Corona WebLog #9

Corona Weblog

Der Virus ist noch da. Unter uns. Irgendwo. Und doch bewegt sich mein Leben mit grösseren Schritten wieder hin zur Normalität. Gemischt sind meine Gefühle, zwischen Freude und Sorgen. So stelle ich mir die Frage, soll ich dieser neuen Normalität sehr vorsichtig oder mit der für mich eher typischen Gelassenheit begegnen?

Den Lockdown sind wir los – wenigstens fast. Schulen sind aufgegangen, die Restaurants und Läden ebenfalls. Der Verkehr in der Stadt ist zurück. Alles ein grosser Schritt scheinbar in die Normalität. Doch es ist nicht mein Leben von früher – zwei Meter Abstand, Social Distancing, noch mehr Hände waschen, Desinfektionsmittel und teilweise das Tragen von Masken ist in meinem Alltag angekommen. Und es gibt keine Gewissheit – keine Gewissheit ob dies alles so bleibt oder morgen schon wieder alles anders ist.

Die Bilder in den Medien von sterbenden Menschen in unseren Spitälern habe ich fassungslos mitverfolgt, diese sind in meinem Kopf eingeprägt. So reagiere ich in dieser neuen Normalität oft verunsichert: Beobachte die Menschen rundherum, halte manchmal mehr Abstand zu meinen Mitmenschen als wirklich nötig, meide instinktiv belebte Orte. Zwischendurch, wenn mir alles zu eng wird, dann verstecke ich mich hinter einer dieser ungewohnten Masken.

Wo ist die Sicherheit von meinem alten Leben geblieben? Welche Sicherheit? War dies nicht nur ein falsches Gefühl – ist das Leben nicht grundsätzlich endlich, unvorhersehbar, unsicher und abstrakt? Vor der Pandemie wie jetzt in der neuen Normalität?

Die schnelle Öffnung ist ein Risiko – für die Gesellschaft. Für mich persönlich. So kann ein Abendessen in meinem Lieblingslokal oder der Besuch eines Museums ansteckend sein. Gehört aber dieses Risiko nicht einfach zum Leben?

Wichtig scheint, dass ich zu meiner Gelassenheit zurückfinde. Mein „Schneckenhaus“ endlich verlasse und hinaus gehe ins Leben. Es braucht etwas Mut. Und Disziplin: Abstand halten, Hände waschen!

Nehme ich doch die neue Normalität einfach mit einer Art Gottvertrauen, mit meiner Zukunftsgläubigkeit und Gelassenheit an. Und ich versuche wieder den Risiken wie früher mit Augenmass zu begegnen. Denn irgendwann werde ich Sterben, aber jetzt darf ich Leben! Geht uns doch allen so.

Stay well and safe.

Bilder Opernhaus Zürich Mai 2020 – vielen ist es gar nicht so aufgefallen, da in der Stadt Zürich viele Plätze abgesperrt worden sind. Aber für mich ist das rundherum eingezäunte Opernhaus ein Sinnbild der Corona-Krise.

Corona Weblog #8

Corona Weblog

Die ersten Geschäfte sind seit gestern wieder geöffnet und die Menschen kehren langsam auf die Strassen unserer Städte zurück. Darüber ist die Freude bei mir verhalten, es ist eher das Gefühl, dass wir alle aus einem Alptraum herauskommen, langsam und mit sehr kleinen Schritten. Jedoch ist bei mir eine Erleichterung und Dankbarkeit spürbar, dass meine Familie, Freunde und ich am Leben und gesund sind. 

Die wochenlange “Gefangenschaft” wurde seit gestern gelockert. Eine “Gefangenschaft” die dazu geführt hat, den Coronavirus in der Schweiz einzudämmen. Vermutlich leben viele von uns inzwischen in einem engen Umfeld relativ sicher vor dem Virus und können sich kaum noch anstecken. Wenn wir weiterhin vorsichtig bleiben. 

Wir haben den ersten Teil der schlimmsten Krise, welche die moderne Schweiz je durchlebt hat, hinter uns. Doch bewältigt haben wir die Krise noch nicht, hier steckt viel Arbeit und ein langer Weg vor uns – für jeden einzelnen in diesem Land. 

Besonders in der Stadt Zürich spüre ich nach Wochen der Abrieglung, dass das Leben zurückkehrt. Gestern öffneten Coiffeure, Autowaschanlagen, Baumärkte und andere wenige Dienstleistungen. Restaurants und Bars bleiben weiterhin geschlossen, trotzdem gibt es wieder den Anschein einer Grosstadtatmosphäre.

Was sich da gerade entwickelt, ist nur scheinbar die Normalität von gestern. Unfassbar spüre ich, dass sich die Struktur unseres Lebens selbst bereits verändert hat. Die Zukunft schon in eine andere Richtung geht.

Was mich betrifft, habe ich während diesem Teil der Krise weitgehend durchgearbeitet, was mir geholfen hat, manchmal auch alles etwas zu verdrängen. Zudem hat sich “work at home” als gutes Mittel zur Erfüllung meiner Aufgaben erwiesen. Den ganzen Tag führe ich Telefonate und Videokonferenzen. Mit meinem Team verbringe ich „virtuell“ viel Zeit, was früher im Non-Stopp-Büroalltag nicht möglich gewesen war. Diese erzwungene Zeit hat uns ermöglicht vieles weiterzuentwickeln und Feinabstimmungen – auch in digitalen Themen – zu erarbeiten. Wir sind bereit, viele Aufgaben weiterzubringen, wenn die Krise vorüber ist.

