Die Torfkirche von Saurbæjar

Iceland, Kirchen von Island

In Island gibt es heute nur noch sechs Torfkirchen. Früher wurden in Island fast alle Kirchen in diesem Baustil erbaut. Die Saurbæjarkirkja gehört daher zu diesen heute seltenen Gotteshäuser und liegt im Eyjafjörður-Tal, rund 30 km südlich von Akureyri.

Die Torf-Kirche wurde im Jahre 1858 erbaut. Die Kirche ist eine Holzrahmenkonstruktion. Zum Schutz gegen das Wetter wurde diese Konstruktion aussen mit Torf-Stücken und einer Steinmauer isoliert. Typisch ist auch das Grasdach. Die Abdichtung mit Torf lässt solche Kirchen eher wie ein Grashügel aussehen, als wie ein Gebäude. Dadurch auch die Bezeichnung Torf-Kirche. Diese Bauart benutzten die Isländer früher auch für ihre Bauernhäuser. Diese Art von Kirchen hatte keinen Turm, die Glocken waren in der Regel oben am vorderen Giebel aufgehängt.

Die Saurbæjarkirkja Kirche gehört heute dem isländischen National Museum. Da diese Kirche etwas abseits liegt, wird diese kaum von Touristen besucht.

Refresh / Receycled 2019

Weitere Posts „Kirchen in Island“ findest Du hier.

Torfkirche von Saurbæjar

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Bilder Oktober 2015 / Oktober 2019

Vulkanismus auf Island: Bricht der Berg Þorbjörn aus?

Iceland, Vulkan

Eyjafjallajökull, Grímsvötn, Holuhraun – dies waren einige der isländischen Vulkane die vor gar nicht so langer Zeit aktiv waren. Und nun scheint es wieder stärkere vulkanische Aktivitäten auf Island zu geben. Auf der Halbinsel Reykjanes (Reykjanesskagi) verzeichnet man seit Dezember 2019 leichte Erdbeben und Nachbeben (Bebenschwärme). Gerade am letzten Wochenende meldete die Behörde weitere Erdbeben in diesem Gebiet. Das stärkste Erdbeben wurde mit 4.4 (Richterskala) in der Nähe des Ortes Grindavik aufgezeichnet.

Daher habe ich mich auf den isländischen Online-Medien und auf der Homepage des örtlichen Wetterdienstes umgeschaut und Euch daraus eine kleine Zusammenfassung über die aktuelle Situation zusammengestellt.

Diese Erdbebenschwärme sind auf eine Landhebung des Berges Þorbjörn zurückzuführen. Der Berg hebt sich seit einigen Wochen immer wieder um einige Zentimeter an. Als Erklärung gehen die Wissenschaftler auf Island von einer Magma-Ansammlung (Magmaintrusion) in drei bis fünf Kilometer Tiefe westlich des Berges Þorbjörn aus.

Die isländische Behörde hat für die Halbinsel Reykjanes die Warnstufe „yellow alert“* herausgegeben und die Bevölkerung von Grindavik über die Evakuierungspläne informiert.

Dies heisst nicht, dass es unmittelbar zu einem Ausbruch kommt. Ein mögliches Szenario ist, dass die Aktivitäten ohne Ausbruch verebben. Selbst wenn es zu einem Ausbruch kommen sollte, gehen die isländischen Spezialisten davon aus, dass dieser nicht explosiv sein wird. Eher wird sich eine Erdspalte öffnen und langsam Lava ausfliessen. Für die Bewohner der Region würde dies bedeuten, dass sie genügend Zeit hätten, sich in Sicherheit zu bringen.

Viele Reisende kennen von Reykjanes meist nur die Schnellstrasse, die vom internationalen Flughafen Keflavík bis nach Reykjavík durch beeindruckende Lavafelder führt. Diese Lavafelder sind durch verschiedene Vulkanausbrüche in den letzten Jahrhunderten entstanden.

