Fish & Chips im Hafenstädtchen Howth

Ireland, Irland

Für einmal gibt es nicht Beers&Beans sondern fotografische „Fish & Chips“! In diesem Post nehme ich Euch mit nach Howth. Unweit der Hauptstadt Dublin gelegen ist Howth ein malerisches Hafenstädtchen und ein bisschen typisches Irland. 

Der auf der gleichnamigen Halbinsel gelegene Ort war früher ein wichtiger Hafen für Waren nach Dublin. Aufgrund seiner Lage an der Dubliner Bucht war er zudem ideal für die Fischerei. Heute noch ist ein Teil des Hafens durch diese geprägt. Fischerboote liegen an der Kaimauer und Fischer haben hier ihre Lagerräume. Seite an Seite mit den Fishshops, „Fish&Chips“-Bars und Fischrestaurants, die fangfrischen Fisch auf der Speisekarte anbieten. 

Heute geht es hier schon fast idyllisch zu. Im malerischer Hafen liegen grosse wie kleine Segelboote, bunte Fahnen flattern, die Seile der Masten der Segelboote surren im Wind. Möwen kreisen am Himmel und im Hafenbecken lassen sich Seehunde blicken. Der Bekannteste unter ihnen ist Sammy, der Hafenbesuchern aus dem Wasser zuwinkt.

Auch ein kleiner Leuchtturm findet man am Ende der Hafenmole. Und wir wären nicht in Irland wenn es hier nicht eine skurrile Stelle geben würde. Am Hafen ist der Ort an dem King George IV 1821 Irland betrat. Seine Fussabdrücke sind dort im Boden verewigt.

Der Besuch von Howth ist überraschend. Fast im Norden der Grossstadt Dublin findet man ein traumhaftes Fleckchen Irland. Ein malerischer Hafen umgeben von einer erstaunlich schöner Natur. Der bekannte „Cliff Walk“ führt einem oben auf den Klippen durch trockenes Heidekraut und Farne immer mit einem tollen Blick auf die Dublin Bay, die Inseln und im Süden auf die Mountains of Mourne.

Michael’s Beers&Beans Tipps

  • wunderschöner Cliff Walk – mehr Infos gibt es hier: https://www.visitdublin.com/hooked-on-howth-dublin
  • Fish & Chips kaufen und damit auf die Kaimauer hocken, beim Essen die Aussicht auf die Fischerboote geniessen
  • Hummer im King Sitric Restaurant (auch eine gute Übernachtungsmöglichkeit)
  • Seehunde im Hafenbecken beobachten
  • Howth Market, so ein Art Bauernmarkt mit „Foodcourt“. (nur am Wochenende)
  • Abends noch ein Guinness in einem der vielen Pubs

My Howth photo-walk

Cliff Walk

Bilder by Michael’s Beers & Beans (Herbst 2017)

The foggy road to Sheep’s Head

Ireland, Irland, West Cork

Dicker Nebel lag über der herbstlichen Landschaft. Seit zwei Tagen. Undurchdringlich, selbst der Blick runter zum nahen Fluss blieb verwehrt. Die Landschaft hier an der Westküste von Irland schien sich aufzulösen. Ich schnappte mir die Kamera und ging raus in diesen Nebel, raus in die kalte, frische Luft. Schnell kam mir die Idee „typische, kleine irische Strassen“ im Nebel als Fotomotive zu suchen. Strassen isoliert vom Nebel, scheinbar ins nichts führend. 

Der Nebel machte die Welt heute Morgen hier draussen am Sheep’s Head, im äussersten Süd-Westen von Irland, klein.

An diesem Morgen hatten die Motive keine Alternativen. 

 

The foggy road to Sheep’s Head

 

 

 

 

Die Sheep’s Head Peninsula ist zusammen mit der Halbinsel des Mizen Head eine Landzunge, welche den südwestlichsten Teil Irlands bildet. Die Landschaft – bei schönem Wetter – ist beeindruckend. Viele Kunstschaffende haben sich hier niedergelassen oder kommen gerne auf die Halbinsel um zu schreiben, malen, skizzieren, dichten oder einfach um Inspiration zu finden. Der Sheep’s Head in West Cork ist abseits der Touristenströme und gehört für mich zum noch verbliebenen ursprünglichen Irland.

In meinem Blog findest Du einen Bericht über die Halbinsel Mizen Head, alle Posts über Irland findest Du hier.

 

Ein Sonntag im Herbst am Inchydoney Beach

Ireland, Irland, West Cork

Der erste grosse Herbststurm war vorüber. Der Herbst schon Nahe am Winter, es war kalt an diesem Sonntag. Ein Sonntag wie viele im Herbst in Irland. An einem solchen Sonntag machten wir es wie die Iren – wir fuhren zu einem „Sunday Lunch“ an die Küste. Der „Sunday Lunch“ gehört zum Life Style der Iren. Und wie es die Iren auch tun, sind wir nach dem „Sunday Roast“ an einem Strand noch etwas spazieren gegangen. 

Eine ruhige Atmosphäre begegnete uns am Inchydoney Beach, einer dieser vielen Strände, welche die Iren an einem Sonntag gerne besuchen. Einige Familien suchten Muscheln am Strand, die Jungen versuchten noch eine Welle für das Surfbrett zu finden. Andere spazierten gemütlich mit oder ohne Hund an der Wasserlinie entlang. Wir genossen den Anblick dieses wunderschönen Strandes, den Blick auf das Meer und beobachteten die Menschen, die hier ihren Sonntag so friedlich verbrachten.