Die Kehrseite der Medaille ist der Mangel an sozialer Interaktion, an temperamentvollen Gesprächen oder professionellen Argumenten am runden Tisch, die so oft zu Lösungen führen. Auch wenn ich nur national unterwegs bin, ist die fehlende Reisemöglichkeit für mich sehr einschränkend. Obwohl ich erkennen muss, dass es früher vielleicht doch zu viele Aussentermine waren.

Meine Konsumsehnsüchte sind überraschend bescheiden geblieben. Erst wenn ich an einem geschlossenen Café vorbeikomme, dann wird mir bewusst, wie schön es jetzt wäre in der Sonne zu sitzen und einen Espresso zu trinken. Und ein weiterer Wunsch entwickelt sich leise, irgendwann möchte ich in meinem Kreis eine Feier geben, eine Feier die als Restart in mein neu geschenktes Leben steht!

Die letzten Corona-Wochen sind zur Routine geworden. Genauso wie das tägliche Überfliegen der Infektionszahlen. Natürlich waren da die Isolations-Wochenende. Hier habe ich mir die Energie geholt: genug geschlafen, Spaziergänge und die Zeit die ich auf unserer Terrasse bei fast sommerlichen Temperaturen verbracht habe. Wir haben gebacken und gekocht. Die Zweisamkeit geniessen können. Und tatsächlich steht über vielem die Nähe meiner Frau, die mir geholfen hat mit allem einfach besser zurechtzukommen.

Vielleicht stehen wir noch am Anfang dieser Krise, daher wäre es vermessen jetzt schon das Ende abzusehen. Aber es scheint wir haben die Talfahrt hinter und der Talboden liegt vor uns.

Euch alles Gute und bleibt oder werdet wieder gesund!

Bilder: MSC (Ausnahme Bild „Herz“ von SBA 4/20)

Corona WebLog #7

Corona Weblog

Meine anderen Ostern

Schönes Wetter, fast schon sommerliche Temperaturen! Besser hätten wir es über Ostern nicht haben können. Diese Ostern waren anders, vom Lock Down überschattet. Ostern ohne alles. Es waren verwirrende, spezielle Tage, zudem geprägt durch mein schlechtes Gewissen!

Es fing schon an bei meinem Plan an Ostern etwas zu wandern, so ums Haus rum war die Idee. Doch dann stürzte mich der beliebte Volkswanderer Nik Hartmann in die Ungewissenheit. Er bezeichnet in einem Interview alle “als Tuble”, die jetzt noch raus zum wandern gehen würden. Soll ich? Oder lieber nicht?

Meine Lebenspartnerin und ich sind trotzdem gegangen – nur zu zweit. Etwas verstohlen, haben wir kleine Wanderungen direkt vom Haus aus unternommen. Haben Wege gesucht, wo uns niemand sieht. Uns angezogen als wären wir nur Spaziergänger. Dieser “Ausbruch” in die Natur,  die Bewegung hat uns gut getan. Es war ja nicht verboten. Auf unserem Weg sind uns andere wandernde Menschen begegnet, immer grosszügig und höflich ausgewichen. Zudem haben alle ganz freundlich gegrüsst. Übrigens auch die Velofahrer.

Am Ostersonntag verteilten wir ein paar Osterhasen. Mit dem Auto. Die Osterhasen hatten wir vorher Online bei einer Schweizer Confiserie bestellt. Das Paket kam rechtzeitig an, doch die Osterhasen hatte ich mit schlechtem Gewissen ausgepackt. Weil die Post uns Online-Shopper stark kritisierte, wir würden alle so viel unnützes Zeugs bestellen! Damit hätten wir eine unbewältigbare Päckliflut ausgelöst. Sind die Schoggi-Osterhasen unnütz?

Also fuhren wir früh morgens am Ostersonntag mit dem Auto los auf eine kleine Runde um unsere beiden isolierten Müttern und anderen Bekannten einen Ostergruss in den Briefkasten zu legen. Dabei fiel mir auf, dass ich als Wochenendaufenthalter ja mit einem ZH-Kennzeichen unterwegs war! Angst überkam mich, dass die Locals (also die Thurgauer) mich als “Ausflügler” aus der ungeliebten Gross-Stadt hielten! Ich wurde unruhig, es waren ja auch die Ostern unter Beobachtung. Man hörte und las ja von Hunderten von Denunziationsversuchen – allerdings mit einer Gemeinsamkeit laut Presse: «Zumeist fanden die Polizeien keine Verstösse.» Dazu hätte dann meine „Osterhasen-Ausfuhr“ mit ZH-Kennzeichen im Thurgau wohl auch gezählt, da nicht verboten.

Auf dem Seerhein tuckerten ein paar Boote über das blaue Wasser, einige SUP’s liessen sich von der Strömung treiben. Die SUP’s und Bootsführer hatten einen „sicheren“ Zufluchtsort gefunden. Abstand wird hier gepflegt, nicht zu nahe aneinander ran gehört zur Regel auf dem See, unabhängig von Corona. Das Boot ist in diesen Zeiten noch mehr Luxus: ungestört in der Natur, die Frühlings-Landschaft am Ufer zieht vorbei. Ob ich mir ein Boot oder vielleicht ein SUP anschaffen sollte? Kann man Bootfahren in diesen Tagen einfach ohne schlechtes Gewissen?