Die Halbinsel ist inzwischen wegen der Nähe zur Hauptstadt Reykjavík recht dicht besiedelt. Hier befinden sich die Städte Hafnarfjörður sowie Keflavík mit dem internationalen Leifur-Eiríksson-Flughafen, das bekannte Wellness-Bad „Blaue Lagune“ sowie etliche Dörfer wie der Ort Grindavík.

Diese neusten vulkanischen Aktivitäten werde ich weiter über die isländischen Online-Medien verfolgen und wenn sich was tut darüber eine Zusammenfassung posten.

*Warnstufe Gelb: Der Vulkan zeigt Anzeichen für erhöhte Aktivitäten welche über den bekannten Werten liegen. Die Behörde überwacht diesen Vulkan besonders aufmerksam.

Weitere Berichte zum Thema Vulkanismus auf Island gibt es hier.

Quellen: Icelandic Met Office https://en.vedur.is/, diverse Online-Medien

Bilder: Die Bilder by michael’s beers&beans, es sind Symbolbilder und stammen von einem Hochtemperaturfeld im Norden Islands, welches ähnlich ist zum Hochtemperaturgebiet Krísuvík auf Reykjanes. (Bilder 2015 und 2019)

Michael’s Beers & Beans ist ein Hobby-Blog und nicht kommerziell. Ich bin ein fotografischer Geschichtenerzähler, erzähle was ich auf einer Reise oder sonst irgendwo so aufgeschnappt habe. Dieser Post ist in Ergänzung zu meinen Bildern als Small Talk, Gedankenaustausch und Plauderei zu verstehen, hat daher weder den Anspruch vollständig, noch komplett aktuell zu sein. Alle Informationen sind ohne Gewährleistung auf Vollständigkeit und Richtigkeit. Um sich in ein solches Thema zu vertiefen, empfehle ich unbedingt weitere Quellen zu überprüfen.

Indian Summer am Myvatn-See

Iceland

Die Bäume und Sträucher leuchten in den schönsten Herbstfarben und verbinden sich mit dem schwarzen Lavagestein zu einem einzigartigen Bild. Der Mývatn-See – hier ist die Welt am werden. Vulkane formten das Gesicht dieser Landschaft – und sie tun es immer noch.

Ich bin nicht auf der Durchreise, wie die meisten hier. Sondern ich komme hierher gerne zurück. Zurück an diesen so friedlich scheinenden Mývatn-See. Und trotzdem ist es jedes Mal völlig anders, so als wenn ich diese Landschaft noch nie gesehen habe. Letztes Mal war es ebenfalls Herbst, die Landschaft aber bereits tief verschneit. Jetzt scheint die Sonne, wärmend. Es ist Indian Summer und lässt den See tiefblau und die Landschaft in zauberhaftem Gold erscheinen.

Im Norden von Island liegt der wunderschöne See Mývatn, es ist der viertgrössten See des Landes. Er misst 36,5 km2 und hat etwa 50 Inselchen und Schären. Der flache See ist voller Fische und bietet eine interessante Flora und reiche Vogelwelt.

Der See liegt nur scheinbar so friedlich, denn rundherum ist es explosiv. Seine Umgebung ist voller vulkanischer Aktivitäten – überall sind Höhlen, Krater, heisse Quellen und dampfende Geothermalfelder zu finden.

Nur ein einziges, sehr kleines Örtchen liegt an der Ostseite des Sees. Es heisst Reykjahlíð. Eine Tankstelle mit Mini-Supermarkt, eine Bank, eine Autowerkstatt, eine Schule und ein Gesundheitszentrum. Die Infrastruktur für die Touristen, die den Myvatn in der Regel auf ihrer grossen Island-Umrundung mitnehmen, ist schon bald grösser, wie das Dorf selbst. So gibt es zwei, drei Hotels, Cafés, Restaurants, Gästehäuser, Sommerhütten, Campingplatz und ein Wellness-Bad.

