Healy Pass – der Gotthard von Irland

Ireland, Kerry, West Cork

Irland 2016 (1 von 1)-63Der Healy Pass sei so etwas wie der Gotthard von Irland, meinte schmunzelnd ein Ire. Sicherlich ein etwas grosser Vergleich. Der Healy Pass ist aber zweifelsfrei eine richtige Passstrasse und schlängelt sich durch eine unwirtliche Gegend. Und hinter dieser Passstrasse steht eine etwas merkwürdige Geschichte.

Der Healy Pass verbindet die Nord- und Südseite der Beara Halbinsel zwischen Lauragh und Adrigole. Eines zeichnet den Pass schon mal aus, meistens ist er in Wolken gehüllt. Es lohnt sich also hier gutes Wetter abzuwerten. Die Passhöhe ist in knapp 300m Höhe über dem Meeresspiegel, hier verläuft auch die Grenze zwischen den Counties Kerry und Cork.

Seinen Namen verdankt der 1847, zu Zeiten der Hungersnot, errichtete Pass einem Mr. Timothy Michael Healy. Er hatte als Generalgouverneur die Strassenverbindung durchgesetzt. Nach seinem Tod am 26. März 1931 wurde die neu gebaute Strasse nach ihm benannt.

Fährt man von Süden auf den Pass folgt kurz nach Adrigole ein spektakulärer Anstieg. Über viele schöne Serpentinen führt die enge Strasse bergauf. Wenn man wie ich viel in den Bergen unterwegs ist, ist diese Strasse keine grosse Herausforderung. Einfach sehr schön zu fahren. Zudem hat es wenig Verkehr, nur wenig Touristen oder irische Ausflügler verirren sich in diese Gegend. Aber vor diesen wenigen Touristen sollten man sich etwas in Acht nehmen, genau diese sind mit der Strasse schnell überfordert. Linksverkehr, Mietwagen, ungesicherte Stellen und enge Serpentinen – kann dann doch schnell alles zu viel werden.

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Im Gegensatz zu unseren Pässen in den Alpen, die meistens Handelswege waren, hat der Healy Pass ein etwas „morbider“ Hintergrund.  Der Pass folgt nämlich einem alten Weg, dem „Bealach Scairt“, über den man früher Verstorbene von einem Teil der Halbinsel zum anderen überführte. Die Prozession bewegte sich bis zur Passhöhe und man schob den Sarg dann dort über die Grenze. Eine Gruppe wartete auf der anderen Seite (also im anderen County), nahm den Verstorbenen in Empfang und trugen diesen dann auf der anderen Seite hinunter. Dieser Ort auf der Passhöhe  heisst heute „Flat Rock“.

Bei gutem (sichtigem) Wetter lohnt es sich auf der Passhöhe aufzuhalten, den Weitblick zu geniessen und einfach die wirkliche grossartige Landschaft auf sich wirken lassen. Oder von hier zu Fuss auf einen der umliegenden Berge aufzusteigen.

(Bilder 2016 / Refresh 2019)

A road trip from Cork to Kerry over the Healy Pass

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Etwas unter der Passhöhe hat es ein kleiner, alter Souvenirshop. Vermutlich einer der einsamsten Souveniershops in ganz Irland. Dieser wird von einem Einheimischen seit ewig geführt. Einfach mal rein gehen. Zudem hat der Mann immer eine Geschichte über die Gegend oder auch ein guten Tipp für die Besucher parat.

The foggy road to Sheep’s Head

Ireland, Irland, West Cork

Dicker Nebel lag über der herbstlichen Landschaft. Seit zwei Tagen. Undurchdringlich, selbst der Blick runter zum nahen Fluss blieb verwehrt. Die Landschaft hier an der Westküste von Irland schien sich aufzulösen. Ich schnappte mir die Kamera und ging raus in diesen Nebel, raus in die kalte, frische Luft. Schnell kam mir die Idee „typische, kleine irische Strassen“ im Nebel als Fotomotive zu suchen. Strassen isoliert vom Nebel, scheinbar ins nichts führend. 

Der Nebel machte die Welt heute Morgen hier draussen am Sheep’s Head, im äussersten Süd-Westen von Irland, klein.