Karfreitag. Die Glocken unserer kleinen Kirche läuteten zur Messe. Nur da war keine. Also keine richtige, nur eine virtuelle. Unser Pfarrer begrüsste die Gläubigen in der leeren Kirche via Livestream auf YouTube. Eigentlich wollte ich in den Livestream reinschauen. Schlechtes Gewissen – vielleicht ein bisschen …

Und wir haben Freunde, Nachbarn getroffen. Zum ersten Mal seit langem – ein kleiner Schwatz dort, einer da – immer aus sicherem Abstand. Nur ein paar Worte zu tauschen war schon ein kleines österliches Glück. Mit einem Bekannten trank ich sogar unten an der Seepromenade ein Bier – wir sassen auf der Kaimauer, liessen die Beine baumeln. Blinzelten in die Sonne. Zwischen uns vermutlich 3 Meter Distanz – doch wir fühlten uns beobachtet und wieder beschlich mich dieses coronahafte, schlechte Gewissen.

Es gab ein Ort, wo ich mich ohne schlechtes Gewissen bewegen konnte. Zuhause – my home is my castle! Wir haben gebacken und gekocht. Viel mit unseren Liebsten kommuniziert – WhatsApp und Facetime sind heiss gelaufen. Sogar Postkarten geschrieben, einfach so. Und der Balkon entwickelte sich zum sommerlichen Refugium.

In dieses sommerliche Gefühl mischte sich der Gedanke, alles ganz schön, aber für nächstes Jahr wünsche ich mir ganz normale Ostern! Selbst wenn es regnen sollte! Wird dies ein frommer Wunsch bleiben? Die Corona-Pandemie ist nun mal kein Entschleunigungsexperiment. Sondern es geht weiter. Die Routine nach diesen Ostern wird die eigene sein, aber auch die draussen in der Welt: immer noch Corona-Kranke auf den Intensivstationen, weiterhin werden wir Todesopfer beklagen müssen. Die Existenzsgrundlage vieler Menschen ist am Boden zerstört, vielleicht erhalten sie eine Chance diese wieder aufzubauen. Die Rezession wird folgen. Und unsere Freiheit? Wie sieht diese an den nächsten Ostern wirklich aus?

Schwarzseherei? Nein, meine Zuversicht ist gross. Nur, je länger es geht, wird klarer, dass der bundesrätliche Vergleich mit dem Marathon nicht übertrieben war. Und wir haben noch ein sehr langes Stück vor uns. Und viele haben gesagt, die Welt wird danach anders aussehen. Doch niemand hat dabei geglaubt, dass diese andere Zukunft einmal Realität wird. Vielleicht haben wir die Chance darin viel Gutes zu machen, etwas weniger für uns selber, dafür etwas mehr für die Gesellschaft, die Natur und das Klima.

So bleibt es an mir mich in Bescheidenheit weiter zu üben. Alles durchzustehen und auszuhalten – so gut wie ich es nur kann. Und mein Bestes zu geben.

Diese Ostern waren anders …

Bilder: Symbolbilder April 2020 (ausser Osterhase & Schlussbild von 2019)

Corona Weblog #6

Corona Weblog

Corona Weblog #6: Die Grenzen zwischen der Schweiz und Deutschland sind mehr als zu … und ein Zeppelin passt auf!

Die Grenzen zwischen der Schweiz und Deutschland sind zu – sogar doppelt und dreifach. Einerseits hat die Schweiz die Grenzen geschlossen, Deutschland hat die Grenzen zur Schweiz ebenfalls dicht gemacht und erstmals in ihrer Geschichte machte auch die EU ihre Aussengrenze dicht. Dies wirkt sich ebenfalls auf die Schweiz aus, da diese nicht zur Europäischen Union gehört. Und als wäre dies nicht genug hat man nun zwischen Konstanz und Kreuzlingen auf rund 2km länge parallel zwei Zäune errichtet.

Seit dem 17. März sind die Grenzen Deutschlands wegen des Coronavirus geschlossen und zwischen Kreuzlingen und Konstanz steht wieder ein Zaun, respektive sind es eben zwei Zäune, die parallel zu einander verlaufen.

Als der deutsche Zaun vor drei Wochen errichtet wurde, waren plötzlich und unerwartet viele Menschen in den sehr eng verbundenen Städte Konstanz (D) und Kreuzlingen (CH) getrennt. Um sich zu sehen blieb ihnen nur noch der Zaun. Dieser war zum Glück bisher tief genug: man konnte grenzüberschreitend Händchen halten, Liebespärchen küssten und Andere umarmten sich. Diese Nähe wurde zum Problem. So haben die Schweizer einfach einen zweiten Zaun errichtet – robust und hoch wie einst. Er verläuft in einem Abstand von zwei Metern parallel zum deutschen Zaun. Über 2 km lang. Nun wird „Social Distancing“ auch über die Grenze hinweg gezwungenermassen eingehalten.

Obwohl der jetzige „Corona-Zaun“ der Gesundheit dient, kommen bei vielen Menschen an der Grenze Erinnerungen auf. Denn 1939 wurde schon einmal einer hier gezogen, der Bundesrat liess damals einen dauerhaften und sehr hohen Zaun errichten. Und die deutsche Wehrmacht auf der anderen Seite baute ebenfalls einen Zaun. 1973 wurde der Grenzzaun letztmals verlängert, bevor dann 2006 die physische Grenze eingerissen wurde.