An diesem schönen Tag im Spät-Herbst ist von den Touristen nicht viel zu sehen. Umso mehr spüre ich die Grenze der bewohnbaren Welt. Staune über die atemberaubend schönen, oft surreal anmutenden Urlandschaft. Kraftvolle Bilder die für mich unvergesslich bleiben. Bilder die mich wieder zurückkehren lassen.

Michael’s Beers & Beans Tipps:
Schnee und schwarze Lava findet man in meiner Winter-Wanderung auf den Vulkan Hverfjall
Explosiv ist es auf dem Namafjall – Tanz auf dem Vulkan

(Myvatn = Mückensee)

Hallo Winter

Iceland, Life&Style

Im Moment macht der Winter in unseren Breitengraden voll auf Frühling. Diese Woche bäumt sich der Föhn noch einmal richtig auf und bringt wieder sehr milde Temperaturen. Aber vielleicht wechselt es auf Ende Woche, wenn eine markante Kaltfront die Föhnphase hier beendet. In der Folge könnte es etwas kühler werden und vielleicht bringen die Westwinde etwas Winter ins Land.

Heute beginnt bei uns auf der Nordhalbkugel bereits der kürzeste Tag des Jahres, es ist der Tag der Wintersonnenwende. Da bei uns noch nicht viel von Winter zu spüren ist, habe ich zur Einstimmung ein paar Winterbilder aus Island ausgepackt.

Der Winter in Island ist hart, die Tage sind kurz. Und trotzdem kann sich der Winter in Island inszenieren, überrascht mit atemberaubenden Lichtstimmungen und verzaubert die Vulkanlandschaften.

Onset of winter. The first snow in North Iceland.

Bilder by Michael’s Beers & Beans
Die Bilder zu „Wintereinbruch in Island“ wurden im Oktober/November 2015 in Nord-Island aufgenommen

Stabkirche Gröf

Iceland, Kirchen von Island
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Eine schöne, winzige Kirche findet man etwas 4km südlich von Hofsós. Die Torfkirche Gröf ist eigentlich von der Bauart her eine (sehr) kleine Stabkirche und erinnert im Innern an die grossen Baudenkmäler in Norwegen.

Die heutige Kirche stammt aus dem 17. Jh., wurde 1765 als Kirche aufgegeben und 1953 nach umfangreicher Renovierung wieder geweiht. Bei der Renovierung 1953 wurde versucht, die Kirche wieder in der ursprünglichen Form aufzubauen. Der Hof Gröf war früher einer der grössten Bauernhöfe im Skagafjörður und ist der Geburtsort des Psalmendichters Hallgrímur Pétursson, Namensgeber der Hallgrímskirche in Reykjavik.

Recycled / Refresh 2020

Weitere Posts „Kirchen in Island“ findest Du hier.

Stabkirche Gröf

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Kirchen auf Island

Iceland, Kirchen von Island

Refresh / Receycled 2019

Wer Architektur gerne hat, wer Kirchen mag, wird Islands Kirchen mögen. Aus Torf und Grassoden gebaut, aus Holz oder Beton, modern oder alt, beeindruckend sind sie alle. Meine zukünftigen Posts zeigt einen kleinen Ausschnitt davon und ich hoffe ich kann Euch damit etwas in den Bann ziehen.

Die Natur, die Landschaft und die langen Winternächte in Island bieten viel Raum für Mystik und Illusionen. Kein Wunder, dass sich die Isländer im Glauben an Elfen und Trollen verwurzelt fühlen. Natürlich spielt dies im isländischen Alltag eine eher untergeordnete Rolle. Wichtiger ist hingegen der christliche Glaube, allerdings wie bei uns sind die Gottesdienstbesuche nicht sehr populär

Was mich in Island immer wieder fasziniert sind die winzigen Kirchen – Kirchen die in der Regel zu einem Bauernhof oder Weiler gehören. Kleine Kirchen die meistens alleine und standfest in der unglaublichen Natur stehen. Und Geschichten erzählen. In losen Folgen werde ich einige dieser kleinen Kirchen vorstellen.

