KI-Bildgeneratoren: Echtes Bild oder Täuschung?

Heutzutage kommt kaum ein Fotograf ohne Bildbearbeitung aus. Viele dieser Programme setzen schon längst auf Künstliche Intelligenz (KI). Aber sobald Bilder komplett KI-generiert sind, wachsen die Zweifel. Ich wollte wissen, wieso und habe einen Selbsttest gemacht: Wie setze ich als Blogger KI-Bilder ein und was ist überhaupt möglich? Eine Entdeckungstour mit Midjourney, einer der führenden KI-Bildgeneratoren. Entsteht ein echtes Bild oder Täuschung?

Anfang 2023 erprobte ich erstmals ChatGPT und verfasste beeindruckt einen Text mit dem Bot. Bilder zu generieren macht ich erste Schritte mit Adobes Firefly, richtig los ging es mit Midjourney. Ich stehe zwar bei Midjourney immer noch am Anfang, aber ich lerne stetig dazu.

Kurzer Rückblick: Meine Wurzeln liegen in der analogen Fotografie, die meine Reisen festhielt. Nach einer Pause wechselte ich als Amateur zur Digitalfotografie, habe aber nie über den privaten Gebrauch hinaus fotografiert. 

Nun „fotografiere“ ich auch mit dem KI-Generator Midjourney (aktuelle Version). Natürlich gibt es viele textbasierte Bildgeneratoren, aber aus meiner Sicht ist keiner so realistisch wie Midjourney. 

Momentan faszinieren mich vor allem atmosphärische Bilder, in denen Menschen vorkommen. Ich versuche, Landschaften aus eigenen Fotografien mit Personen natürlich zu vermischen. Dabei stosse ich oft an Grenzen, denn Midjourney hat mit Haaren, Augenbrauen, Haut, Hände und Füsse so seine Probleme, oft wollen diese nicht recht gelingen.

KI-Bildgeneratoren: Echtes Bild oder Täuschung?
In diesem Prozess versuchte ich, meinen eigenen Stil zu prägen, aber dies ist fast (noch) unmöglich. Letztendlich stellen sich die von Midjourney generierten Bilder als Kombinationen bereits existierender Elemente dar. Eigenständige Neuschöpfungen können nicht entstehen.

Hürden gibts auch sprachlicher Natur: Midjourney versteht amerikanisches Englisch; mein Englisch hingegen ist ziemlich “rosty”. Die Bedeutung von Wörtern und Sätzen ist oft mehrdeutig und bedeutet in verschiedenen Situationen etwas ganz anderes als die direkte Übersetzung. Komplexe Prompts lasse ich inzwischen von DeepL übersetzen, damit habe ich bisher die beste Erfahrung gemacht. 

Ein grosses Hindernis ist, dass ich keinen eigenen Stil entwickeln kann. Midjourney zaubert ständig neue Bilder – Weiterentwicklung ist schwierig. Aber ich lerne, die Interpretationen der KI zu verstehen, und sie wird laufend besser: Was gestern nicht funktionierte, klappt einige Tage später.

„Das ist doch nicht echt“ – stimmt, die KI-Fotografie unterscheidet sich stark. Aber meine Erfahrung als Hobbyfotograf fliesst ein, meine Kenntnisse über Licht und Perspektiven kann ich bestens nutzen. So wird der KI-Generator zu meiner „Kamera“.

Natürlich gibt es ethische Bedenken bei KI-Porträts. Aber theoretisch könnte ich auch mit Stift und Papier Fantasie-Porträts zeichnen. Ich gehe das Thema etwas naiv an und bin gespannt, was eine Schweizer KI-Verordnung einmal dazu sagen wird. Jedenfalls sorge ich dafür, dass die KI-Bilder, die ich in diesem Blog verwende, deutlich als solche gekennzeichnet sind. (siehe auch den Hinweis am Ende dieses Posts)

KI-Bildgeneratoren: Echtes Bild oder Täuschung?
Eine Bekannte von mir hat eine grosse Leidenschaft für das Puzzeln, was mich zu der Inspiration für dieses Bild geführt hat. Ich habe versucht, mithilfe künstlicher Intelligenz die Atmosphäre einzufangen und wiederzugeben.