Hier steht noch – zur Erinnerung – ein Stück des alten Grenzzaunes von 1939.

Dies interessiert die Menschen am Grenzzaun herzlich wenig, sie haben einfach neue Ideen entwickelt, welche die Zöllner vor neue Probleme stellen. Da werden Liebesbriefe über den Zaun geworfen (unerlaubter Informationsaustausch?), Essen gekocht oder Kuchen gebacken und dann in Tupperware an einer Schnur unten durch den Zaun gezogen (Schmuggel? Steuerstrafverfahren?). Ein Pärchen spielt quasi über die geschlossene EU-Aussengrenze hinweg Federball – ist dies nun Luftraumverletzung? Also Fragen über Fragen …

Neunundneunzig Luftballons
Auf ihrem Weg zum Horizont
Hielt man für Ufos aus dem All
Darum schickte ein General
‚Ne Fliegerstaffel hinterher

Nena, 99 Luftballons

Leider entwickelt sich der Grenzzaun inzwischen zu einem Ausflugsziel, daher die bitte, nicht hingehen, einfach sein lassen. Sonst kommt die Corona-Kontrolle von ganz oben! Die Polizei in der Region Bodensee-Oberschwaben geht am Osterwochenende an Bord eines Zeppelins, um die Beschränkungen zur Eindämmung des Virus zu überwachen. Tatsächlich stellt die Deutsche Zeppelin-Reederei in Friedrichshafen das Luftschiff für diesen Einsatz zur Verfügung. Geplant sind mehrere Flüge von Karfreitag bis Ostermontag. Sinn und Zweck ist aus der Höhe Menschengruppen zu erkennen – der Zeppelin NT ist wegen seines leisen Flugs besonders für eine derartige Mission geeignet!

Quellen: Infos vor Ort, Stammtischgeschwätz (natürlich über Video), allgemeine Presse

Auf beiden Seiten der Grenze gelten derzeit sehr strenge Massnahmen, die Unterschiede sind wohl eher marginal. In Deutschland gilt ein Mindestabstand von mindestens 1,5 Metern in der Öffentlichkeit, in der Schweiz beträgt dieser mindestens 2 Meter. Baumärkte sind in Deutschland scheinbar wichtig, daher offen. So schaut der eine oder andere Hobby-Handwerker aus der Schweiz traurig über die Grenzen, denn hier sind die Baumärkte sowie Gartencenter schon seit einiger Zeit komplett geschlossen. 

Corona Weblog #5

Corona Weblog

Es ist bei mir so etwas wie Krisen-Alltag eingezogen, dies habe ich inzwischen akzeptiert. Nun hätte ich versuchen können meiner Umwelt vorzuwerfen, dass ich mir das Ganze wirklich anders vorgestellt habe. Allerdings dafür hatte ich bisher gar keine Zeit. Wäre sowieso nur anstrengend geworden, es ist besser meine Energie für den konstruktiven Umgang mit dieser Ausnahmesituation zu brauchen. Und es ist ja nicht so, dass ich zu Hause bleibe und arbeite, weil ich eingesperrt wurde, sondern weil ich das so will. So kann ich etwas dazu beitragen andere Menschen zu schützen. Denn wenn wir uns alle daran halten, geht die Krise schneller vorbei. Wir können damit Ärzten, den Menschen im Gesundheitswesen und vielen anderen, die gerade unter maximalem Einsatz arbeiten, helfen, das Ganze irgendwie zu bewältigen. Und wir schinden Zeit, Impfstoffe und Medikamente zu entwickeln. 

Wer nicht raus muss, der arbeitet im Homeoffice, So arbeitet wohl die halbe Schweiz seit dem Lock Down daheim. Doch ist Homeoffice lässig?

In vielen Telefon-Gesprächen heisst die erste Frage: «Sind Sie auch im Homeoffice?» Die Antwort schafft sofort Vertrauen. Früher wurde noch etwas über das Wetter geplauderte, heute wird über den Ausnahmezustand philosophiert. 

Work at home? Wie fühlt sich dies an? Dazu noch die “Ausgangssperre light”.

 
In der ersten Woche hatte ich gar keine Zeit darüber nachzudenken, da ein Teil meiner Arbeit war, mitzuhelfen unseren Betrieb auf Krisenmodus umzustellen und die Homeoffices zu organisieren. Mein eigenes Homeoffice war daher anfänglich nur auf mein Notebook beschränkt. Inzwischen stehen allerdings zwei Bildschirme und Drucker (um die analoge Welt zu bedienen) auf einem alten emotionslosen Bürotisch aus den 1990er. Die Kabel hingeworfen. Ein alter Besprechungsstuhl gibt mir Sitzgelegenheit. 

Und nun? Videokonferenzen, WhatsApp, E-Mail, Chat, DMS, usw. – alles bereits Alltag und für einen Teamworker grauenhaft. Effizient? Nicht wirklich! Alles braucht viel Zeit. Was man normalerweise kurz besprechen kann, braucht jetzt umständliche Mails, langatmige Chats oder sogar Videokonferenzen. Mit meinem ganzen Team habe ich Zeitfenster vereinbart, wo wir uns austauschen, die Arbeitsfortschritte, Lösungen und Planungen besprechen. Nach einem Tag brummt mir nur noch der Kopf, meistens geht es nicht unter 12 Stunden.