Halt ein typischer Sonntag im Herbst am Inchydoney Beach, davon ein paar Impressionen:

Der schöne Inchydoney Beach liegt auf der gleichnamigen Insel, unweit vom Städtchen Clonakilty (West Cork) entfernt.

Weitere Berichte zu West Cork findest Du hier.

Picturebook „Dear Old Skibbereen“ (Teil II)

Ireland, Irland, West Cork

 

Der Titel „Old Dear Skibbereen“ meines Picturebook über Skibbereen kommt von einem alten irischen Volkslied, dass sich später zu einem Freiheitslied im irischen Unabhängigkeitskampf entwickelt hat. Dieser Song kommt nicht von ungefähr. Orte wie Skibbereen und Schull (County Cork) waren lange Zeit Synonyme für die gewaltige Grausamkeit mit der die Hungersnot zwischen 1845 und 1850 gewütet hat. Menschen krochen aus den umliegenden Gegenden zur Stadt, nur um dort an der Tür des örtlichen Workhouses (eine Art Auffangvorrichtung für Bettler) abgewiesen zu werden. Es mussten damals in diesem kleinen Ort über 10’000 Opfer beklagt werden.

‚ father dear, the day will come, when answer to the call
all Irish men of Freedom Stern, will rally one and all
ill be the man to lead the band, beneath the flag of green
loud and clear, well raise a cheer, remember Skibbereen

Fast 170 Jahre später erinnert nicht mehr viel daran. Und doch hat man das Gefühl hier im Ort weht dieser Song immer noch leise durch die Gassen.

Für den zweiten Teil meines Bilderbuches „Dear Old Skibbereen“ habe ich die „vergessenen Ecken“ in dieser kleinen Stadt, von denen es doch einige gibt, aufgespürt. Der graue Herbsttag verstärkte die Tristesse dieser Orte.

Teil 1 des Picturebook „Dear Old Skibbereen“ findest Du hier

Dear Old Skibbereen (II)

Bilder Herbst 2017

 

Nachtrag:

Für mich die schönste Version des Freiheitsliedes „Dear Old Skibbereen“ kommt von Sinead O’Connor, einfach mal rein hören:

Picturebook „Dear Old Skibbereen“

Ireland, Irland, West Cork

An einem grauen Herbsttag bei leichtem Nieselregen bin ich mit der Kamera durch die kleine irische Stadt Skibbereen (Co.Cork) gezogen. Auf der Fahrt hierher wurde im Autoradio zufällig das Volkslied „Dear Old Skibbereen“ des in Irland bekannten Folk-Sängers Luke Kelly (1940 – 1984) gespielt. 

O son, I loved my native land with energy and pride
‚Til a blight came o’er my crops, my sheep and cattle died
My rent and taxes were too high, I could not them redeem
And that’s the cruel reason that I left old Skibbereen.

„Dear Old Skibbereen“ ist ein traditionelles irisches Volkslied. Dieses Lied wurde in der Zeit um 1845, also in der Zeit der grossen irischen Hungersnot (Great Irish Famine) geschrieben. Im Lied erzählt ein Vater seinem Sohn warum er seine geliebte Heimatstadt Skibbereen in der Grafschaft Cork verlassen musste.

Während meines Foto-Streifzuges durch diesen Ort hatte ich den Song aus dem Autoradio immer im Ohr. Schnell war mir klar, „Dear Old Skibbereen“ muss als Titel für meinen Bilderbuch-Post über die Fassaden und „Lost-Places“ herhalten.

„Skibb“, wie die Einheimischen ihre Stadt gerne nennen, ist heute ein farbenfrohes und lebendiges Städtchen. An die Zeit der Hungersnot erinnert nichts mehr.

Im ersten Teil meines  Picturebook „Dear Old Skibbereen“ habe ich die für Irland typischen farbenfrohe Fassaden, hinter denen sich Pubs, Restaurants und Shops befinden, aufgespürt. Diese in Kontrast zum grauen Herbsttag, zum leichten Nieselregen gesetzt.

Dear Old Skibbereen (Teil 1) 

Bilder Herbst 2017

Tipp: Wer einmal in Skibbereen, West Cork ist, der sollte sich etwas Zeit für den Besuch der  „Great Irish Famine Exhibition“ nehmen. Dort wird die schreckliche Hungersnot in einem modernen Museum eindrücklich geschildert: Skibbereen Heritage Centre

Teil 2 Picturebook „Dear Old Skibbereen“ coming soon …

The Burren – karstige Mondlandschaft

Clare, Irland

The Burren – dies ist eine einzigartige, steinige Karstlandschaft in Irland. Kommt man in die baumlose, karge und windumtoste Region drängt sich einem das Bild einer Mondlandschaft auf. Kein Wunder hat in dieser gespenstigen Landschaft der englische Schriftsteller John Ronald Reuel Tolkien seine Idee zu seiner weltberühmten Trilogie „The Lord of the Rings“ entwickelt.

Viele Touristen streifen bei ihrem Besuch der berühmten Cliffs of Moher die Burren-Landschaft ganz kurz. Die flüchtige Begegnung mit dieser Einöde wird bei den meisten Touristen bereits auf ihrer Weiterreise zur nächsten Sehenswürdigkeit in Vergessenheit geraten sein.

Seine wahre Schönheit zeigt der Burren jedoch erst bei näherem Hinsehen, im Detail, wenn man sich Zeit nimmt um diese mondartige Landschaft für sich zu entdecken.