An diesem Morgen hatten die Motive keine Alternativen. 

 

The foggy road to Sheep’s Head

 

 

 

 

Die Sheep’s Head Peninsula ist zusammen mit der Halbinsel des Mizen Head eine Landzunge, welche den südwestlichsten Teil Irlands bildet. Die Landschaft – bei schönem Wetter – ist beeindruckend. Viele Kunstschaffende haben sich hier niedergelassen oder kommen gerne auf die Halbinsel um zu schreiben, malen, skizzieren, dichten oder einfach um Inspiration zu finden. Der Sheep’s Head in West Cork ist abseits der Touristenströme und gehört für mich zum noch verbliebenen ursprünglichen Irland.

In meinem Blog findest Du einen Bericht über die Halbinsel Mizen Head, alle Posts über Irland findest Du hier.

 

Ein Sonntag im Herbst am Inchydoney Beach

Ireland, Irland, West Cork

Der erste grosse Herbststurm war vorüber. Der Herbst schon Nahe am Winter, es war kalt an diesem Sonntag. Ein Sonntag wie viele im Herbst in Irland. An einem solchen Sonntag machten wir es wie die Iren – wir fuhren zu einem „Sunday Lunch“ an die Küste. Der „Sunday Lunch“ gehört zum Life Style der Iren. Und wie es die Iren auch tun, sind wir nach dem „Sunday Roast“ an einem Strand noch etwas spazieren gegangen. 

Eine ruhige Atmosphäre begegnete uns am Inchydoney Beach, einer dieser vielen Strände, welche die Iren an einem Sonntag gerne besuchen. Einige Familien suchten Muscheln am Strand, die Jungen versuchten noch eine Welle für das Surfbrett zu finden. Andere spazierten gemütlich mit oder ohne Hund an der Wasserlinie entlang. Wir genossen den Anblick dieses wunderschönen Strandes, den Blick auf das Meer und beobachteten die Menschen, die hier ihren Sonntag so friedlich verbrachten.

Halt ein typischer Sonntag im Herbst am Inchydoney Beach, davon ein paar Impressionen:

Der schöne Inchydoney Beach liegt auf der gleichnamigen Insel, unweit vom Städtchen Clonakilty (West Cork) entfernt.

Weitere Berichte zu West Cork findest Du hier.

Picturebook „Dear Old Skibbereen“ (Teil II)

Ireland, Irland, West Cork

 

Der Titel „Old Dear Skibbereen“ meines Picturebook über Skibbereen kommt von einem alten irischen Volkslied, dass sich später zu einem Freiheitslied im irischen Unabhängigkeitskampf entwickelt hat. Dieser Song kommt nicht von ungefähr. Orte wie Skibbereen und Schull (County Cork) waren lange Zeit Synonyme für die gewaltige Grausamkeit mit der die Hungersnot zwischen 1845 und 1850 gewütet hat. Menschen krochen aus den umliegenden Gegenden zur Stadt, nur um dort an der Tür des örtlichen Workhouses (eine Art Auffangvorrichtung für Bettler) abgewiesen zu werden. Es mussten damals in diesem kleinen Ort über 10’000 Opfer beklagt werden.

‚ father dear, the day will come, when answer to the call
all Irish men of Freedom Stern, will rally one and all
ill be the man to lead the band, beneath the flag of green
loud and clear, well raise a cheer, remember Skibbereen

Fast 170 Jahre später erinnert nicht mehr viel daran. Und doch hat man das Gefühl hier im Ort weht dieser Song immer noch leise durch die Gassen.

Für den zweiten Teil meines Bilderbuches „Dear Old Skibbereen“ habe ich die „vergessenen Ecken“ in dieser kleinen Stadt, von denen es doch einige gibt, aufgespürt. Der graue Herbsttag verstärkte die Tristesse dieser Orte.

