobby-Blog und nicht kommerziell. Ich bin ein fotografischer Geschichtenerzähler, erzähle was ich auf einer Reise oder sonst irgendwo so aufgeschnappt habe. Dieser Post ist in Ergänzung zu meinen Bildern als Small Talk, Gedankenaustausch und Plauderei zu verstehen, hat daher weder den Anspruch vollständig, noch komplett aktuell zu sein. Alle Informationen sind ohne Gewährleistung auf Vollständigkeit und Richtigkeit. Um sich in ein solches Thema zu vertiefen, empfehle ich unbedingt weitere Quellen zu überprüfen.