Dafür eignet sich der Nationalpark, einer bergigen Landschaft welche durch Wind, Wasser sowie der Eiszeit geprägt wurde. Bei kleinen oder grossen Wanderungen entwickelt sich diese magische Anziehungskraft, die schon in der Vergangenheit Menschen fasziniert haben muss. Ein Zeichen dafür ist, dass sich unweit vom Nationalpark das gewaltige Meglithgrab „Poulnabrone Dolmen“ befindet. Dieser Dolmen wurde in der Jungsteinzeit gebaut und ist einer dieser rätselhaften Zeugen, dass hier schon lange Menschen gelebt haben.

Eine weitere Überraschung in dieser Karstlandschaft ist die einzigartige und für Irland seltene Flora. Über 1000 der insgesamt 1400 in Irland beheimateten Pflanzenarten sind in dem 250 Quadratkilometer grossen Nationalpark zu finden. Wilde Orchideen, Thymian und Pfefferminze wachsen hier ebenso wie Geranien, Roter Klee, Johanniskraut, Enzian und Schlüsselblumen. Diese Pflanzen finden in den unzähligen Felsspalten beste Bedingungen. Wo sonst gedeihen mediterrane neben alpinen und arktischen Pflanzen?

Zum Schluss noch folgende Geschichte. Im 17. Jahrhundert soll ein General bei der Besichtigung des Burren gesagt haben: “Neither water enough to drown a man, no tree to hang him, no soil enough to bury him.” Obwohl die Karstlandschaft für den General zu dieser Feststellung („keinen Baum um einen Mann aufzuhängen, nicht genug Wasser, um ihn zu ertränken, und nicht genug Erde, um ihn zu verscharren.”) brachte, stellte er gleichzeitig verwundert fest: „Ihr Vieh ist recht fett, denn das Gras, das auf den kaum einen Quadratmeter grossen Erdschollen zwischen den Felsen aus Kalkstein wächst, ist sehr nahrhaft.” Auch heute verwundert die Reisenden, dass auf diesen felsigen Flächen Kühe weiden.

Michael’s Beers & Beans Tipps:

Wanderungen im Burren National Park – es gibt sieben markierte Wanderwege. Von einem kleinen 30 minütigen „Loop“ bis zu einer dreistündigen Wanderungen über die Limestone Hills.

Lisdoonvarna – Zentrumsort des Burren. Ein langweiliger irischer Ort an der Küste, der trotzdem irgendetwas hat. Das Beste ist vielleicht, dass der Songwriter Christy Moore über diesen Ort ein Lied geschrieben hat, der Refrain sagt viel über den Ort aus: „Oh, Lisdoonvarna, Lisdoon, Lisdoon, Lisdoon, Lisdoonvarna“. Es gibt ein Dutzend Bars und Pubs, kein schlechtes Angebot für rund 800 Einwohner. Und über dem Dorf liegt immer ein bisschen vom Geist des „Matchmaking Festivals“. Denn einmal im Jahr zieht es Singles aus der ganzen Welt in dieses etwas vergessene Örtchen an Irlands Westküste. Aus einer Viehversteigerung ist hier Europas bekanntester Heiratsmarkt erwachsen.

Monk’s in Ballyvaughan, direkt an der Pier ist noch ein richtiger Seafood Pub. Hier wird „währschaft“ Fisch und Seafood in Pub-Atmosphäre serviert. Monks Seafood Restaurant & Bar

Gregans Castle Hotel in Corkscrew Hill. Ganz anders, als der Name es vermuten lässt, ist das Gregans Castle kein Schloss, sondern ein 250 Jahre altes Herrenhaus. Ein liebevoll geführtes und schön renoviertes Country House Hotel mitten in der wilden Landschaft des Burren. Gergans Castle Hotel

The Burren Perfumery – ein Besuch wert. Man findet hier nicht nur Düfte sondern spürt den Burren intensiv, da die Perfumery wunderschön abgelegen ist. Post: Duft des wilden Bruren – The Burren Perfumery

Black Head Lighthouse – am Black Head, der nördlichsten Spitze des County Clare, befindet sich seit 1936 ein kleiner, weisser Leuchtturm. Dieser Leuchtturm steht einsam in der bizarren, kargen Karstlandschaft des Burren. Vor sich das Meer, hinter sich erhebt sich der Berg Slieve Elva. Post: Black Head Lighthouse

Reisezeit: Der Frühling und Sommer lässt den Burren in ein  Farbenmeer von feingliedrigsten, zarten, winzigen Blüten tauchen. Der farbige Herbst passt wunderbar zum felsigen Charakter dieser Landschaft.

Karstlandschaft am Black Head

Die Felsspalten sind im Frühling voller Blumen.

Auch im späten Herbst findet man blühende Pflanzen.

Karstflächen

Abendstimmung

The Burren – wind-umtoste Karstlandschaft

Strassen ins Nirgendwo

Rosen vor dem Gegans Castle Hotel

 

Die Belagerung von Dunboy Castle

Irland, West Cork

Im zweiten Teil  erzähle ich Euch eine weitere Geschichte, welche sich hier an diesem romantischen, verlassenen Ort in der Bucht von Berehaven zugetragen hat. Im ersten Teil habe ich davon erzählt, dass am gleichen Ort sich in jüngster Zeit Finanz-Manager unglücklich machten, die das Gespensterschloss der Familie Puxley in ein heute leerstehendes Luxushotel umgewandelt haben. Doch schon 100 Jahre bevor mit dem Bau von Puxley Manor begonnen wurde, brachte dieser Ort einer weiteren Familie den Ruin. So erzähle ich die Geschichte der Familie O’Sullivan Bere, der Belagerung von Dunboy Castle und einer Flucht, die in Irland als heroisch gilt.