Viele Bauernhöfe auf Island hatten eine kleine Kirche mit Pfarrrechten. Dies hat damit zu tun, dass ab dem Jahre 11. Jahrhundert Grossbauern ihre Söhne als Priester ausbilden liessen. Die Söhne wurden geweiht, unabhängig davon ob sie beabsichtigten, die kirchliche Laufbahn einzuschlagen oder nicht. Wichtig dabei war, dass so die wohlhabenderen Bauern lesen und schreiben lernten. Offenbar war dies derart erfolgreich, dass im 12. Jahrhundert die meisten dieser Bauern lesen und schreiben konnten.

Viele dieser kleinen im ganzen Land verstreuten Kirchen wurden mit Baumaterial errichtet, welches man auf der kargen Insel zu Verfügung hatte. Die Grundmauern wurden aus Bruchsteinen errichtet, die tragende Konstruktion aus Treibholz, für Wände und Dächer wurden Torf- und Grassoden verwendet. Nur wenige Kirchen wurden in vollständiger Holzbauweise errichtet.

Die Posts „Kirchen in Island“ findest Du nach der Veröffentlichung hier.

Was ist genau das Ding was die Isländer Skyr nennen?

Food-Blog, Iceland

Wenn ich in Island ankomme, ist einer meiner ersten wichtigen Tätigkeiten, dass ich mich irgendwo mit Skyr eindecke. Und während meines Aufenthaltes in Island ist der Skyr ganz klar „Grundnahrungsmittel“. Nun wird inzwischen isländischer „Isey“ Skyr in der Schweiz (z.B. Coop, Globus) angeboten. Natürlich macht es wenig Sinn ein solches Milchprodukt in das „Milchland“ Schweiz zu importieren, aber hier drücke ich ein Auge zu – Skyr ist einfach zu gut!

Aber was ist Skyr?

Es ist dickflüssiger als Joghurt und schmeckt etwas säuerlicher. Eigentlich ist Skyr ein Frischkäse aus Magermilch, der durchgeseiht und zu einer ähnlichen Konsistenz wie ein leichter Quark geschlagen wird. Für die Produktion von Skyr ist dreimal so viel Milch wie für die Joghurtherstellung erforderlich. Daher ist Skyr reich an Proteinen und Kalzium. Trotzdem ist das Produkt so gut wie fettfrei. Skyr wird in einer Reihe verschiedener Geschmacksrichtungen hergestellt. Oft ist gleich ein Löffel mit dabei, also ideal als gesunder Snack unterwegs. Inzwischen wird Skyr in Island auch laktosefrei angeboten.

Skyr ist nicht irgendeine Revolution der Milchprodukte, sondern ein uraltes isländisches Rezept.

Bild: Isey Skyr (Hersteller Skyr)

Durch den grossen Erfolg des Originals aus Island gibt es heute in den Verkaufsregalen auch viele Nachahmer Produkte. Nicht kopierbar ist jedoch die langjährige Erfahrung in der Herstellung und in der Rezeptur des isländischen Skyr, was dieses dadurch einzigartig macht.

Vielleicht steckt in der Milch der Kühe das Geheimnis. Die Kühe auf Island stammen noch von der Ursprungsrasse aus den Wikinger Zeiten ab. Sie sind klein, robust und stark, kommen daher mit dem strengen Klima auf Island gut klar. Durch dieses Klima müssen auch keine Herbizide und Pestizide eingesetzt werden. Ein Importverbot von lebenden Tieren verhindert zudem das Einschleppen von Krankheiten. Es gibt keine Massentierhaltung auf der Insel aus Feuer und Eis, ein Bauernhof auf Island hat durchschnittlich etwa 35 Kühe.