Teil 1 des Picturebook „Dear Old Skibbereen“ findest Du hier

Dear Old Skibbereen (II)

Bilder Herbst 2017

 

Nachtrag:

Für mich die schönste Version des Freiheitsliedes „Dear Old Skibbereen“ kommt von Sinead O’Connor, einfach mal rein hören:

Picturebook „Dear Old Skibbereen“

Ireland, Irland, West Cork

An einem grauen Herbsttag bei leichtem Nieselregen bin ich mit der Kamera durch die kleine irische Stadt Skibbereen (Co.Cork) gezogen. Auf der Fahrt hierher wurde im Autoradio zufällig das Volkslied „Dear Old Skibbereen“ des in Irland bekannten Folk-Sängers Luke Kelly (1940 – 1984) gespielt. 

O son, I loved my native land with energy and pride
‚Til a blight came o’er my crops, my sheep and cattle died
My rent and taxes were too high, I could not them redeem
And that’s the cruel reason that I left old Skibbereen.

„Dear Old Skibbereen“ ist ein traditionelles irisches Volkslied. Dieses Lied wurde in der Zeit um 1845, also in der Zeit der grossen irischen Hungersnot (Great Irish Famine) geschrieben. Im Lied erzählt ein Vater seinem Sohn warum er seine geliebte Heimatstadt Skibbereen in der Grafschaft Cork verlassen musste.

Während meines Foto-Streifzuges durch diesen Ort hatte ich den Song aus dem Autoradio immer im Ohr. Schnell war mir klar, „Dear Old Skibbereen“ muss als Titel für meinen Bilderbuch-Post über die Fassaden und „Lost-Places“ herhalten.

„Skibb“, wie die Einheimischen ihre Stadt gerne nennen, ist heute ein farbenfrohes und lebendiges Städtchen. An die Zeit der Hungersnot erinnert nichts mehr.

Im ersten Teil meines  Picturebook „Dear Old Skibbereen“ habe ich die für Irland typischen farbenfrohe Fassaden, hinter denen sich Pubs, Restaurants und Shops befinden, aufgespürt. Diese in Kontrast zum grauen Herbsttag, zum leichten Nieselregen gesetzt.

Dear Old Skibbereen (Teil 1) 

Bilder Herbst 2017

Tipp: Wer einmal in Skibbereen, West Cork ist, der sollte sich etwas Zeit für den Besuch der  „Great Irish Famine Exhibition“ nehmen. Dort wird die schreckliche Hungersnot in einem modernen Museum eindrücklich geschildert: Skibbereen Heritage Centre

Teil 2 Picturebook „Dear Old Skibbereen“ coming soon …

Irland alte Telefonkabine

Altes irisches Telefonhäuschen

Ireland, West Cork

Die grüne oder grün/weisse irische Telefonzelle gehörte noch lange zum alltäglichen Leben in Irland und war auf der ganzen Insel zu finden. Heute gibt es nur noch sehr wenige Exemplare.

Die erste irische Telefonzelle wurde 1925 in der Dawson Street in Dublin installiert. Das Design für die Telephone Box wurde „so gestaltet, dass sie ein ansprechendes Erscheinungsbild aufweisen und mit den umliegenden Gebäuden harmonieren“.

Die Popularität der Irish Telephone Box führte zu ihrer Installation auf der ganzen Insel. Gerade in Irland waren diese Telefonzellen von grosser Bedeutung. So konnten die nach Amerika ausgewanderten Kinder wenigstens kurz mit ihren zurückgelassenen Familien Verbindung aufnehmen.

Ab 2009 wurden fast alle ursprünglichen Telefonzellen demontiert und zerstört. Derzeit findet man nur noch ganz wenige dieser alten Telefonzellen, im Betrieb sind diese heute nicht mehr.

Dieses Exemplar steht in Castletownshend, einer kleinen irischen Ortschaft an der Südwestküste im County Cork.

 

The Sheel Seeker

Ireland, West Cork

Es hatte gestürmt in der Nacht hier an der Süd-Westküste von Irland. Gegen Morgen war der heulende Wind eingeschlafen, bei Sonnenaufgang lag noch alles im Dunst. Unten der Strand wie neu, frisch. Die Wellen rollten auf den Strand zu, brachen sich kurz vorher und bildeten Schaumkronen. Muscheln lagen vom Wind, den Wellen und dem Zufall verteilt auf dem Sand. Noch unberührt. Ein wunderschönes Sujet – mit der Kamera wurde ich zu einem Sheel Seeker, zu einem Muschelsucher.