Dunboy Castle West Cork Ireland

Kaum ein Steinwurf vom Platz wo heute das Gespensterschloss Puxley Manor steht, wurde im 14. Jahrhundert mit dem Dunboy Castle ein wichtiger Stützpunkt aufgebaut. Von hier regierten der Clan der O’Sullivan Bere. Die Clan Chiefs kämpften über zwei Jahrhunderte gegen die Briten um ihre Freiheit. So auch Donal Cam O’Sullivan Bere, der 1601 die irischen Clans zusammenrufte. Diese Clans bliesen zusammen mit 4000 Spanischen Soldaten zum grossen Angriff gegen die Truppen von Königin Elisabeth I.  Der Angriff endete in einem Desaster. In der Schlacht von Kinsale wurden die Spanier und Iren vernichtend geschlagen. Der Rädelsfüher Donal Cam O’Sullivan Bere entkam und konnte zurück auf seine Festung Dunboy Castle fliehen. Die Engländer gaben nicht auf, verfolgten den Clan Chief bis in seine Heimat.

Dunboy Castle Ireland Castletownsberehaven

O’Sullivan Bere handelte strategisch. Er liess 143 seiner besten Leute zusammen mit einem erfahrenen Kommandanten auf der als unbesiegbar geltenden Befestigung zurück. Er selber zog sich rechtzeitig auf Dursey Island an der Südküste zurück.  Allerdings rechnete O’Sullivan Bere nicht, dass die Engländer über neue Kriegstechnik in Form von starken Kanonen verfügten. Damit beschossen die Engländer die Festung während 10 Tagen ununterbrochen und beschädigten diese schwer. Die Belagerten erkannten, dass der Sieg der Briten unabwendbar war. Das Kapitulationsangebot der Belagerten wurde abgelehnt – es kam zur grausamen Schlacht Mann gegen Mann. Am 18. Juni 1602 der Showdown: Die Briten stürmten die Festung. Der schwer verletzte Kommandant der Iren versuchte noch das Castle, sich und seine Leute in die Luft zu sprengen. Die Briten kamen ihm kurz zuvor. Die Überlebenden wurden sofort hingerichtet, keiner der 143 Iren überlebte.

Was von der Festung noch übrig war, wurde gesprengt. Geblieben sind die Überreste, welche man heute vor Ort noch besichtigen kann.

Einer fehlte noch –  Donal Cam O’Sullivan Bere! Die Engländer suchten ihn auf Dursey Island. Dieser konnte zusammen mit der Familie von der Insel fliehen. Die Briten waren so erzürnt, dass sie alle Männer der Insel in eine Kirche sperrten und sie darin lebendig verbrannten. Die Kampftruppen fesselten die Frauen und Kinder und warfen diese grauenvoll über die Klippen ins Meer.

Donal Cam O’Sullivan Bere versuchte sich zu Rächen und führte während einer kurzen Zeit einen aussichtslosen Guerilla Krieg gegen die Briten. Irgendwann musste er aufgeben. Im extrem kalten Winter des Jahres 1602 machte er sich mit seinen verbliebenen Truppen auf in den Norden, wo er auf Unterstützung der freien Clan Chiefs hoffte. Viele von der schweren Zeit gezeichneten Menschen schlossen sich den Soldaten des Clan Chiefs an. So versuchten über 1000 Menschen hungernd und frierend in den Norden zu kommen. Die meisten gaben unterwegs auf, so dass O’Sullivan Bere nur noch mit einer handvoll Begleiter im freien County Leitrim eintraf.

O’Sullivan Bere flüchtet weiter von Leitrim nach Spanien. In der spanischen Armee macht er schnell Karriere und wurde General. Im Jahr 1613 wurde er von einem Briten in Madrid getötet.

Donal Cam O’Sullivan Beare, Prince of Beare, 1st Count of Berehaven Bild by McCarthy, Montana (Public Domain, Wikipedia)

Damit endet einer der tragischsten Geschichte der irischen Geschichte. Es blieb vor allem die Belagerung von Dunboy Castle und „O’Sullivan Beare March“ in tiefer Erinnerung.

Heute kann man „O’Sullivan Beare March“  nachwandern. Irlands längster Wanderweg führt von der Beara-Halbinsel bis nach Blacklion in Co. Cavan. (The Beara Breifne Way)

Auch wer für Geschichte nicht viel übrig hat, der Besuch von Dunboy Castle lohnt sich. Es ist ein wunderschöner Ort und bietet eine herrliche Aussicht auf die Bucht und die gegenüberliegenden Bergen.

 

Berehaven West Cork Dunboy Castle Puxley

Quellen: Info-Tafeln vor Ort, Wikipedia (Neunjähriger Krieg, Irland)

Michael’s Beers & Beans ist ein Hobby-Blog und nicht kommerziell. Ich bin ein fotografischer Geschichtenerzähler, erzähle was ich auf einer Reise so aufgeschnappt habe. Dieser Post ist in Ergänzung zu meinen Bildern als Small Talk, Gedankenaustausch und Plauderei zu verstehen, hat daher weder den Anspruch vollständig, noch komplett aktuell zu sein. Alle Informationen sind ohne Gewährleistung auf Vollständigkeit und Richtigkeit. Um sich in ein solches Thema zu vertiefen, empfehle ich unbedingt weitere Quellen zu überprüfen.

Besuch / Bilder Herbst 2017

Puxley Manor – ein Geisterschloss wird nie ein Luxushotel

Irland, Kerry, West Cork

Auf der einsamen, irischen Halbinsel Beara etwas westlich von Castletown Bearhaven erzählen zwei Ruinen Geschichten von Schlossherren und korrupten Bankern. Hinter diesen Mauern verbergen sich Vermächtnisse von Macht und Untergang wie diese irgendwie typisch für Irland sind.

