Mein erstes Nordlicht sah ich weiss, nicht grün …

Iceland, Nordlicht

Meine erste Erfahrung mit den Nordlichter war anders – anders als ich es erwartet hatte. Mein erstes „Nordlicht“, welches ich am Himmel über dem Eyjafjörður (Island) mit eigenem Auge sah, war ein schwacher, weisser, grauer Schleier am Himmel. Gleichzeitig hatte ich die Kamera schon in Position und wollte eigentlich nur eine Testaufnahme machen. Um so grösser war die Verblüffung, als das gleiche weissliche Nordlicht am Himmel auf dem Display der Kamera grün erschien.

Dieses Polarlicht war sicherlich von schwacher Natur. Das Icelandic Meteorological Office klassifizierte um diese Zeit ein Kp-Index von 2/3 für diese Gegend. Der Kp-Index ist auf einer Skala von 0 – 9 ein Gradmesser für die Stärke von Polarlichterscheinungen.

Noch in der gleichen Nacht, an welcher ich meine erste „Sichtung“ in Island hatte, habe ich versucht zu simulieren, was ich wirklich gesehen habe, was aus der Kamera raus kam und was ich in Lightroom (Fotobearbeitung) damit erreichen konnte.

Meine persönliche Wahrnehmung

So haben wir unsere erstes Nordlicht gesehen – ein weisser, grauer Schleier der hinter den Bergen hervor kam. Dieses Bild ist eine „Simulation“, denn die Kamera nimmt die Lichter immer grün auf. Ich habe dieses Bild auf Lightroom so lange bearbeitet, bis meine Frau und ich der Meinung waren, so etwa haben wir es mit dem eigenen Auge gesehen. Für uns war dieses wie auch spätere, stärkere Nordlichter nicht farbig. Erst auf den Lofoten (2016) hatten wir das Glück stärkere Polarlichter zu erleben, die wir beide in grünen, Pastell-Farben wahrgenommen haben.

Das Original (unbearbeitet) aus der Kamera.

Das unbearbeitete Original aus der Kamera (Nikon D7100, Nikon AF-S 14-24mm, f/2.8 G ED, 2.8, ISO 1250, 8 sek.) Warum die Kamera die Polarlichter grün, farbig aufzeichnet, ist dagegen einfacher erklärt. Das Nordlicht ist ein elektrisches Licht und wird vom Sensor korrekt, also farbig aufgenommen.

Foto in Ligthroom bearbeitet

Mit Lightroom (ähnlich wie Photoshop)  bearbeitet und die Nordlichter zum Leuchten gebracht, dabei habe ich nur die Regler Schwarz und Weiss verwendet, die Farben nicht verändert.

Heute ist klar, ich bin mit falschen Erwartungen in den Norden gereist. Erst nach einigen Sichtungen habe ich realisiert, dass nicht jeder die Polarlichter grün leuchtend wahr nehmen kann. Und ich dazu gehöre.

Die Erklärung für meine Wahrnehmung der Nordlichter als weisse, graue Lichtschleier ist schwierig. Eine Rolle spielt der Standort, das noch vorhandene Restlicht aus den umliegenden Siedlungen, die Intensität des Nordlichtes selber sowie allfälliger Mondschein. Ein Aspekt ist das eigene Sehvermögen. Ich habe in der Dämmerung und Nacht ein durchschnittliches Sehvermögen*, daher nehme ich erst bei stärkeren Lichterscheinungen leichte Farbtöne wahr.

Natürlich gibt es andere Nordland-Reisende, die wie ich die Nordlichterscheinungen „weiss-gräulich“ gesehen haben. Bei einigen ist es zu Enttäuschungen gekommen, da die Sichtungen nicht den gängigen Langzeitaufnahmen und Zeitraffer-Video entsprochen haben und diese sich mehr erhofft hatten.

Skandinavische Maler wie Harald Moltke (1871 – 1960) und Peder Balke (1804 – 1887) haben das Nordlicht „weiss – grau“ gemalt, interessanterweise in der Form sehr ähnlich wie ich diese erlebt habe.

Nordlicht von Harald Moltke (1871 – 1960)

Das Nordlicht ist ein Naturphänomen. Es erscheint nicht jede Nacht in voller Stärke und beleuchtet den Himmel mit einem gigantischen Feuerwerk. Meine Erfahrung ist, dass die Nordlichter eher in leichter und mittlerer Intensität regelmässig  erscheinen. Als Reisender hat man zudem nur ein kleines Zeitfenster, wo es schon Glück braucht, dass alle Faktoren (Wetter, Intensität, Standort, usw.) stimmen, damit man überhaupt eine Sichtung hat. Und man muss damit rechnen, dass man zu den Menschen gehört, die wie ich Nordlichter als grau, weisser Lichtschleier wahr nehmen.