Vorsichtig bewegte ich mich, damit keines der vom Sturm hinterlassenen Gebilde verändert wurde. Ich wollte bewusst die Muscheln fotografisch so erfassen, wie diese an diesem Morgen vom Sturm am Strand hinterlassen wurde. Die Austernfischer mit ihren roten Schnäbeln beäugten mich anfänglich ungläubig, liessen mich dann aber gewähren. Und so sind an diesem Morgen folgende Fotos entstanden.

May you always have a shell in your pocket and sand in your shoes (unbekannt)

Bilder: Strand in der Nähe von Crookhaven, Mizen Peninsula, WestCork, Ireland (2017)

Die Belagerung von Dunboy Castle

Irland, West Cork

Im zweiten Teil  erzähle ich Euch eine weitere Geschichte, welche sich hier an diesem romantischen, verlassenen Ort in der Bucht von Berehaven zugetragen hat. Im ersten Teil habe ich davon erzählt, dass am gleichen Ort sich in jüngster Zeit Finanz-Manager unglücklich machten, die das Gespensterschloss der Familie Puxley in ein heute leerstehendes Luxushotel umgewandelt haben. Doch schon 100 Jahre bevor mit dem Bau von Puxley Manor begonnen wurde, brachte dieser Ort einer weiteren Familie den Ruin. So erzähle ich die Geschichte der Familie O’Sullivan Bere, der Belagerung von Dunboy Castle und einer Flucht, die in Irland als heroisch gilt.

Dunboy Castle West Cork Ireland

Kaum ein Steinwurf vom Platz wo heute das Gespensterschloss Puxley Manor steht, wurde im 14. Jahrhundert mit dem Dunboy Castle ein wichtiger Stützpunkt aufgebaut. Von hier regierten der Clan der O’Sullivan Bere. Die Clan Chiefs kämpften über zwei Jahrhunderte gegen die Briten um ihre Freiheit. So auch Donal Cam O’Sullivan Bere, der 1601 die irischen Clans zusammenrufte. Diese Clans bliesen zusammen mit 4000 Spanischen Soldaten zum grossen Angriff gegen die Truppen von Königin Elisabeth I.  Der Angriff endete in einem Desaster. In der Schlacht von Kinsale wurden die Spanier und Iren vernichtend geschlagen. Der Rädelsfüher Donal Cam O’Sullivan Bere entkam und konnte zurück auf seine Festung Dunboy Castle fliehen. Die Engländer gaben nicht auf, verfolgten den Clan Chief bis in seine Heimat.

Dunboy Castle Ireland Castletownsberehaven

O’Sullivan Bere handelte strategisch. Er liess 143 seiner besten Leute zusammen mit einem erfahrenen Kommandanten auf der als unbesiegbar geltenden Befestigung zurück. Er selber zog sich rechtzeitig auf Dursey Island an der Südküste zurück.  Allerdings rechnete O’Sullivan Bere nicht, dass die Engländer über neue Kriegstechnik in Form von starken Kanonen verfügten. Damit beschossen die Engländer die Festung während 10 Tagen ununterbrochen und beschädigten diese schwer. Die Belagerten erkannten, dass der Sieg der Briten unabwendbar war. Das Kapitulationsangebot der Belagerten wurde abgelehnt – es kam zur grausamen Schlacht Mann gegen Mann. Am 18. Juni 1602 der Showdown: Die Briten stürmten die Festung. Der schwer verletzte Kommandant der Iren versuchte noch das Castle, sich und seine Leute in die Luft zu sprengen. Die Briten kamen ihm kurz zuvor. Die Überlebenden wurden sofort hingerichtet, keiner der 143 Iren überlebte.

Was von der Festung noch übrig war, wurde gesprengt. Geblieben sind die Überreste, welche man heute vor Ort noch besichtigen kann.