Ein Besuch der kleinen Bucht von Puxley Manor und dem Dunboy Castle lohnt sich – es erwartet einem eine schöne Natur mit einem herrlichen Ausblick auf die Bantry Bay und die Berge der Beara Halbinsel. Wenn man dann hier am Ufer steht und den herrlichen Blick geniesst, kann man sich fast nicht vorstellen, wie geschichtsträchtig dieser Ort ist. Hier beim Dunboy Castle oder etwas weiter vorne beim Puxley’s Manor.

Dieser Ort ist sehr geschichtsträchtig, was man bei dieser Idylle fast nicht glauben kann.

Als erstes erzähle ich etwas von Puxley Manor, einem Gespensterschloss, das ein Hotel hätte werden sollen und jetzt wieder ein Gespensterschloss ist. Ursprünglich gebaut von der Familie Puxley aus Wales, die hier in der Gegend Kupferminen aufbaute. Auf Boden der einmal einem irischen Clan gehörte, die von den Briten mit Gewalt verjagt worden waren. Später verzockten an gleicher Stelle einige irische Banker und Investoren sehr viel Geld. Geblieben ist das Gespensterschloss und ein verrottetes Schiffswrack.

Das neue Puxley Manor – zu 90% fertiggestelltes Luxushotel – brachte Banker und Spekulanten kein Glück. Seit 2010 gibt es keine News wie es mit dem 60 Millionen Euro teuren Bau weiter geht.

Kaum zu glauben, aber in jüngster Zeit wütete der Celtic Tiger an diesem abgelegenen Ort. Im Sog der irischen Hochkonjunktur, den man hier den Celtic Tiger nannte, traten übermütige Finanz-Manager auf den Plan. Diese hatten die glorreiche Idee die Ruine des Puxley Manor in ein 6* Luxushotel zu verwandeln. Spekulanten stellten über 60 Millionen Euro (!) zur Verfügung und der Plan wurde umgesetzt. Das Hotel war zu 90’% erstellt – dann kam die irische Finanzkrise, die sich in der Folge weltweit ausbreitete. Die sorglosen Banker und Finanz-Manager bekamen kalte Füsse. Man begann zu rechnen und erkannte erstaunliches. Hier draussen  auf der bergigen Beara Halbinsel* – weit weg von der Welt – kann ein Luxushotels unmöglich wirtschaftlich betrieben werden. Sie drehten darauf den Geldhahn zu, die Spekulanten verloren ihr Geld, einige fanden sich im Gefängnis wieder. Puxley Manor – inzwischen mit 58 Luxus-Suiten – verwandelte sich zurück, in das Geisterschloss, was es schon einmal war.

Abgeriegelt und unbewohnt – ein modernes Geisterschloss

Lange vor der Schnapsidee mit dem Hotel ruhte Puxley Manor Jahrzente als ausgebrannte, romantische Ruine vor sich hin. Viele Jahre ist es her, dass ich die Ruine besuchte. Ein tolles Fotomotiv, wenn das Abendlicht auf die Ruine traf. Der Zugang in die Ruine war einfach möglich. Man sah überall Brandspuren, verkohltes Holz. Und überall wuchsen Sträucher und Pflanzen aus den maroden Mauern.

Die Runine des Puxley Manor, „analog“ im Jahre 2001 aufgenommen

Ein Einheimischer hatte 1927 das Anwesen in einer Auktion gekauft. Er tat sein Bestes um das Land sowie das ausgebrannte Schloss in seinem Besitz zu halten. Irgendwann konnte er die Kosten für die Versicherung nicht mehr aufbringen – seine Träume von einer Restaurierung platzten. Im Jahre 1999 verscherbelte er das Anwesen.

Im Hafen des Schlosses liegt dieses alt Schiffswrack

Den wirkliche Niedergang des Schlosses  geht auf den irischen Unabhängigkeitskrieg in den 1920er Jahre zurück. Damals marschierte die IRA in dieser Gegend ein, verjagte die Schlossherren und nutzen eine kurze Zeit das Schloss als Militär-Quartier. Zum Gespensterschloss wurde es, als die IRA das Gebäude anzündete und es symbolisch niederbrannten.

Für die IRA und die leidende irische Bevölkerung war die Familie Puxley aus Wales – die Erbauer und Schlossherren – der Inbegriff des bösen Kapitalismus und der englischen Kolonialherrschaft. Und Puxley Manor ein verhasstes Symbol für Hungersnot und die Unterdrückung der irischen Bevölkerung.

Die Schlossherren waren berüchtigte Industrielle. Die Familie Puxley kam ca. 1730 an diesen Ort und bauten die Kupferminen in dieser Gegend auf. Man baute hier zuerst ein Haus, das Schloss selber wurde erst 1866/67 von „Copper John“ Puxley fertig gestellt. Und dabei spielte – genau gleich wie bei den Finanz-Managern – Geld keine Rolle. Aber anstatt Geldgeber auszunehmen, verdiente man das Geld in den eigenen Kupferminen, wo bis zu 1300 Arbeiter sklaven-ähnlich gehalten wurden. Den Bauern nahm man zudem die Ernte komplett ab. Während die Bevölkerung hungerten und starben,  entstand dieser protziger Bau, ein eigener Hafen in der Bucht und ein grosser Park.

William Lawrence postcard of Puxley Manor, circa early 1900s.

Die Familie Puxley baute ihre unbarmherzige Geldmaschine an einem Ort auf, die von der englischen Krone blutig erobert wurde. An einer Stelle also, an der damals ein hier ansässiger gälischer Clan vertrieben und ausgelöscht wurde.