Die Langzeitaufnahmen, die ich mit meiner Kamera aufgenommen haben, sind dagegen immer grün, bei einigen sind sogar rote Farbtöne dabei. Am PC habe ich die Nordlicht-Aufnahmen mit dem weiss/schwarz Regler noch etwas zum Leuchten gebracht. So gleichen sich meine Bilder in den Farben den gängigen Fotografien von Nordlichtern. Gesehen habe ich die Nordlichter in der Realität anders, aber meine Bilder drücken trotzdem die Faszination aus. Die tanzenden Lichterscheinungen, die vielen verschiedenen Formen, das plastische Licht – ein unglaubliches Erlebnis und Gefühl.

Polarlichter sind weiss

Nordlicht und Mond auf den Lofoten. Nordlichter sind auf Bilder anders. Zeigen trotzdem die Wirklichkeit. Der Mond wie auch das Restlicht war hier so stark, dass ich das Nordlicht mit eigenem Auge als weisser Schleier gesehen habe. Die Kamera sieht Dank der Langzeitaufnahme wie es wirklich ist und kann die „wahren“ Farben des Nordlichts mit dem des Mondes gut unterscheiden.  Am Schluss ist ein Bild entstanden, dass mich an ein tolles Erlebnis erinnert.

Und ich werde wieder an den Polarkreis reisen. Irgendwann. Demnächst. Vielleicht habe ich dann das Glück ein ganz starkes Nordlicht zu erleben.

Im nächsten Post gibt es ein Refresh zum Thema „Wo kann man Polarlichter beobachten …“. Zudem bereite ich noch ein „Best of“ vor, wo ich dann die Bilder für sich sprechen lasse.

Faszination Polarlicht by Michael’s Beers&Beans! Alle Berichte zum Nordlicht findest Du hier.

Einer der wenigen Artikel, der das Thema „weiss-graue“ Nordlichter beleuchtet, habe ich im Online-Magazin Aerotelegraph (4.3.2017, Laura Frommberg) gefunden: Wie sehen Nordlichter durchs Flugzeugfenster aus

Das verwendete Bild ist im Oktober 2015 auf Island entstanden, es handelt sich um meine erste Sichtung eines Polarlichts. (Bild by Michael’s Beers & Beans MSC)

 

*Das Sehvermögen in der Dämmerung und in der Nacht nimmt mit dem Alter auf natürliche Weise ab, daher sehen Jüngere das Nordlicht eher, also schneller grünlich.

Warum es hier eine neue Serie über Nordlichter gibt …

Iceland, Lofoten, Nordlicht

Mit grosser Vorfreude und leuchtend farbigen Fotografien im Kopf bin ich vor 3 Jahren nach Island zur „Nordlicht-Jagd“ gereist. Mit vielen tollen Eindrücken und Fotos bin ich wieder zurückgekommen – nur das Nordlicht, welches ich gesehen hatte, entsprach nicht meinen Erwartungen, nicht den bekannten grellen, grünen Polarlichtern. Ich erlebte keine flatternden Licht-Segel die sich wie Fahnen im Wind bewegten. Nordlichter, die ich mit eigenem Auge gesehen hatte, waren leuchtend weisse und graue „plastische“ Schleier.  Bei stärkeren Erscheinungen habe ich die Lichter grün-weisslich wahr genommen. In Island, letztes Jahr auf den Lofoten. 

Warum sind die Nordlichter auf meinen Fotos so knallig grün, warum hatte ich diese mit blossem Auge nur leuchtend weiss/grau mit einem Hauch von grün wahrgenommen? (Bild Michael’s Beers & Beans MSC)

Ich suchte in meinem Umfeld und im Internet nach Erklärungen, warum ich das Nordlicht weiss erlebt hatte. Was ich hörte und fand verarbeitete ich im Post „Wie Nordlichter wirklich aussehen…“. Dieser entstand in erster Line um zu verstehen, was ich da draussen in den Polarnächten gesehen hatte.

Dieser Eintrag dümpelte wenig angeklickt auf meinem Blog vor sich her. Vor kurzer Zeit änderte sich dies. Von Nordlicht Experten bekam ich Mails zu diesem Beitrag, die meine Aussage „Nordlichter sind weiss“ als falsch kritisierten. In einer „zweiten“ Welle von Mails zu diesem Eintrag wurde die schlechte Bildqualität (Rauschen), Formulierungen in den Texten sowie mein Sehvermögen beanstandet.

Durch diese Kritik erkannte ich meinen Fehler: Ich hatte meine persönliche Erfahrungen zu fest generalisiert,  versucht „pseudowisschenschaftlich“ zu verarbeiten. Und von diesem „Ur-Artikel“ zog sich dies wie ein roter Faden durch andere Posts über das Polarlicht weiter.

So kam ich zum Schluss, alle meine Posts über Polarlichter zu löschen. Ich werde ein Teil davon neu schreiben. Den Fokus auf die Fotos und meine persönlichen Erlebnisse legen.

Für mich bleibt die Tatsache, dass ich die Nordlichter weiss/grau, bei stärkeren Erscheinungen grünlich-weisslich (auch mal etwas rot) gesehen habe. Meine persönliche Wahrnehmung war weit weg von den leuchtenden, grünen Polarlichter auf den Fotos in den Reiseprospekten, von den tollen Lichtsegeln in den Zeitraffer-Videos. Und auch weit weg von meinen eigenen Fotos, die ich von Nordlichter gemacht habe.