Natürlich kommt der „Isey“ Skyr* aus dem Land der Elfen – daher ist da vielleicht irgendetwas unerklärliches noch drin. Spass bei Seite, ich mag den Skyr sehr – auch in der Schweiz! Erinnerungen an meine vielen Island-Reisen sind inbegriffen.

Isey ist der wunderbare isländische Mädchenname, der Eis (Is) und Insel (ey) bedeutet. Damit würdigen wir die Frauen, welche das isländische Geheimnis für gesundes Leben von Generation zu Generation weitergegeben haben. Deshalb ist es auch der Name für unser authentisches isländisches Skyr.

Zitat von MS Iceland Dairies (Mjólkursamsalan), Bitruhálsi 1, 110 Reykjavík

*Isey Skyr ist ein Markenname für den Skyr, welcher durch MS Iceland Dairies hergestellt wird. Diese Molkerei stellt ebenfalls den KEA Skyr her. Ein weiterer Hersteller ist die Molkerei Arna ehf. Mjólkurvinnslan, Bolungarvík.

Die Migros hat ebenfalls einen in der Schweiz hergestellten Skyr im Regal. Etwas zweifelhaft ist, ob es ein richtiger „Skyr“ ist. Die Zutatenliste auf dem Becher der Migros-Eigenmarke «You» ist kurz: «Magerquark» steht da, sonst nichts. Aber er ist gut gemacht, wenn man diesen nicht gerade direkt mit dem Original vergleicht. Allerdings rechnet man das Gewissen mit ein (der Isey Skyr hat doch 3000km bis in die Schweiz zurückgelegt), ist der Migros-Skyr ein guter Ersatz. Aber eben ohne Erinnerungen an Island!

Michael’s Beers & Beans ist ein Hobby-Blog und nicht kommerziell. Ich bin ein fotografischer Geschichtenerzähler, erzähle was ich auf einer Reise oder sonst irgendwo so aufgeschnappt habe. Dieser Post ist in Ergänzung zu meinen Bildern als Small Talk, Gedankenaustausch und Plauderei zu verstehen, hat daher weder den Anspruch vollständig, noch komplett aktuell zu sein. Alle Informationen sind ohne Gewährleistung auf Vollständigkeit und Richtigkeit. Um sich in ein solches Thema zu vertiefen, empfehle ich unbedingt weitere Quellen zu überprüfen.

Skyr Iceland Air
Skyr wird selbstverständlich auch an Bord der Iceland Air serviert.

Postkarte aus Island: Am Ende der Welt?

Iceland

Das Ende der Welt mag sich für jeden anders anfühlen –  für manchen liegt es bereits im nördlichen Kanton Thurgau, an der Grenze zu Deutschland. Für andere ist das Ende der Welt spätestens da, wo es kein Internet mehr gibt. Ich selber habe das Ende der Welt mal tatsächlich in Island gefunden, als mir im Nirgendwo des Hochlandes ein Keilriemen gerissen ist. Aber dies ist eine andere Geschichte, denn objektiv gesehen führte mich meine diesjährige Reise hier nach Island nicht ans Ende der Welt. Sondern hinein in ein wunderbares und modernes Land mit vielen freundlichen Menschen.

Heute reise ich mit dem Flugzeug ab Zürich in knapp 4 Stunden bequem nach Keflavik, dem internationalen Flughafen auf Island. Und komme in einem modernen, europäischen Land an. Selbstverständlich gibt es überall Handyempfang und Internet. Zudem stehe ich (als Schweizer eine besondere Erfahrung) im teuersten Land Europas. Wäre hier das Ende der Welt würde wohl kaum in Reykjavik eine Einzimmerwohnung 1400 Schweizer Franken kosten, für eine Pizza müsste ich nicht 20 Schweizer Franken bezahlen oder für ein Bier 8 Stutz hinlegen.