Heute noch steht ein Steinwurf vom Gespensterschloss entfernt eine Ruine – die Ruine des Dunboy Castle. Im nächsten Teil erzähle ich Euch die Geschichte von Dunboy Castle – eine Geschichte von Belagerung, spanischen Krieger und einer Tragöde auf Dursey Island.

Puxley Manor Sullivan Mansion Hotel Luxus Dunboy Castle

Kurz hinter dem Puxley Manor findet man die Ruinen eines anderen Schlosses – die Ruinen des Dunboy Castle

Bilder: Michael’s Beers & Beans Herbst 2017

* Beara Peninsula

Auch heute noch ist die Beara Halbinsel nicht einfach zu erreichen. Von Dublin bis zur äussersten Spitze vor Dursey Island muss über 7 Stunden Fahrzeit eingerechnet werden.

Die zwischen der Bantry Bay und dem Kenmare River gelegene Halbinsel Beara ist ein Besuch wert. Steile, zerklüftete Klippen, viele vorgelagerte Schären und sanft ansteigende Wiesen sowie Steinmauern und Hecken bestimmen das Landschaftsbild. Die Luft, das Licht hier draussen ist einmalig. Die wunderschöne Küstenlinie und die malerischen Dörfchen bilden fast ein kleines Paradies.

Quellen: Wikipedia, Irish Times, http://www.apassportaffair.ch, mailonline.uk, usw.

Michael’s Beers & Beans ist ein Hobby-Blog und nicht kommerziell. Ich bin ein fotografischer Geschichtenerzähler, erzähle was ich auf einer Reise so aufgeschnappt habe. Dieser Post ist in Ergänzung zu meinen Bildern als Small Talk, Gedankenaustausch und Plauderei zu verstehen, hat daher weder den Anspruch vollständig, noch komplett aktuell zu sein. Alle Informationen sind ohne Gewährleistung auf Vollständigkeit und Richtigkeit. Um sich in ein solches Thema zu vertiefen, empfehle ich unbedingt weitere Quellen zu überprüfen.

 

The Burren Perfumery – der Duft des wilden Burren

Clare, Ireland, Irland

Parfüms erzeugen schöne und harmonische Düfte und gehören zu unserem Liftstyle, zu unserem urbanen Leben. Nun stell Dir vor, Du wanderst im Herbst auf einer einsamen Landstrasse irgendwo in der irischen Country Site, atmest die klare und frische Luft ein. Dann trittst Du unvermittelt in eine Parfümerie ein. Würde die eigene Nase erblinden, käme es zu einem Geruchsschock?

The Burren Perfumery Carron Co. Clare Ireland

Dies habe ich mich tatsächlich gefragt, als ich über gewundene Strässchen durch den vom Regen frisch gewaschenen Burren Nationalpark zur Burren Perfumery gefahren bin.

Eine Parfumerie inmitten dieser unbewohnten Landschaft? Und wie komme ich auch noch dazu diese zu besuchen? Tatsächlich eher zufällig, – ich bin beim googeln auf die schön gestaltete Homepage der „The Burren Perfumery“ gestossen und so neugierig geworden.

Logo „The Burren Perfumery“ (Deeplink)

Der Besuch hat sich gelohnt, die erste Begegnung mit der Parfumerie inmitten des einsamen Burren war wohlriechend angenehm. Vielleicht liegt es daran, dass der Parfümeur sich für seine handgefertigten Parfüms und Kosmetika von der steinernen Schönheit der Landschaft hier und seiner reichen Vielfalt an einheimischer Flora inspirieren lässt. Lässt Düfte entstehen, die von hier kommen und in die Welt hinaus gehen.

Die Karstlandschaft Burren im County Clare hat zwei Gesichter. Auf den ersten Blick wirkt alles karg. Aber in den Wiesen nahe des Kalkstein-Karst wachsen viele irische Sommerblumen und Orchideen. Die Gegend gilt sogar als einer spektakulärsten Blumenlandschaften der Welt. Dies wird für mich einmal eine Rückkehr in einem der Sommermonate bedeuten. Jetzt im Herbst, nach den starken Stürmen, ist davon nichts zu sehen.

The Burren Perfumery Carron Co. Clare Ireland
Der Burren ist eine wilde Kartslandschaft in Co. Clare, Irland

Vorstellen kann ich mir,  dass ein Parfümeur die klare und sehr saubere Luft hier oben sehr schätzt. Kann er so seine Kompositionen noch besser riechen, feiner mischen?

Die Vielfalt der Produkte, die hier im Familienunternehmen mitten in der Einsamkeit hergestellt werden, ist beeindruckend. Neben den schönen Parfüms und After Shaves gibt es Seifen, Hautcremes, Bodylotions und Lippenbalsame. Sehr gut gefallen haben mir die Verpackungen der Parfumes, welche mit verschiedenen Burren-Pflanzen von einem irischen Künstler illustriert worden sind.

Irische Leidenschaft und handgemachte Produkte schaffen feinste Düfte, die in Balance mit der wilden Landschaft des Burrens stehen.

The Burren Perfumery Carron Co. Clare Ireland
The Burren Perfumery

Die Produkte werden als „organic“ gekennzeichnet, da die Produkte zertifiziert sind (UK Soil Association). Herstellungsprozess, Verpackung und Zutaten entsprechen hohen Standards.