Einer fehlte noch –  Donal Cam O’Sullivan Bere! Die Engländer suchten ihn auf Dursey Island. Dieser konnte zusammen mit der Familie von der Insel fliehen. Die Briten waren so erzürnt, dass sie alle Männer der Insel in eine Kirche sperrten und sie darin lebendig verbrannten. Die Kampftruppen fesselten die Frauen und Kinder und warfen diese grauenvoll über die Klippen ins Meer.

Donal Cam O’Sullivan Bere versuchte sich zu Rächen und führte während einer kurzen Zeit einen aussichtslosen Guerilla Krieg gegen die Briten. Irgendwann musste er aufgeben. Im extrem kalten Winter des Jahres 1602 machte er sich mit seinen verbliebenen Truppen auf in den Norden, wo er auf Unterstützung der freien Clan Chiefs hoffte. Viele von der schweren Zeit gezeichneten Menschen schlossen sich den Soldaten des Clan Chiefs an. So versuchten über 1000 Menschen hungernd und frierend in den Norden zu kommen. Die meisten gaben unterwegs auf, so dass O’Sullivan Bere nur noch mit einer handvoll Begleiter im freien County Leitrim eintraf.

O’Sullivan Bere flüchtet weiter von Leitrim nach Spanien. In der spanischen Armee macht er schnell Karriere und wurde General. Im Jahr 1613 wurde er von einem Briten in Madrid getötet.

Donal Cam O’Sullivan Beare, Prince of Beare, 1st Count of Berehaven Bild by McCarthy, Montana (Public Domain, Wikipedia)

Damit endet einer der tragischsten Geschichte der irischen Geschichte. Es blieb vor allem die Belagerung von Dunboy Castle und „O’Sullivan Beare March“ in tiefer Erinnerung.

Heute kann man „O’Sullivan Beare March“  nachwandern. Irlands längster Wanderweg führt von der Beara-Halbinsel bis nach Blacklion in Co. Cavan. (The Beara Breifne Way)

Auch wer für Geschichte nicht viel übrig hat, der Besuch von Dunboy Castle lohnt sich. Es ist ein wunderschöner Ort und bietet eine herrliche Aussicht auf die Bucht und die gegenüberliegenden Bergen.

 

Berehaven West Cork Dunboy Castle Puxley

Quellen: Info-Tafeln vor Ort, Wikipedia (Neunjähriger Krieg, Irland)

Michael’s Beers & Beans ist ein Hobby-Blog und nicht kommerziell. Ich bin ein fotografischer Geschichtenerzähler, erzähle was ich auf einer Reise so aufgeschnappt habe. Dieser Post ist in Ergänzung zu meinen Bildern als Small Talk, Gedankenaustausch und Plauderei zu verstehen, hat daher weder den Anspruch vollständig, noch komplett aktuell zu sein. Alle Informationen sind ohne Gewährleistung auf Vollständigkeit und Richtigkeit. Um sich in ein solches Thema zu vertiefen, empfehle ich unbedingt weitere Quellen zu überprüfen.

Besuch / Bilder Herbst 2017

Puxley Manor – ein Geisterschloss wird nie ein Luxushotel

Irland, Kerry, West Cork

Auf der einsamen, irischen Halbinsel Beara etwas westlich von Castletown Bearhaven erzählen zwei Ruinen Geschichten von Schlossherren und korrupten Bankern. Hinter diesen Mauern verbergen sich Vermächtnisse von Macht und Untergang wie diese irgendwie typisch für Irland sind.

Ein Besuch der kleinen Bucht von Puxley Manor und dem Dunboy Castle lohnt sich – es erwartet einem eine schöne Natur mit einem herrlichen Ausblick auf die Bantry Bay und die Berge der Beara Halbinsel. Wenn man dann hier am Ufer steht und den herrlichen Blick geniesst, kann man sich fast nicht vorstellen, wie geschichtsträchtig dieser Ort ist. Hier beim Dunboy Castle oder etwas weiter vorne beim Puxley’s Manor.

Dieser Ort ist sehr geschichtsträchtig, was man bei dieser Idylle fast nicht glauben kann.