Diese hohen Preise sind ein klares Zeichen für die Überwindung der wirtschaftlichen Krise auf Island. Es ist noch nicht so lange her, da standen die Isländer wirklich am Ende, kurz vor der Pleite. Aus dieser Krise haben sich die IsländerInnen befreien können, was mich nicht gross verwundert. Es braucht am Polarkreis Phantasie, Wagemut und Draufgängertum um überhaupt zu bestehen. Auf dieser Insel im kalten Meer auf halbem Weg zwischen Europa und Amerika, wo Vulkane Feuer spucken, Geysire Dampfsäulen in den Himmel schleudern und die Sonne im Winter kaum zu sehen ist, müssen sich die Menschen sowieso zu helfen wissen.

Auf  den Tourismus zu setzen war einer der Säulen um das Land zu retten. Mit Erfolg. Seit einiger Zeit boomt der Tourismus in Island massiv. Daher kommt Island auch immer wieder in die negativen Schlagzeilen, wird als von Touristen überrannte Destination im gleichen Atemzug mit Barcelona oder Venedig genannt.

So schlimm ist es allerdings noch lange nicht. Die Übernachtungszahlen der Schweiz sind rund 6x höher als die von Island. Island ist aber 2.5x so gross wie die ganze Schweiz. Von einem allfälligen Phänomen „Overtourism“ ist nicht ganz Island betroffen. Dies konzentriert sich auf Rekjavik und die umliegenden Sehenswürdigkeiten, welche in den Sommermonaten stark frequentiert sind. Der grosse Zuwachs kommt aber auch daher, das Rekjavik für Städtereisende boomt und die Saison in der Hauptstadt in den Winter ausgeweitet werden konnte. Auch der Nordlicht-Tourismus spült im Winter Besucher in die Hauptstadt.

Draussen im dünn besiedelten Land ist es einmal abgesehen von ein paar „Hotspots“ doch deutlich ruhiger, abseits der Nationalstrasse 1 (Ringstrasse / Þjóðvegur 1) wird man (fast) nur noch den Schafen und Islandpferden begegnen.

Die Entwicklung im isländischen Tourismus sehe ich in vielerlei Hinsicht positiv! Die Tourismusbranche ist stark gewachsen und es wurden viele Arbeitsplätze geschaffen. Das hat dem Land aus der Rezession geholfen. Ausserdem wurde durch den Tourismus die Hauptstadt Reykjavík um einiges lebendiger und farbiger. Und endlich investieren die IsländerInnen in die Infrastrukturen ihrer Natursehenswürdigkeiten, bauen für die Touristen Aussichtsplattformen und anständige Wege, um die empfindliche Natur in diesen Gebieten zu schützen.

Sogar das unerfreuliche Thema «Notdurft» ist man angegangen und stellt sukzessive überall WC’s auf. Endlich gibt es klare Regeln, wie zum Beispiel nicht einfach überall zu campen. Auch Autofahrten im Gelände (Offroad-Fahren) sind nun streng verboten und mit hohen Geldstrafen belegt. In den naturgeschützten Gebieten passen sogar Ranger inzwischen auf, dass die Touristen sich in dieser empfindlichen Natur richtig verhalten.

Zu den negativen Seiten des Tourismusbooms gehört u.a. das Ansteigen der Lebenshaltungskosten in Island. Die Nachfrage nach Dienstleistungen übersteigt das Angebot, damit wird alles teurer. (Auch das Bier…) Und dies bremst den Touristenstrom bereits wieder ein, gerade aus dem preis-sensitiven Deutschland kommen beispielsweise weniger Touristen als in den Vorjahren.

Die Isländerinnen und Isländer hassen übrigens die Touristen nicht. Island wurde vor einigen Jahren sogar einmal zum weltweit gastfreundlichsten Land gewählt. Während auf meinen früheren Reisen die Menschen auf Island eher wortkarg und verschlossen waren, sind heute viele aufgeschlossen. Hier habe ich Island fast nicht mehr gekannt, hier mal ein Schwätzchen, mal dort ein Small Talk.