The Burren Perfumery Carron Co. Clare Ireland

The Burren Perfumery und Floral Centre ist bei einem Aufenthalt im County Clare einen Besuch wert. So ist man bei der Seifenherstellung dabei, sieht die Destillation- und Mischungsräume. Es gibt einen wunderschönen, weitläufigen Garten (Gewinner des Sonderpreises National Biodiversity Garden of the Year 2009)  ein gemütliches Café. In „The Tea Rooms“ werden  lokale Spezialitäten (Bio) und feinen, selbstgemachten Kuchen angeboten.

Tea Rooms - The Burren Perfumery Carron Co. Clare Ireland

Natürlich gibt es einen tollen Laden, wo man die Produkte kaufen kann. Sehr freundliche Mitarbeiterinnen beantworten Fragen und erklären die verschiedenen Mischverfahren.

Soap Room

Mein Tipp:

Für sich oder seine Liebsten zu Hause sind die „Candles“ ein Mitbringsel wert. Die Kerzen in der „Konservendose“ sind gut mitzunehmen. Die Kerzen werden aus Sojawachs hergestellt und nur mit ätherischen Ölen parfümiert. Die Kerzen entfalten einen angenehmen Duft, nicht zu vergleichen mit den künstlich hergestellten Duftkerzen.

Kontakt:

The Burren Perfumery
Carron
Co. Clare
Ireland

Phone +353 65 7089102
Email info@burrenperfumery.com

https://burrenperfumery.com (Online Shop)

Rechte Logo (Deeplink): The Burren Perfumery

Nachfolgend noch ein paar Bilder von der Parfumerie, dem Laden sowie dem Coffee Shop:

Unscheinbar in einem schönen, parkähnlichen Garten stehen die Häuser, in welchen die Seifen und Parfüms hergestellt werden.
Produktion The Burren Perfumery Carron Co. Clare Ireland
Produktion
Shop The Burren Perfumery Carron Co. Clare Ireland
The Burren Perfumery Shop
Entrance The Burren Perfumery Carron Co. Clare Ireland
Welcome to the Tea Rooms
Coffee Shop The Burren Perfumery Carron Co. Clare Ireland
The Tea Rooms
Garden The Burren Perfumery Carron Co. Clare Ireland
Floral Centre
Flower The Burren Perfumery Carron Co. Clare Ireland
Der Duft des Burren

(Dies ist ein Erfahrungsbericht, die eingekauften Produkte habe ich selber bezahlt, keine Werbung oder sponsored Post. Michael’s Beers & Beans ist ein Hobby-Blog und nicht kommerziell)

Eine Reise, die mich zu Hause begriff

Irland, Projekt 360

Damit eins von vorneherein klar ist: Die Idee diese Insel zu bereisen hatte nicht ich.

Shannon, Irland. Im Mai 1989. Ein grauer Tag, es regnete, was sollte es sonst tun in diesem Irland? Nach all den tollen Reisen in den vergangen Jahren nach Kalifornien, Norwegen, Griechenland und Island, fragte ich mich, was soll ich hier?

Irland 1989 (unser Flieger Dublin – Shannon)

Rastlos reisten meine Frau und ich in einem Mietauto rund um die Insel. Was ich sah, war nicht die Welt, die ich sehen wollte. Irland war ein Land, das sich gefühlt vom vorigen Jahrhundert noch nicht gelöst hatte. Auf den Felder Ochsengespanne. Auf den Strassen kaum Verkehr, dafür Esels-Karren. Dunkle Dörfer die im Torf-Qualm zu ersticken drohten. Auf dem Land traf man die Männer in den Public Pubs an – getrennt von den Frauen, die ihren Drink in den Lounges nehmen durften. Sonntags hatten alle Tankstellen geschlossen. Dublin? Eine graue Stadt mit dem Charme eines Provinznests. Die immer grünen Landschaften rauschten an den Fenstern des Mietwagens vorbei. Und die Musikkneipen, die Pubs? Die schwarze „Glungge“ jedenfalls, welche man hier als Bier ausschenkte, machte alles nicht wirklich besser.

Irland 1989 (Küste in Connemara)

Agglomeration Zürich. November 1989 – die Reise nach Irland war vergessen. Dienstreise, Stau und dazu Schneeregen. Plötzlich ein Bild in meinem Kopf! Ein aufgeklarter Himmel lässt die für den Südwesten Irlands so typischen sanften, grünen bis zum blauen Meer hin abfallenden Hügel in diesem besonderen Glanz erscheinen. „Was soll das?“, knurrte ich vor mich hin. Unter dieses Bild mischte sich ein Gefühl von Sehnsucht.

Irland 1989 (Ballylinch, Baltimore, West Cork)

Diese Reise nach Irland ging mir in den folgenden Tagen nicht mehr aus dem Kopf. Ich fing an Irland zu begreifen, aber auch mich. Ich war an einem Ort gewesen, wo ich nicht bereit war zu sein. Weil ich an einem anderen Ort sein wollte? Dabei verpasste ich die Schönheit des Moments. Hatte meine schwammige Erwartungshaltung aufgrund meiner Engstirnigkeit mich dieser Reise  verschlossen? Verschliesse ich mit dieser Haltung nicht sogar meiner ganzen, eigenen Lebensreise?