Als erstes erzähle ich etwas von Puxley Manor, einem Gespensterschloss, das ein Hotel hätte werden sollen und jetzt wieder ein Gespensterschloss ist. Ursprünglich gebaut von der Familie Puxley aus Wales, die hier in der Gegend Kupferminen aufbaute. Auf Boden der einmal einem irischen Clan gehörte, die von den Briten mit Gewalt verjagt worden waren. Später verzockten an gleicher Stelle einige irische Banker und Investoren sehr viel Geld. Geblieben ist das Gespensterschloss und ein verrottetes Schiffswrack.

Das neue Puxley Manor – zu 90% fertiggestelltes Luxushotel – brachte Banker und Spekulanten kein Glück. Seit 2010 gibt es keine News wie es mit dem 60 Millionen Euro teuren Bau weiter geht.

Kaum zu glauben, aber in jüngster Zeit wütete der Celtic Tiger an diesem abgelegenen Ort. Im Sog der irischen Hochkonjunktur, den man hier den Celtic Tiger nannte, traten übermütige Finanz-Manager auf den Plan. Diese hatten die glorreiche Idee die Ruine des Puxley Manor in ein 6* Luxushotel zu verwandeln. Spekulanten stellten über 60 Millionen Euro (!) zur Verfügung und der Plan wurde umgesetzt. Das Hotel war zu 90’% erstellt – dann kam die irische Finanzkrise, die sich in der Folge weltweit ausbreitete. Die sorglosen Banker und Finanz-Manager bekamen kalte Füsse. Man begann zu rechnen und erkannte erstaunliches. Hier draussen  auf der bergigen Beara Halbinsel* – weit weg von der Welt – kann ein Luxushotels unmöglich wirtschaftlich betrieben werden. Sie drehten darauf den Geldhahn zu, die Spekulanten verloren ihr Geld, einige fanden sich im Gefängnis wieder. Puxley Manor – inzwischen mit 58 Luxus-Suiten – verwandelte sich zurück, in das Geisterschloss, was es schon einmal war.

Abgeriegelt und unbewohnt – ein modernes Geisterschloss

Lange vor der Schnapsidee mit dem Hotel ruhte Puxley Manor Jahrzente als ausgebrannte, romantische Ruine vor sich hin. Viele Jahre ist es her, dass ich die Ruine besuchte. Ein tolles Fotomotiv, wenn das Abendlicht auf die Ruine traf. Der Zugang in die Ruine war einfach möglich. Man sah überall Brandspuren, verkohltes Holz. Und überall wuchsen Sträucher und Pflanzen aus den maroden Mauern.

Die Runine des Puxley Manor, „analog“ im Jahre 2001 aufgenommen

Ein Einheimischer hatte 1927 das Anwesen in einer Auktion gekauft. Er tat sein Bestes um das Land sowie das ausgebrannte Schloss in seinem Besitz zu halten. Irgendwann konnte er die Kosten für die Versicherung nicht mehr aufbringen – seine Träume von einer Restaurierung platzten. Im Jahre 1999 verscherbelte er das Anwesen.

Im Hafen des Schlosses liegt dieses alt Schiffswrack

Den wirkliche Niedergang des Schlosses  geht auf den irischen Unabhängigkeitskrieg in den 1920er Jahre zurück. Damals marschierte die IRA in dieser Gegend ein, verjagte die Schlossherren und nutzen eine kurze Zeit das Schloss als Militär-Quartier. Zum Gespensterschloss wurde es, als die IRA das Gebäude anzündete und es symbolisch niederbrannten.

Für die IRA und die leidende irische Bevölkerung war die Familie Puxley aus Wales – die Erbauer und Schlossherren – der Inbegriff des bösen Kapitalismus und der englischen Kolonialherrschaft. Und Puxley Manor ein verhasstes Symbol für Hungersnot und die Unterdrückung der irischen Bevölkerung.

Die Schlossherren waren berüchtigte Industrielle. Die Familie Puxley kam ca. 1730 an diesen Ort und bauten die Kupferminen in dieser Gegend auf. Man baute hier zuerst ein Haus, das Schloss selber wurde erst 1866/67 von „Copper John“ Puxley fertig gestellt. Und dabei spielte – genau gleich wie bei den Finanz-Managern – Geld keine Rolle. Aber anstatt Geldgeber auszunehmen, verdiente man das Geld in den eigenen Kupferminen, wo bis zu 1300 Arbeiter sklaven-ähnlich gehalten wurden. Den Bauern nahm man zudem die Ernte komplett ab. Während die Bevölkerung hungerten und starben,  entstand dieser protziger Bau, ein eigener Hafen in der Bucht und ein grosser Park.