Bei mir selber beobachte ich inzwischen gewisse Verluderungstendenzen. Ich ziehe immer dieselbe Jeans an. Aber das gleiche beobachte ich bei meinen Kollegen und Kolleginnen an den schlecht ausgeleuchteten Videokonferenzen ebenfalls, die meisten erscheinen immer im gleichen Style. 

Immer mehr spüre ich wie Selbstmanagement in diesen Krisenzeiten für mich wichtiger wird. Noch habe ich keine Strukturen für mich gefunden, die Tage fressen mich zeitlich einfach auf. Nur ein mal habe ich es zu einem Spaziergang abends geschafft, aber so toll ist es nun auch nicht, wenn einem die Menschen auf dem Trottoir ausweichen und einen grossen Bogen um mich herum machen.

Soziale Distanz ist nicht toll, aber das Beste, was wir gerade tun können. Und bald kommt wohl das nächste Ding was ich mir nie vorstellen konnte: Treffe ich draussen auf andere Menschen heisst es wohl in Zukunft Maske auf! Aber auch das werde ich noch schaffen, wenn es dann zur Normalisierung beiträgt.

Bild: Skulptur «Turm» des Künstlers Stephan Balkenhol, Schloss Wolfsberg, Thurgau

Die männliche Figur mit schwarzer Hose und weissem Hemd ist für die Kunstwerke von Stefan Balkenhol typisch. Eine ähnliche Figur, allerdings viel berühmter, steht auf der „Balkenhol-Mozartkugel“ in Salzburg auf dem Kapitelplatz. (Sphaera)

Corona Weblog #4

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Silberstreifen am Horizont? Ab wann spürt man beim Marathon, dass das Ziel näher, vorallem erreichbar ist? Ist es möglich, dass bereits zwei Wochen nach dem Shut Down positive Resultate zu erkennen sind? Ja, ich glaube es gibt positive Zeichen – aber es ist als wie wir spürten, dass wir über den Berg kommen, aber den Berg noch vor uns haben.

.An einer der letzten Medienkonferenz spricht der Bundesrat Alain Berset zu den aktuellen Fallzahlen von einem «erwarteten Anstieg». Es sei «keine Explosion». Der unermüdliche “Krisenmanager” Daniel Koch, Leiter Abteilung Übertragbare Krankheiten, äussert sehr vorsichtig, man sehe einen Silberstreifen am Horizont.

Positiv für die Zukunft werte ich die Massnahmen in den Spitäler, im Bereich Bevölkerungsschutz und den gewaltigen Aktionen zur Stützung der Arbeitnehmer und der Wirtschaft. Für einmal wird den Kleinen geholfen. Dies gibt eine Basis um jetzt den Weg auf den Berg zu nehmen und einigermassen heil wieder runter zu kommen. Es ist kein 100-Meter-Lauf, sondern ein Marathon.

Die strengen Massnahmen wie „Selbstisolation“ und „Social Distancing“ müssen wir noch lange einhalten, selbst der 19.4. ist erst in drei Wochen. Und wir werden noch von viel Leid hören und spüren – in unserem Umfeld, im Land und in Europa. Die Einschläge kommen auch bei mir immer näher. Aber die Hoffnung und Zuversicht nimmt mir die Angst.

Angst? Ja, bei dieser Unsicherheit und Bedrohung verspüre ich Angst. Diese Angst ist für mich neu. Doch diese Angst scheint angebracht und wichtig zu sein. Meine Ängste zwangen mich in den letzten Tagen sofort auf die neue Situation zu fokussieren, mein Verhalten zu überdenken, mich schnell zu ändern und anzupassen. Angst, so erinnere ich mich, ist ein Reflex der hilft mich auf eine Bedrohung richtig einzustellen, mich zu wehren.

Meine Angst zu unterdrücken wäre falsch, genauso wie in Panik zu geraten. Aus dieser Angst heraus habe ich reagiert. Ein Schritt war indem ich für eine ganz kurze Zeit alles rund um mich herum gestoppt habe. Die Corona-Pandemie ausgeblendet und mir ein Time Out verpasste. Dabei habe ich versucht meine Angst zu verstehen und mir Wege überlegt wie ich meine Ohnmacht überwinden kann. Ich habe mich an die kleinen und grossen Katastrophen in meinem Leben erinnert und mir die Frage gestellt, wie bin ich dort mit meiner Angst umgegangen und wie aus diesen Situationen wieder raus gekommen?

Inzwischen konnte ich daraus eine gewisse Gelassenheit und Ruhe gewinnen sowie eine innere Zuversicht entwickeln. Zuversicht für die nächsten Schritte in diesem Marathon über den Berg.

Euch alles Gute und bleibt oder werdet wieder gesund!

Corona WebLog #3

Corona Weblog

Ab ins Nest! Aber wie niste ich mich ein? Das war so einer der Beschäftigungen in den letzten Tagen. Zuerst musste ich das Homeoffice einrichten. Besser gesagt zwei “Homeoffices”. Wir sind einmal davon ausgegangen, dass alles etwas länger geht, so sind Doppelbildschirm und Drucker inzwischen auch installiert. Und Wohnen? Je mehr man zu Hause ist, umso enger wird es. Also darum muss ich mich noch kümmern, dass mein Leben ein Stück Normalität behält. Klar gibt es im Moment wichtigeres, aber ich sollte auch meine eigenen Situation nicht ausser Betracht lassen.