Eine phantastische Reise durch ein phantastisches Land”

Stefan Erdmann, Reisefilm-Produzent

Island bleibt bei aller Veränderung ein Land des Zaubers, arktisch schroff, aber nicht unwirtlich. Es gibt so viel zu entdecken: Vom grössten Gletscher Europas über Islandpferde, Vulkane, Wasserfälle, Gletscherseen, Lavafelder, Islandschafe, dem Naturschutzgebiet Landmannalaugar mit den farbigen Rhyolith-Bergen bis zum Kap Dyrhólaey mit schwarzem Sandstrand, natürlichen Felsbögen und Papageientauchern.

Ich dagegen suche inzwischen doch etwas die ruhigeren Orte auf und habe mein Island an einem Fjord im Norden der Insel gefunden. Auf den dortigen Ausflügen und Wanderungen komme ich dann manchmal an Orte die unbekannt erscheinen und mir dann das Gefühl geben nicht am Ende, sondern gar nicht auf dieser Welt zu sein.

Mit Worten ist diesem Island nicht wirklich beizukommen. Aber vielleicht kann das eine oder andere Foto hier etwas ausrichten. Davon habe ich wieder reichlich im Gepäck und hoffe Euch bald die eine oder andere Foto-Geschichte hier auf meinem Blog aus Island erzählen zu können. 

Winterliche Grüsse aus Nord-Island
Michael

Akureyri, 26. Oktober 2019

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Bilder by Michael’s Beers&Beans Oktober 2019

Vulkan Hekla auf Island mit Schwarmbeben

Iceland, Vulkan

Bevor ich jeweils eine Reise nach Island antrete, schaue ich mir gerne die Aktivitäten der dortigen Vulkane an. Dies einerseits aus Neugier, andererseits auch um mich vielleicht etwas zu beruhigen. Auf Island gibt es dann doch ganz schön viel aktive Super-Vulkane.

Der aktuelle Bericht des Icelandic Met Office ist tatsächlich beruhigend, alle aktiven Vulkane sind auf „GREEN“. Diese Vulkane sind also im normalen, nicht eruptiven Zustand.

Ich glaube dies ist meine erste Island-Reise in der sich alle Vulkane im „ruhigen“ Zustand befinden. In früheren Reisen waren Vulkane wie Eyjafjallajökull, Grímsvötn, Bárðarbunga and Holuhraun gerade kurz vor oder nach Ausbruch oder Askja, Hekla, Katla oder Öræfajökull waren auf Warnstufe gelb oder orange gestellt.

Die Hekla gehört zu den drei aktivsten Vulkanen Islands. Er ist der Zentralvulkan einer 40km langen Vulkanspalte. Der Berg befindet sich im Süden Islands und ist 1491m hoch.


So eine ruhige Zeit bedeutet nun allerdings nicht, dass keiner der Vulkane dann doch plötzlich erwacht. So hat mich ein Bericht aufhorchen lassen. In den letzten Tagen scheint der Vulkan Hekla ein Lebenszeichen von sich gegeben zu haben. Rund 11 schwache Erdbeben (1.5) erschütterten innerhalb von 24 Stunden den Berg. Die Hekla ist ein mächtiger Vulkan und ist bekannt, dass dieser urplötzlich ausbrechen kann. Mit Hunderten von schwachen Erdbeben (Richterskala 1 -3) kündigte die Hekla ihre bisherigen Ausbrüche nur 30 – 80 Minuten vorher an.

Die Hekla gehört vermutlich zu den stärksten überwachten Vulkanen weltweit. Nach der Einschätzung der isländischen Behörde* scheint aufgrund des aktuellen Schwarmbebens kein Ausbruch bevor zustehen. Zum Zeitpunkt wo ich diesen Post schreibe ist der Status „GREEN“.

