Mein Sommer am See&Rhein
Liebe Leserinnen, liebe Leser,
Jetzt zum Schluss ist er doch gekommen, der Sommer- und ich bin mittendrin. Mein Sommer am See&Rhein. Ich sitze am Ufer von Konstanz und lasse meinen Blick über die unendliche Weite des Bodensees streifen. Hier, wo das Wasser mit der Versprechung kühler Erfrischung lockt, wo die majestätischen Bäume Schatten spenden und der Horizont in einer harmonischen Rhapsodie aus Blau-Grün-Blau leuchtet, zeigt sich der Sommer in seiner schönsten Form. Gemächlich ziehen kleine, weisse Wolken gen Osten, während ein Zeppelin leise brummend über uns schwebt. Unterhalb von mir passiert ein Rheinschiff die Hafenausfahrt, beide, das Luftschiff dort oben und das Rheinschiff hier unten, setzen ihren Kurs nach Schaffhausen in Bewegung.
Der diesjährige Sommer entfaltet sich als stetiges Wechselspiel aus Licht und Schatten, aus warmen Brisen und plötzlichen Regenschauern. Die Sonne, ein gütiger Maler, färbt die Landschaft in ein leuchtendes Grün und lässt die Wasseroberfläche glitzern wie tausend funkelnde Diamanten. Häufig erleben wir einen Szenenwechsel, wenn sich Wolken zusammenziehen – schwere, graue Vorboten des nächsten Sturms, der über den See hinwegzieht.
Heute jedoch suchen die Menschen am Ufer nochmals die Wärme des Spätsommers. Sie lauschen dem sanften Plätschern der Wellen, der Ruhe, die nur ein grosser See schenken kann. Segelboote gleiten majestätisch dahin, ihre weissen Segel schneiden durch den blauen Wind.

Ein Hauch von Melancholie
Über allem schwebt heute ein Hauch von Melancholie, ein leises Wissen um die Vergänglichkeit. Der Sommer, so strahlend er jetzt auch sein mag, muss bald dem Herbst und dem Winter weichen. Die Tage werden kürzer, die Nächte kühler.
Doch jetzt, in diesem kostbaren Augenblick, ist alles erfüllt von Leben, von der atemberaubenden Schönheit dieser Welt. So wie der See seine Ufer umschliesst, so umarmt der Sommer die Herzen der Menschen. Er schenkt uns Momente der Freude, der Leichtigkeit, des kostbaren Vergessens. Und wenn er dann geht, hinterlässt er in uns eine tiefe Sehnsucht, eine liebevolle Erinnerung an das Licht, an die Wärme, an das Leben selbst.
Mit meinen fotografischen Seemomenten möchte ich diese Erinnerungen an einen wechselvollen, aber dennoch wunderschönen Sommer einfangen. Ich möchte uns ins Bewusstsein rufen, dass wir die letzten warmen Tage auskosten sollten, um diese Zeit noch einmal mit all ihren Farben und Emotionen in uns aufzunehmen. Um nicht zu vergessen, dass am Ufer des Bodensees der Sommer am schönsten ist!
Liebe Grüsse

Meine See-Momente im Sommer
Sommer-Stimmungen






„Das Seltsame am Sommer ist, dass er so schnell vergeht.“
– Astrid Lindgren
Seenachtsfest



Das Seenachtsfest ist der Augenblick, wenn der Sommerabend mit einem atemberaubenden Sonnenuntergang über dem glitzernden Untersee endet, später dann in der Ferne das funkelnde Feuerwerk des Seenachtsfests in Konstanz und Kreuzlingen die tiefe Nacht erhellt. Die Luft ist durchzogen von Freude, melodischen Klängen und einer festlichen Stimmung, die die Herzen der Menschen höher schlagen lässt.
Am Thurgauer Ufer ist das Seenachtsfest das Ende der Sommerferien, und der Sommer wird bald nur noch eine kostbare Erinnerung sein. Familien und Freunde versammeln sich an den Ufern des Sees und feiern ein letztes Mal die Schönheit dieser Sommernacht. Ihre Augen leuchten vor Staunen, während die Feuerwerksraketen in den Himmel schiessen – zuerst von Kreuzlingen, dann von Konstanz – und der Nachthimmel sich in ein farbenfrohes Spektakel verwandelt.
Es ist ein Moment der tiefen Verbundenheit, in dem die Menschen rund um den Konstanzer Trichter im kleinen oder grossen Kreis zusammenkommt, um den Sommer mit einem bunten Feuerwerk der Emotionen zu verabschieden und die laue Nacht in vollen Zügen zu geniessen.
MS Hohentwiel – ein Hauch Nostalgie

Die MS Hohentwiel, ein Schaufelraddampfer aus dem Jahr 1913, gleitet vor Lindau majestätisch über den Bodensee. Als ältestes aktives Passagierschiff der Region erzählt sie Geschichten von vergangenen Zeiten, als Jugendstil und Dampfkraft die Welt bewegten. Ein lebendiges Museum und ein Zeugnis grosser Ingenieurskunst.
Und noch ein Schiff …