Irland 1989 (ev. Rossbeigh Beach, Killorglin)

Rindermarkt, Niederdorf, Zürich, Dezember 1989. Alles schon weihnachtlich. Ich stand im Travel Book Shop, blätterte durch ein Buch über die Neu-England-Staaten. Dabei fiel mein Blick auf das Büchergestell mit den Reisebüchern „Irland“. Unten lag ein kleines Büchlein auf: „Irisches Tagebuch“ von Heinrich Böll. Warum auch immer, ich kaufte dieses Buch. Setzte mich in das nächste Café, fing an zu lesen. Und staunte was der Autor zu Beginn des Buchs schrieb:

„Es gibt dieses Irland: wer aber hinfährt und es nicht findet, hat keine Ersatzansprüche an den Autor.“  (Heinrich Böll)

 

Irland 1989 (Wegweiser im Co. Donegal)

In der Nähe von Baltimore, am River Ilen. Irland. 28 Jahre später. Es ist später Nachmittag. Das Licht kündigt wieder einer dieser unglaublichen Sonnenuntergänge über dem Fluss an. Später wird alles in Dunkelheit versinken, kurz durchbrochen vom sich drehenden Lichtstrahl des entfernten Leuchtturmes. Dann werde ich mich nochmals in die Conservatory hinter das Notebook setzen, diesen schwierigen Post zum „Projekt 360: Um die Welt, zu Dir selbst“ fertig schreiben.

Irland 2015 (Sonnenuntergang über dem River Ilen, West Cork)

Vorher geniesse ich noch ein Drink. Zusammen mit meiner Frau, die zwischendurch in ihr Buch vertieft ist. Das herbstliche Licht erhellt ihr Gesicht. Meine Gedanken schweifen ab.

Irland Oktober 2017 (Hier enstand der Post “Eine Reise, die mich zu Hause begriff”)

So what, ich habe dieses Irland gefunden! Das reale Irland, das romantische Irland und mein „irisches Ich“. Es war keine Reise um die Welt, sondern nur eine Reise auf diese seltsame, kuriose und wunderschöne Insel. In der Vielfalt der Menschen und ihren farbigen Häuser habe ich hier inzwischen eine andere Art von Toleranz und Freiheit kennengelernt. Ein paar Stunden Irland, meine Seele ist befreit vom Schatten des Alltags. Und es löst mein Hang zum Perfektionismus auf – schnell erkenne ich wieder, dass auch krumm gebaute Dächer vor Regen schützen, man mit einem rostigen Fiesta ans Ziel kommt und eine schrecklich bunt-gestreifte Jacke vor dem Wind schützt.

Irland 2015 (Wedge Tomb, Goleen, West Cork)

Die erste Reise nach Irland hatte mir erst zu Hause die Augen geöffnet. Das Land, die Menschen und die Kultur nachträglich spüren lassen. Gezeigt, dass ich nicht nur durch Irland gerast war, sondern auch durch mein eigenes Ich – getrieben nach einer unerfüllbaren Erwartung, welche ich selber schwammig definiert hatte.

Irland 2015 (Barleycove Beach, Mizen Head Peninsula, West Cork)

Die Sehnsucht nach diesem Irland wurde grösser und ich kehrte auf die grüne Insel zurück. Seit dem sind wir immer wieder nach Irland – vor allem in den Süd-Westen – gekommen. Haben hier ein Teil unserer Ferien verbracht. Wird es uns heute zu viel im Alltag, dann steigen wir einfach ein paar Tage aus und kommen hierher, um Kraft zu tanken, Gedanken zu fassen.

Irland 1989

In der Reise von 1989 finde ich heute für vieles den Ursprung. Hier auf der grünen Insel ist mir irgendwann der „Groschen“ gefallen, dass mein Leben grundsätzlich von meiner Art des Denkens bestimmt wird, ich der Schöpfer meiner Erwartungen und Gedanken bin. Offen zu bleiben um sich Situationen anzupassen, Alternativen auszuloten. Nicht darauf zu warten, dass etwas auf mich zukommt, sondern selbst auf ein Ziel hinzuarbeiten.

Irland 2015

Diese Irland-Reise hat mich vom herumreisenden, besuchenden Tourist zu einem Wanderer, zu einem sehenden Besucher gemacht. Es brauchte Kraft für mich zu erkennen, dass mein Glück nicht darin liegt, jedes Land dieser Welt zu bereisen. Sondern die Orte, die mich berührten, wiederzusehen. Die Schönheiten in der Einfachheit, wie auch in der Wiederholung zu finden. In der Reise die Zeit zu haben sich selber neu zu entdecken, sich zu reflektieren.

Fast hätte ich dieses Irland nicht gefunden. Im gesamten Leben zählen wenige Augenblicke. So war es eine sehr gute Idee meiner Frau eine Reise hierher zu unternehmen.

Irland Silvester-Neujahr 2015/2016

Dieser Post ist im Zusammenhang mit dem „Projekt 360: Um die Welt, zu Dir selbst“ entstanden. Igor von 7Kontinente hat viele Blogger aufgerufen, über eine Reise in ein bestimmtes Land, welches eine persönliche Veränderung im Leben hervorbrachte, zu schreiben. Eine Reise, die zu einer Selbstfindung führte, unabhängig in welcher Grösse. Viele Blogger haben sich „ihr“ Land reserviert, man kann wirklich sehr gespannt sein auf diese Berichte.

Weitere Informationen etwas über die Hintergründe findest Du hier.

Baltimore, 25. Oktober 2017

P.S. Auch der Post „Das Bild und die 1000 Worte“ist auf Initiative von Igor entstanden.

Irland 1989: ein Fischer rettete „unseren“ Kutter vor Skellig Islands aus der Seenot. Wir hatten versucht bei relativ schwerer See (OK, ich bin ein Landei) auf die Skellig überzusetzen. Kurz vor der Inselgruppe streikte der Motor – unser Fischer hatte vergessen Diesel nachzutanken. Dafür funktionierte das Sprechfunk-Gerät so dass er den Notruf MAYDAY absetzen konnte. Nachher im Pub hatten wir es alle lustig – eine der vielen kleinen Episoden meiner ersten Reise in Irland.