2. Advent: Mit 60 spüre ich die Adventszeit anders

Mit 60 spüre ich die Adventszeit anders. Plötzlich merke ich, wie das Alter an mir nagt – oberflächlich an den Haaren. Der Winter zieht ein, bringt Kälte – und die Haare verabschieden sich still und heimlich. Wie Blätter, die der Herbst vergisst. Die Frisur kämpft noch, halbherzig, mit jugendlichem Trotz. Trifft man Menschen, die man lange nicht gesehen hat, denkt man schnell: «Ui, hier hat jemand ordentlich Federn gelassen.» Man glaubt, bei sich selbst sei noch alles in Ordnung. Bis einem klar wird, dass andere vermutlich dasselbe über einen denken. Haarausfall? Kein Drama, eher ein unmissverständliches Zeichen der Natur: «Lass los, es wird leichter.» Der vergebliche Kampf gegen die Glatze gleicht dem Versuch, Schneeflocken zu zählen – beides ziemlich sinnlos. Wer das mit Humor nimmt, gewinnt mehr Wärme – und behält sich die Würde.
Jeweils am Adventssonntag teile ich hier ein paar Gedanken zum Älterwerden – direkt und frisch aus dem Leben mit 60.
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