Der Bodensee ist nicht nur eine beliebte Touristenregion, sondern auch für seine Zeppelin-Rundflüge bekannt. Im Juli 2024 erlebten wir ein fast historisches Ereignis: Ein Zeppelin landete auf dem Konstanzer Flugplatz. Passagierflüge mit dem Zeppelin hatte es von der Konzilstadt aus bisher noch nie gegeben, obwohl Ferdinand Graf von Zeppelin, der Erfinder der Luftschiffe, hier im Juli 1838 geboren wurde. Anlass für die Sonderflüge am 20. Juli war unter anderem der 150. Geburtstag des Steigenberger Inselhotels. Denn auf der Dominikanerinsel erblickte der Luftschiff-Pionier das Licht der Welt, und sein Bruder, Eberhart von Zeppelin, war dort als Hotelier tätig.
Festival Sommer
Der Sommer 2024 am Bodensee war voller Erlebnisse für Kulturliebhaber, Musikfans und Naturbegeisterte. Besonders das Seenachtsfest in Konstanz, mit seinem spektakulären Feuerwerk, bot ein unvergessliches Erlebnis für die ganze Familie. Doch auch das Stars in Town Festival in Schaffhausen hatte seinen ganz eigenen Zauber. Dort erlebte ich ein umwerfendes Konzert von ELIF, das für mich zu den ganz grossen Highlights dieses Festivalsommers gehörte.
(ELIF ist eine deutsche Sängerin und Songwriterin mit türkischen Wurzeln, die für ihre gefühlvollen und authentischen Texte bekannt ist. Ihre Musik bewegt sich zwischen Pop und Rap und erzählt oft von persönlichen Erfahrungen, Liebe, Herzschmerz und dem Leben in Berlin. Mit ihrer kraftvollen Stimme und ihrer ehrlichen Art hat sie sich eine treue Fangemeinde aufgebaut.)
Gewittersommer

Die Schweiz wurde in diesem Sommer mehrfach von heftigen Unwettern heimgesucht. Bereits Anfang Juni lag der Pegel des Bodensees über der Hochwassergrenze. Zu diesem Zeitpunkt überschwemmte eine Schlammflut auch noch die Strassen von Berlingen TG sowie die umliegenden Gemeinden am Untersee, die von einem stationären Gewitter über dem Seerücken verursacht wurde, welches die Bäche zum Überlaufen brachte.
In der zweiten Junihälfte führten intensive Niederschläge und Gewitter dazu, dass Flüsse und Bäche, insbesondere im Tessin und im Wallis, stark anschwollen. Diese Überschwemmungen und Murgänge verursachten erhebliche Schäden an Siedlungen und Infrastrukturen, und bedauerlicherweise verloren mehrere Menschen ihr Leben. Ende Juli erlebte dann der Kanton Schaffhausen äusserst heftige Gewitter.
Im Laufe des Sommers zogen auch bei uns immer wieder Gewitter über den See, begleitet von ergiebigem Regen. Aber was war der Grund dafür? Die Antwort liegt in der vorherrschenden Wetterlage: In der Bodensee-Region dominierten vorwiegend Tiefdruckgebiete, während die Druckverteilung meist flach blieb. Stabile Hochdruckgebiete waren weitgehend abwesend, mit Ausnahme einer kurzen Phase Ende Juli und Mitte August.
Flachdrucklagen, die von Meteo Schweiz in diesem Sommer häufig erwähnt wurden, sind nicht zu unterschätzen. Durch die starke Sonneneinstrahlung im Sommer erwärmt sich der Boden erheblich. Die warme, leichte Luft steigt auf, kühlt dabei ab und kondensiert – was häufig zu Schauern und Gewittern führt. Oft handelt es sich dabei um langsam ziehende oder stationäre Gewitter, deren Gefährdungspotenzial besonders in der massiven Schauertätigkeit liegt.
Augustregen

„Augustregen: das Beste des Sommers ist vorbei und der neue Herbst noch nicht geboren. Eine seltsam durchwachsene Zeit.“ (Sylvia Plath)
Flip Flops

„Einige der besten Erinnerungen werden in Flip Flops gemacht.“ (Kellie Elmore)
Viele Vogelbeeren – kalter Winter


In Deutschland wird dieser Baum als „Eberesche“ bezeichnet, während er in der Schweiz eher als „Vogelbeere“ bekannt ist. Es handelt sich um einen Laubbaum, der bis zur Baumgrenze hinaufwächst, wo aufgrund des Schneedrucks normalerweise nur Nadelbäume gedeihen. In diesem Spätsommer tragen die Bäume auffällig viele Früchte, was auf einen langen, kalten Winter hindeutet. Die Vogelbeere könnte also genau das anzeigen, was moderne Meteorologen anhand ihrer Computermodelle noch nicht vorhersagen können: Uns steht eine eisig kalte Jahreszeit bevor, mit rekordverdächtigen Temperaturen im Februar und einem verspäteten Frühlingsbeginn. Eine alte Wetterregel besagt, dass reichlich Früchte an den Vogelbeerbäumen einen strengen Winter ankündigen. Genauigkeit dieser Prognose: gering!
Markttag