Menschen fotografieren bedeutet heutzutage sehr viel formeller Aufwand – sei es im Studio, noch komplizierter wird es auf der Strasse. Gerade in der Street Photography könnte ich mir vorstellen, dass ich bei einer guten Strassenszene die “echten” Menschen durch KI-generierte Menschen ersetzen könnte, ohne dass ich das Flair dieser Fotografie verliere. Und gleichzeitig keine Persönlichkeitsrechte verletzte.

Aber keine Sorge, ich bleibe der „echten“ Fotografie treu. Ich widme mich sogar wieder der Analogfotografie – dazu später mehr. Das Handwerk der echten Fotografie wird bleiben, denn die KI-Generatoren können nur reproduzieren, aber keine Kreativität ersetzen, kein einmaliges Flair oder Gefühl einer Szene einfangen. Das bleibt dem wirklichen Fotografen vorbehalten.

KI-Bilder werden “als nicht echt“ kritisiert. Oft stelle ich aber fest, dass diese KritikerInnen gar nicht bemerken, dass sie selbst bereits Nutzer von KI sind. Und diese nicht in Frage stellen. Denn es ist ihnen nicht bewusst, wie viele unsichtbare KI sie bereits umgibt. 

KI-Bildgeneratoren: Echtes Bild oder Täuschung?
Ein Bild, das eine fiktive Künstlerin zeigt, wie sie vor einer ihrer eigenen malerischen Kreationen Platz genommen hat. Bei der Gestaltung dieses Szenarios legte ich besonderen Wert darauf, dass die Palette der im Gemälde verwendeten Farbtöne zugleich in der Erscheinung der Frau und in den Details ihrer Bekleidung zum Ausdruck kommen.

„Echt“ oder „unecht“? In der Fotografie war diese Frage stets komplex. Im Kern geht es um die Absichten des Fotografen, die Interpretation des Betrachters und die Möglichkeiten der Technik.

Zum Schluss: 2021 führte Nikon den „Content Authenticity Tag“ ein, der mit Blockchain-Technologie die Echtheit von Fotos verifiziert. Ausgerechnet KI könnte diese Technologie weiter vorantreiben und damit die Echtheit von Fotos verifizieren. 

Die KI in der Fotografie ist noch lange nicht am Ziel … und so freue ich mich, auf den nächsten Quantensprung bei den KI-Bildgeneratoren, da wird noch einiges möglich sein. 

Fotografieren ist nicht das Festhalten eines Moments, sondern das Erschaffen von ihm.
– Henri Cartier-Bresson

Ein Teil meiner aktuellen KI-Arbeit findest Du im Portfolio „Midjourney“ unter folgendem Link: https://beersandbeans.ch/portfolio/midjourney/

KI-Bildgeneratoren: Echtes Bild oder Täuschung?
Zum Titelbild: Diese Darstellung zeigt eine winterliche Szene aus Zürich. Sie basiert auf einem Schnappschuss, den ich mit einem Smartphone aufgenommen habe. Damit habe ich versucht der künstlichen Intelligenz die Stimmung zu trainieren. Dazu hatte ich die Idee, in meinem Werk Rot als dominierendes Element einzusetzen. Zugegebenermassen werde ich vermutlich keine Beachtung in der Welt der Modefotografie erlangen, doch der Versuch war es allemal wert.
Hinweis

Dieser Blogbeitrag enthält KI-Bilder welche durch Michael’s Beers &Beans (Michael Schneider), teilweise auf der Basis von Originalbilder (MSC), mittels Standard-Version © Midjourney im Jahre 2024 erstellt wurden. Die Bilder unterliegen den Nutzungsbedingungen von Midjourney: https://docs.midjourney.com/docs/privacy-policy.


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