Am Wochenende mussten wir unsere beiden Mütter überzeugen, nicht mehr aus dem Haus zu gehen. Während sich meine Mutter seit einigen Tagen sehr einsichtig zeigte und sich selber gut organisierte, war die Schwiegermutter, die gegen die 90 geht, dann schon etwas schwieriger. Oder besser gesagt wirklich richt schwierig. Die ganze Familie versuchte ihr klar zu machen, dass der so liebgewordene, täglich Einkauf im nahen Einkaufszentrum nicht mehr geht und sie eigentlich keine Chancen hat, würde sie sich infizieren. Meine Schwiegermutter ist für ihr Alter sehr fit, liest täglich die Zeitung und schaut sich die Tagesschau im Fernsehen an – sie verstand sogar diese Berichte und Bilder, auch die schlimmen Bilder. Aber den Bogen, dass es ihre eigene Welt ist, die aus den Fugen geraten ist, kann sie nicht mehr spannen. Munter verliess sie immer wieder das Haus. Sie habe schliesslich den Krieg auch überlebt. Alle Appelle der Familien haben nichts genützt. Am Sonntag wurde sie doch etwas einsichtig und wir konnten ein paar Dinge regeln. Aber irgendwie habe ich den Verdacht, jetzt geht sie einfach heimlich einkaufen.

Noch vor wenigen Tagen sagten ältere Leute über 70 oft, wenn mich das Corona trifft, dann ist es halt so, ich habe ja ein gutes Leben gelebt. Diese Sichtweise hat mich teilweise erschreckt, viele Ältere schauen nur auf sich und übersehen dabei dass ihr Krankheitsfall womöglich unnötig ein Spitalbett besetzt. Wenn ich diese Seite erklärt habe, hatte ich das Gefühl es wurde wenigstens darüber nachgedacht. Inzwischen verhalten sich die Menschen über 65 in meinem Umfeld sogar sehr vorbildlich, es ist ein riesiger Ruck durch alle gegangen. Vielleicht geht sogar meine Schwiegermutter irgendwann in Deckung. Hoffen wir es!

Natürlich sind dies alles ganz kleine Probleme, wir können uns zurückziehen, Abstand halten und versuchen uns nicht anzustecken. Dramatisch und beängstigend ist immer der Blick in die Spitäler. Und runter nach Italien, wo die Katastrophe kein Ende zu nehmen scheint.

Über dieser Krise schwebt, dass das Ende völlig offen ist. Gerne versuche ich ein Problem vom Ende her zu denken, scheitere aber hier kläglich am Versuch. Denn niemand weiss, wie lange die Einschränkungen dauern und in welchem Zustand ich, wir und mein Land sein werden, wenn die ganze Katastrophe vorbei ist. Und wie wird die Schweiz wieder rauf gefahren? Auch hier kann ich mir nur vorstellen, dass dies ganz langsam gehen könnte. Aber was weiss ich?

Zugegeben für mich sind es bisher Konzerte, Kinobesuche, kurze Ausflüge, stornierte Ferien und gemeinsame Essen, die abgesagt worden sind. Andere leisten da bereits unmenschlichen Einsatz in den Spitälern, einige mussten schon mitansehen wie einer ihrer Angehörigen einsam sterben musste.

Wie einfach ist es für mich dagegen mich auf eine wochenlange Selbstisolation einzulassen. Allerdings kommt es mir wie ein Experiment mit ungewissem Ausgang vor. Und meine Zukunft muss ich jetzt von Tag zu Tag nehmen. Und mich immer neu justieren.

Die Sache hat eigentlich gar nicht richtig begonnen, und wie wir sie alle durchstehen, davon haben ich keine Ahnung. Mit Zusammenhalt und Zuversicht werden wir die Coronakrise überstehen. Aufwachen werden wir allerdings in einer neuen Welt.

Titelbild: Ein stählerner Schiffsrumpf ragt aufrecht aus dem See nahe der
Schiffsanlegestelle Atlnau und ist Teil eines Kunstwerks, dessen Pendant auf Deutscher Seite im gegenüberliegenden Hagnau platziert wurde. Beide Segmente erheben sich sechs Meter in die Höhe und erinnern symbolisch an die letzte Seegfrörne im Jahr 1963.

Bild 2: Muscheln am Bodenseeufer
Bild 3: Deutschland hat die Grenzen zur Schweiz geschlossen, aus Angst vor Hamsterkäufern und infizierten Schweizern. Die deutsche Behörde hat inzwischen glücklicherweise die gestoppten und dringend benötigten Medizinalgüter, Schutzmasken, usw. frei gegeben und erlaubt, dass diese in die Schweiz eingeführt werden dürfen. Es würde mich nicht verwundern, wenn beide Seiten demnächst das Militär an den Grenzen auffahren lassen.
Bild 4: Bise über dem Bodensee

Bilder 23.3./24.3.2020

Corona Weblog #2

Corona Weblog

Noch Ende Februar fuhren wir gut gelaunt nach Basel um die tollen Bilder von Edward Hopper in der Fondation Beyeler zu bestaunen. Haben uns mit Freunden zum Abendessen getroffen, war ja schliesslich schon lange und vor der Corona-Krise geplant. Sind die Familie noch schnell besuchen gegangen. Heute, eine gefühlte Ewigkeit später, weiss ich, irgendwie hätte ich das vielleicht schon nicht mehr tun sollen. Und trotzdem bin ich froh darüber, es bleiben wohl die letzten Erinnerungen an das alte soziale Leben, was ich einfach so selbstverständlich hingenommen habe.