Der Regionalmarkt in Gottlieben fand in diesem Jahr an einem Wochenende Mitte August entlang des malerischen Seerheins statt. Besucher konnten eine vielfältige Auswahl regionaler Produkte, darunter Lebensmittel, Kunsthandwerk und andere Spezialitäten, entdecken. Der Markt erfreute sich grosser Beliebtheit und zog sowohl Einheimische als auch Touristen an. Lieder spielte das Wetter am zweiten Markttag nicht mit: Dauerregen!
Cabriofahrt der Rheinschiffe bei Hochwasser

Das Hochwasser stellte auch die Rheinschifffahrt vor grosse Herausforderungen. Eindrücklich wurde dies unter der alten Rheinbrücke in Konstanz sichtbar. Hier zeigten die Schiffe der Schweizerischen Schifffahrtsgesellschaft Untersee und Rhein (URh) ihre einzigartige Bauweise, die speziell für solche Situationen konzipiert wurde. Mit ihren niedrigen Aufbauten und faltbaren Elementen konnten die Boote die Höhe minimieren, sodass selbst bei erhöhtem Wasserstand die Passage unter der Brücke ungehindert möglich war.
Um die Sicherheit der Durchfahrt zu gewährleisten, musste beispielsweise die Führerkabine abgesenkt werden, so wurde etwa die MS Thurgau kurzfristig zu einem Cabrio. Für die Kapitäne dieser Schiffe verlangt die Fahrt auf dem Rhein und Untersee höchste Präzision. Es ist schon erstaunlich wie die Kapitäne ausgestattet mit einer grossen Erfahrung den Wasserstand und die teils starken Strömungen gekonnt einschätzen.
Die beeindruckenden Bilder dieser Szenen zeigen, wie nah das Wasser an der Brücke war und verdeutlichen die Herausforderungen, die die Kapitäne zu meistern hatten. Dank der aussergewöhnliche Konstruktion sowie dem Können der Kapitäne und der Crew sind die URh-Schiffe auch bei Hochwasser auf sicherer Fahrt zwischen Kreuzlingen und Schaffhausen.






Pegel Seerhein – ein Fazit zum Hochwasser-Sommer

Ein Fazit über das diesjährige Hochwasser ist für mich schwierig, ich wurde ja auch erst vor einigen Jahren hier im kleinen Dorf direkt am Seerhein „angeschwemmt“ und gelte daher noch als Neuling. Trotzdem möchte ich es versuchen.
Zu Beginn des Sommers erlebten wir ein ungewöhnlich heftiges Hochwasser am Bodensee und Seerhein. Die grossen Regenmengen, die zu dieser Zeit fielen, gerieten bereits in Vergessenheit, als Mitte August die Hitze hereinbrach. Noch Anfang August war das überdurchschnittlich hohe Wasser im Bodensee präsent, doch nur wenige Wochen später ist der Pegel um mehr als einen Meter gefallen – das ging schnell! Auch das scheint mir etwas ungewöhnlich.
Rückblickend gesehen erreichte der Bodensee Mitte Juni den höchsten Stand, zu einem Zeitpunkt als in den Alpen weiterhin überdurchschnittlich viel Schnee lag. Der Pegel sank zwar leicht, doch die Besorgnis der Fachleute war spürbar. Glücklicherweise entwickelte sich der feuchte Sommer nicht zu einem Regensommer, sodass das Hochwasser nicht an die Rekordwerte aus den Jahren 1999 und 1817 herankam.
Für mich war dieses Hochwasser nach meinen Beobachtungen durchaus überraschend. In den vergangenen Jahren haben wir festgestellt, dass der Schnee in den Alpen zunehmend schon im Winter schmilzt. Oft erlebten wir ungewöhnlich hohe Pegelstände im Winter, während im Sommer das Wasser fehlt und der See eher tiefe Wasserstände verzeichnete.
Aber es gilt: Keine Regel ohne Ausnahme – und dieses Jahr zeigt uns der Bodensee einmal mehr, wie unberechenbar die Natur sein kann.
Sunset-Moments

„Die Sommernacht ist wie eine Vollkommenheit der Gedanken.“
Wallace Stevens
Titelbild: Mein Sommer am See&Rhein …

Mein Sommer am See&Rhein
(Kursschiff der Schweizerischen Bodensee-Schifffahrt von Rorschach – nach Bregenz)
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Ganz tolle „Zusammenfassung“ des Sommers und ein paar bleibende gemeinsame Erinnerungen 🙂
Ganz herzlichen Dank dafür, der Sonnenuntergang im Vorwort ist unserer Erinnerung gewidmet …