Es war nie meine Absicht das Erlebnis „Nordlicht“, welches andere gemacht haben, herabzuwürdigen oder sogar in Frage zu stellen. Die Natur ist so grossartig, dass es Phänomene gibt, die man unterschiedlich wahr nimmt, wahr nehmen darf. Was für ein Erlebnis muss es sein, wenn man die Nordlichter leuchtend grün, farbig und flatternd wie in den Zeitraffer-Videos erleben kann, wenn schon die „weiss/grau“ Begegnungen so faszinierend ist?

Im nächsten Post zeige ich Euch anhand einer „Simulation“, wie ich mein erstes Nordlicht gesehen habe, was die Kamera aufgenommen hat und was ich mit der Bildbearbeitung zu Stande gebracht habe.

Ob weiss oder bunt, eines bleibt: die Nordlichter sind magisch und faszinierend!

Faszination Polarlicht by Michael’s Beers&Beans! Alle Berichte zum Nordlicht findest Du in Zukunft hier.

Die Sensoren der Digitalkamera „sehen“ das Nordlicht immer grün (etwas seltener rot, violett). Und es handelt sich um Langzeitaufnahmen. Meine Fotos von Polarlichter sind alle zwischen 4 – 20 sek belichtet worden. ( (Bild Michael’s Beers & Beans MSC, Nikon D7100, Nikon AF-S 14-24mm, f/2.8 G ED, 2.8, ISO 1250, 8 sek.)

Flammen am Himmel

Lofoten, Nordlicht, Photo&Lyric

Zwielicht im Westen
arktische Walküren
fragil
zart, weiss
suchend
nach den Furchtlosen

Aurora
Göttin der Dämmerung
bezaubernd
energetisch, plastisch
entraubend
meiner Rüstung

Flammen am Himmel
florierender Glanz
mystisch
pastell grün, rot
verschmelzend
mit Meins

Loch der Realität
transzendenter Tiefe
unergründlich
schwarz, atmosphärisch
wiederspiegelnd
parallele Zeiten und Welten

Mein heutiges SkriptFoto verbindet mein Lieblingsbild mit einem der intensivsten Nordlicht-Erlebnisse. Die Sonne war gerade untergegangen. Aus der Dämmerung heraus erschien hinter den Bergen allmählich die Aurora Borealis. Ein leichter grauer Schimmer wurde perlweiss, langsam stärker, konzentrierte seine Kraft. Entwickelte sich zum einem leicht glühenden Lichtbogen, statisch und stationär. Plastisch. Die Intensität zauberte ein zartes Grün und Rot an den Himmel. Ein Augenblick verharrend, um dann zu verschwinden.

Die Walküren beschenkten mich in dieser Nacht mit intensiven, sehr aktiven Polarlichtern. Voller senkrecht am Himmel stehenden Seidenvorhängen, die wie im leichten Wind schwingen. Zarten Farben und weissen, tanzenden Schleier.

In meiner Serie SkriptFoto poste ich ab und zu Fotografien, welche ich versuche mit „lyrischen“ Texten zu untermalen  – zum tiefer reinschauen, bildlich lesen oder einfach etwas nachfühlen.

Foto und Text by michael’s beers & beans
Bild Aurora Borealis (Nordlicht über den Lofoten, Lichtbogen in der Dämmerung), September 2016

 

Meine Berichte – zur Aurora Borealis, Nordlicht und Polarlichter inklusive Tipps zur Fotografie und Beobachtung findest Du hier: alle Posts zum Thema Nordlicht

 

Polarlichter – wo und wann kann man diese beobachten?

Iceland, Lofoten, Nordlicht, Norwegen

Diesen Post habe ich überarbeitet und neu gestaltet. Zur Frage „Polarlichter – wo kann man diese beobachten“ findest Du alles im Post „Wo man gute Orte für die Beobachtung von Nordlichter findet“.  (2015 – 2018)

Alle Posts über Nordlichter – auch wie diese wirklich aussehen und ob Nordlichter Geräusche von sich geben – findest Du hier: Faszination Polarlicht by Michael’s Beers&Beans!

 

Nordlichter – Foto by Michael’s Beers & Beans

 

Wie Nordlichter wirklich aussehen …

Nordlicht

Die ersten Polarlichter die ich gesehen haben waren weiss. Spätere Sichtungen waren leicht grünlich, aber kein Vergleich zu den tollen Fotografien und Zeitrafferaufnahmen, die ich vorher gesehen hatte. Was ich wirklich in Island gesehen habe, davon handelt der nachfolgende Post: Mein erstes Nordlicht sah ich weiss, nicht grün …

weisse Polarlichter

Faszination Nordlicht – aber habe ich die Nordlichter auch so gesehen, wie ich diese fotografiert habe?

Faszination Polarlicht by Michael’s Beers&Beans! Alle Berichte zum Nordlicht findest Du hier.