Der „Shut Down“ wurde erst vor drei Tagen von unseren Behörden verordnet. Seit Sonntag habe ich eigentlich nur gearbeitet, telefoniert, Mails oder WhatsApp geschrieben, organisiert und immer wieder die Nachrichtenlage gecheckt. Kaum geschlafen.

Denke gerade über eine kleine Begebenheit nach. Meine fitte 88 jährige Schwiegermutter fuhr noch Ende Februar abends mitten im Pendlerverkehr mit dem Zug in die Stadt um Kaffeekapseln zu kaufen. Wir haben uns kopfschüttelnd darüber amüsiert. Mich beschleicht das Gefühl, dass auch ich und vielleicht viele in meinem Umfeld die Phase «besondere Lage», welche der Bundesrat am 28. Februar 2020 ausrief, zu locker genommen haben. Obwohl wir eigentlich begriffen hatten worum es geht. So gesehen bin ich froh, dass unsere Regierung den „Shut Down“ ausgerufen hat. Damit wissen wir alle woran wir uns halten müssen. Und können ganz fest hoffen, dass es nicht zu spät ist.

Natürlich habe ich Ängste um die Gesellschaft, um uns, um die Wirtschaft, um die Firma für die ich arbeiten darf und es beschleichen mich Existenzängste. Doch wir sind alle betroffen, die ganze Schweiz, ganz Europa. Jetzt braucht es Kraft.

Vieles  ist so surreal. Draussen der Frühling, die Sonne. Gehe ich in den Supermarkt muss ich die Hände desinfizieren und bekomme eine Nummer in die Hand gedrückt – dann ist wieder alles wie im früheren Alltag. Die Gestelle sind voll, es ist alles da. Also fast alles.

Ich arbeite in einem Betrieb der im Moment – reduziert zwar – weiter läuft. Die meisten von uns haben das Homeoffice bezogen und die Zusammenarbeit funktioniert. Obwohl viel kommuniziert wird ist es gespenstisch. Ich habe noch das Privileg am Morgen im Betrieb zu arbeiten und kann hier auf dem Land das Auto für die Fahrt in die Firma nehmen. Im Betrieb ist es sehr ruhig, es ist nur noch hier, wer wirklich nicht ins Homeoffice kann. So sitzt vielleicht noch ein einzelner in den grossen Mehrplatz-Büros.

Am morgen öffne ich den Haupteingang und lasse dies weit offen – damit der Pöstler seine Post reinstellen kann. Er darf nicht mehr ins Haus kommen und schon gar keine Türklinken berühren. Er meldet laut “die Post ist da”, die Einschreiben unterzeichnet er gleich selbst. Aus grosser Distanz winken wir uns gegenseitig zu und wünschen uns einen schönen Tag!

Auch die Kaffeemaschine läuft noch – der Touch Screen wird regelmässig desinfiziert. Ich wasche mit zuerst die Hände und dann gibt es mal ein Kaffee. Doch kein Kollege schaut aus irgendeinem Büro und kommt dazu. Die “Kaffeemaschinen-Kommunikation” hatte bei uns Tradition. Ich will schon fast “früher” sagen. Da stehe ich nun zusammen mit der Kaffeemaschine und nehme einen Schluck vom Kaffee. Gehe zurück in mein Einzelbüro, wo ich normalerweise viele Besprechungen führe. Ich fange an zu telefonieren, fühle mich dabei ganz alleine, rundherum ist es ruhig. Ganz selten schaut mal ein Spartenchef herein und wir besprechen uns – in grosser Distanz. Meistens gehen wir sogar raus und besprechen uns auf dem Parkplatz.

Erst seit ein paar Tagen ist der “Shut Down” her und ich bin jetzt schon dankbar über diese wenige bis vor kurzem so selbstverständlichen Kontakte.

Nachmittags übernimmt dann meine Kollegin in der Firma quasi die Schicht und für mich heisst es dann “work at home”, zusammen mit meiner Frau die auch Homeoffice hat.

Blick aus meinem Homeoffice – die Berge scheinen aus einer anderen Welt!

Während ich hier drin über Anträge an die Behörden rumrätsle, scheint draussen die Sonne. Ich höre lachende Kinder, ein Grossvater spielt mit seinem Enkel Tischtennis. Gestern war das noch normal. Heute wirkt es surreal.

Das Unmöglich ist realistisch, das Undenkbare wird denkbar! Daher glaube ich, dass unser Bundesrat morgen die Massnahmen weiter verschärfen wird. Vielleicht fahren die Panzer unserer Armee für die totale Ausgangssperre noch nicht auf. Vielleicht kommt diese in abgeschwächter Form nur für Menschen über 65 Jahre, eher aber ein strengeres Versammlungsverbot, sicher aber neue Regeln auf Baustellen oder ein Baustellenstopp. Vielleicht wartet der Bundesrat das Wochenende ab und schaut, wie stark sich die Menschen in unserem Land zusammenreissen. Alles Spekulationen und diese sind in diesen Tagen gar nichts wert. Für den Samstag, dies ist fast schon eine erfreuliche Nachricht, ist Regen angekündigt.

Bleibt gelassen, handeln wir wie es der Bundesrat von uns verlangt. Und bleibt alle gesund, wo auch immer ihr seid!