Fast 40 Ausbrüche der Hekla konnten vor der Besiedelung Islands nachgewiesen werden. Die letzten Ausbrüche des Super-Vulkan ereigneten sich 1970, 1980, 1991 und im Jahr 2000. Bereits 2011 meldeten Vulkanologen eine Magmenintrusion, die zur Entstehung eines langgestreckten „Buckels“ führte. Doch bis heute ist der Vulkan ruhig geblieben. Im Mittelalter vermuteten die Isländer übrigens am Gipfel der Hekla das Tor zur Hölle.

Grundsätzlich ist anzumerken, dass heutzutage von den Vulkanausbrüchen in Island wenig Gefahr für Menschenleben ausgeht. Die Erdbebenstationen, die es in ganz Island gibt, können die Ausbrüche kurzfristig vorhersagen. Wenn ein grosser Vulkan wie Katla oder Askja Zeichen von Aktivität zeigt, werden diese Gebiete umgehend von Besuchern evakuiert und gesperrt.

Da auch die frühen Siedler auf Island schon vorsichtig waren, sind die aktivsten Vulkane weit entfernt von den meisten Siedlungen.

* Icelandic Met Office und das Department of Civil Protection and Emergency Management überwachen die Situation im Vulkan Hekla.

Bilder: Hekla (Michael’s Beers & Beans)

Quelle: Icelandic Met Office

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Papageientaucher brüteten wie lange nicht mehr

Fauna, Iceland

Eine schöne Meldung aus Island. Das Brutjahr 2019 wurde für die Papageientaucher das Beste seit über zehn Jahren. Ein Augenschein von Biologen an den Vogelfelsen im ganzen Land hatte ergeben, dass die Nestnutzung so hoch wie noch nie in den letzten zehn Jahren war. Aus 70% – 80% der gelegten Eier scheinen Kücken geschlüpft zu sein. Der Grund dafür ist, dass das Futterangebot an Sandaalen überraschend stark zugenommen hat. 

Die Papageientaucher stehen auf der roten Liste des Washingtoner Artenschutzabkommen. Während diese in Grossbritannien (z.B. Shetland) streng geschützt sind, unterstehen die putzigen Vögel in Island keinem Schutz, werden sogar gejagt. Die Jagd auf die Vögel findet im Herbst statt, allerdings gibt es dafür Quoten. Betrüblich ist, dass das Fleisch der Vögel in Island eine Delikatesse ist, die leider viel zu oft in den Restaurants an die Touristen angeboten werden. 

Die Jagd war in den letzten Jahren zum Glück dann doch stark eingeschränkt worden, da durch das Ausbleiben des Sandaals die Vögelbestände stark zurückgegangen sind. Ich hoffe einfach mal, dass dies so bleibt.

Paradox dagegen ist, dass auf den Westmännerninseln und an anderen Orten in Island ein Heerschar von Freiwilligen verirrten Jungvögeln den Weg ins Meer zeigen. Ende des Sommers machen sich die Jungvögel auf den Weg ans Wasser, doch viele werden durch die Lichter der Besiedlungen abgelenkt, glauben sie hätten reflektierende Sterne im Meer vor sich. Gemäss der isländischen Online-Presse haben Jung und Alt in diesem Jahr 50 Prozent mehr Jungvögel gerettet als noch im Vorjahr. Alleine auf den Westmännern sind es über 2000 kleine, gerettete Papageientaucher.

Natürlich ist es verfrüht zu sagen, ob dies wirklich eine Trendwende ist und sich die Population der bedrohten Papageientaucher erholen. Aber sicher ein ganz grosser Hoffnungsschimmer.

Bilder by Michael’s Beers&Beans, diese Vögel wurde in Westisland und in der Nähe von Vik auf einer meiner früheren Reise in Island aufgenommen.

Quellen: Iceland Review / mbl.is (Island Monitor / Morgunbladid)

Mehr über die Papageientaucher findest Du in meinem Post „Das Königreich der Papageientaucher“, ein Bericht mit vielen Bilder der Puffins von der Insel Shetland.

Iceland Monitor