William Lawrence postcard of Puxley Manor, circa early 1900s.

Die Familie Puxley baute ihre unbarmherzige Geldmaschine an einem Ort auf, die von der englischen Krone blutig erobert wurde. An einer Stelle also, an der damals ein hier ansässiger gälischer Clan vertrieben und ausgelöscht wurde.

Heute noch steht ein Steinwurf vom Gespensterschloss entfernt eine Ruine – die Ruine des Dunboy Castle. Im nächsten Teil erzähle ich Euch die Geschichte von Dunboy Castle – eine Geschichte von Belagerung, spanischen Krieger und einer Tragöde auf Dursey Island.

Puxley Manor Sullivan Mansion Hotel Luxus Dunboy Castle

Kurz hinter dem Puxley Manor findet man die Ruinen eines anderen Schlosses – die Ruinen des Dunboy Castle

Bilder: Michael’s Beers & Beans Herbst 2017

* Beara Peninsula

Auch heute noch ist die Beara Halbinsel nicht einfach zu erreichen. Von Dublin bis zur äussersten Spitze vor Dursey Island muss über 7 Stunden Fahrzeit eingerechnet werden.

Die zwischen der Bantry Bay und dem Kenmare River gelegene Halbinsel Beara ist ein Besuch wert. Steile, zerklüftete Klippen, viele vorgelagerte Schären und sanft ansteigende Wiesen sowie Steinmauern und Hecken bestimmen das Landschaftsbild. Die Luft, das Licht hier draussen ist einmalig. Die wunderschöne Küstenlinie und die malerischen Dörfchen bilden fast ein kleines Paradies.

Quellen: Wikipedia, Irish Times, http://www.apassportaffair.ch, mailonline.uk, usw.

Michael’s Beers & Beans ist ein Hobby-Blog und nicht kommerziell. Ich bin ein fotografischer Geschichtenerzähler, erzähle was ich auf einer Reise so aufgeschnappt habe. Dieser Post ist in Ergänzung zu meinen Bildern als Small Talk, Gedankenaustausch und Plauderei zu verstehen, hat daher weder den Anspruch vollständig, noch komplett aktuell zu sein. Alle Informationen sind ohne Gewährleistung auf Vollständigkeit und Richtigkeit. Um sich in ein solches Thema zu vertiefen, empfehle ich unbedingt weitere Quellen zu überprüfen.

 

Old Dirty Baltimore (2)

Ireland, West Cork

Die zweite Serie meiner „2 x 5-Bilder-Reise“ führt uns nochmals an verschiedene Motive im Hafen des kleinen Fischerortes Baltimore.

Im ersten Teil habe ich etwas über Baltimore in West Cork, einer der südlichsten Hafenorte der grünen Insel Irland, erzählt. Dieser Ort ist im Sommer bei den Iren ein beliebtes Ziel für ein Weekend oder einen längeren Urlaub.

Im Herbst ist der Ort verlassen, geprägt vom Fischerhafen und der Burg. Rund um den Hafen gibt es verfallene Häuser, die Werft hat schon seit Jahrzehnten geschlossen, aber auch eine kürzlich gebaute Hotelanlage ist bereits dem Verfall überlassen.

Im Hafen habe ich nach maroden Motiven gesucht, den grauen Nieselregen dabei bewusst in Kauf genommen. Das graue Licht sowie eine leichte Nachbearbeitung  in Lightroom (Weiss, Schwarz, Helligkeit) haben dann diesen Look hervorgebracht.

Den ersten Teil „Old Dirty Baltimore“ findest Du hier oder auch als „Gesamtwerk“  in einem „One Pager“  zum durchscrollen.

 

 

 

 

 

Onepager „Old Dirty Baltimore“

Die Bild-Serie ist auch als attraktiver One Pager verfügbar: http://www.beersandbeans.net/olddirtybaltimore