Die Medienhäuser NZZ, CH Media, SRG, Ringier und TX Group, zu der auch 20 Minuten gehört, haben sich zusammengetan. Sie bitten die Schweizer Bevölkerung gemeinsam am 20. März um 12.30 Uhr 60 Sekunden lang innezuhalten und zu klatschen – auf dem Balkon, auf der Strasse oder wo auch immer Sie sind. Machen Sie mit und erzählen Sie Ihren Familien, Freunden und Kollegen davon. Ich mach mit!

Pflegerinnen und Pfleger, Ärzte und Ärztinnen oder ApothekerInnen und viele andere stehen zuvorderst an der Corona-Front. Sie helfen den schwer Erkrankten und geben tagtäglich alles, damit wir diese schwere Zeit möglichst gut überstehen und uns sicher fühlen.

Corona WebLog #1

Corona Weblog


Aufgrund der Corona-Krise habe ich mich entschieden meine vorbereiteten Posts aus der Timeline zu nehmen. Irgendwie passen die Themen und Reiseberichte nicht mehr in diese Zeit, die sich gerade so für uns alle ändert.

Aber wozu hat man einen Blog. Ich gehe damit zum Ursprung zurück und werde hier ein Art „Online-Logbuch“ führen – meine Beobachtungen über die Corona-Krise aufschreiben, meine Beobachtungen und meine Gefühle die meine übersichtliche Welt gerade sehr verändert.

Wie für alle von uns waren die letzten Tagen einschneidend. Unheimlich ist die Geschwindigkeit wie alles über uns rüberrollt. Noch am Freitagmorgen hatte ich im Geschäft mit unserem „Krisenstab“ zusammengesessen und unsere Massnahmen für die nächsten Wochen verabschiedet. Dann kam die Medienkonferenz des Bundesrates: Schulen wurden geschlossen, in Restaurants dürfen sich nicht mehr als 50 Personen aufhalten, usw. Gleichzeitig wurde verfügt alle Skigebiete in Graubünden zu schliessen. Damit waren meine geplanten Winterferien gerade den Bach runtergegangen, kurz darauf meldete sich auch das Hotel und teilte mit, dass es per sofort schliesst und meine Reservation annulliert. Wenigstens wurde mir die Entscheidung – gehe ich in die Ferien oder nicht – abgenommen.

Am Sonntag wird klar, die Coronavirus-Welle bricht über die Schweiz herein. Mit rund 800 Neuinfektionen gab der Bund einen sprunghaften Anstieg der Zahl der Fälle bekannt. So sahen wir uns im Geschäft gezwungen am Sonntag die Krisen-Massnahmen zu aktivieren. Ab ins Homeoffice wer immer auch kann und Umstellung des Betriebs auf „Krisenmodus“. Das ganze wurde dann am Abend mit der Mitteilung das Deutschland die Grenzen zur Schweiz dichtmacht noch so richtig abgerundet,.

Dabei ist Frühling draussen, die Vögel pfeifen, und die Natur erwacht und beginnt zu blühen; am Sonntag flanierten überraschend viele in Gruppen am Seeufer und genossen auf den Seeterrassen die Sonne. Und wir sollten drinnen bleiben?

Der heutige Montag war für mich ein anstrengender Organisations-Tag – aber ich darf in einem wunderbaren Team arbeiten – und wir realisierten innerhalb 24 Stunden den ganzen Krisenplan. Dies bedeutet, auch ich werde wie die meisten in unserem Team aus dem Homeoffice heraus agieren. Und so verabschiedete ich mich heute Abend von vielen Kollegen und Kolleginnen, die ich wohl für Wochen nicht mehr sehen werde.

Kaum etwas durchgeatmet kam heute Abend die nächste Medienkonferenz unseres Bundesrates:


Switzerland Shut Down*

Der Bundesrat erklärt eine ausserordentliche Lage (Notstand)


Nur in Umrissen weiss ich eigentlich, wie gefährlich uns der Corona Virus werden kann und wie lange die Krankheit uns beschäftigen wird. Epidemiologen warnen vor einer explosionsartigen Ausbreitung. Das machen die drastischen Eingriffe der Behörde in unsere Freiheiten unumgänglich. Trotzdem versuche ich gelassen zu bleiben und mich nicht in irrationalen Handlungen reintreiben zu lassen: ich räume in den Läden nicht die Regale leer, tätige keine Hamsterkäufe.

Ändern kann ich diesen Ausnahmezustand nicht, wohl aber meine Einstellung zu ihm. Ich kann die Herausforderung wie alle anderen Menschen täglich neu annehmen und das Beste daraus machen. Von Tag zu Tag. Wichtig dabei ist „Nicht empfangen und nicht weitergeben“! Also muss ich mich strikt an die Regeln halten!

*Switzerland Shut Down – was Menschen anderer Länder bereits kennen, trifft nun auch die Schweiz wie ein Hammerschlag. Der Bundesrat erklärt eine ausserordentliche Lage bis zum 19. April: Das öffentliche Leben wird auf ein absolutes Minimum heruntergefahren, alle Restaurants, Kinos, Museen oder Coiffeursalons müssen ihre Türen für Wochen schliessen. Die Corona-Epidemie, die noch vor wenigen Wochen eine ziemlich abstrakte Angelegenheit für die meisten war, hat nun massive Konsequenzen für den Alltag von uns allen.

Bild: Nebel am Sonntagmorgen über dem Seerhein mit Blick rüber nach Deutschland (Konstanz). Am Sonntag 15.3.2020 war Konstanz unsere schöne „Hauptstadt“ des Bodensee – jetzt ist diese für uns aus der Schweiz nicht mehr erreichbar und weit weg.