Die Unterstellung der Lifestyle-Teilzeit

Protokoll einer Teilpensionierung

Der Schweizer Arbeitgeberverband hat ein neues Wort gefunden. Es klingt modern. Es klingt leicht. Es ist eine Unterstellung. «Lifestyle-Teilzeit». 86’000 Vollzeitstellen, so rechnen sie vor, gingen verloren, weil wir Älteren lieber Freizeit geniessen.

Sie sprechen von «uns». Ich spreche von mir.

Ich blicke zurück auf die 1990er und 2000er Jahre. Als junger Manager sah ich Unternehmen, in denen kein einziger Mitarbeiter über 45 war. Es war die Zeit der «Jugend-Obsession». Man sprach von der «Halbwertszeit des Wissens». Wer älter war, galt technologisch als tot. «Optimierung der Altersstruktur» war das Wort, mit dem man ältere Kollegen aussortierte. Ich sah damals, wohin mein Weg führen würde.

Ich habe das nicht vergessen. Ich wusste: Auch ich werde zum Silver Worker. Eine Karriere bis 65 ist kein Naturgesetz. Wenn ich selbstbestimmt bleiben wollte, brauchte ich einen Plan B. Ich habe mich vorbereitet. Ich habe Vorsorge getroffen für den Tag, an dem das System mich ausspuckt.

Und jetzt? Jetzt wirft man mir vor, ich würde mich entziehen.

Die Wahrheit ist eine andere. Ich fade aus, ich arbeite nicht aus Lifestyle weiter. Ich bin hier, weil ich mir ein Modell geschaffen habe, das funktioniert. Ohne die toxische Erwartung, dass ein 60-Jähriger 60 Stunden die Woche leisten muss, um relevant zu sein.

Teilzeit ist keine Lifestyle-Entscheidung

Der Arbeitgeberverband begeht einen Fehler. Er verkennt die Realität. Er hat meine Generation dazu erzogen, mit dem Ausstieg zu rechnen, um nicht arbeitslos zu werden. Ich habe reagiert. Das ist keine Lifestyle-Entscheidung. Das ist eine ökonomische Reaktion auf den Arbeitsmarkt der letzten dreissig Jahre.

Der Verband hält an einem Bild fest, das nicht mehr existiert. Er definiert Leistung über Präsenzzeit. Er stört sich an der Generation Z. Er stört sich an mir. Er stört sich an allem, was nicht in sein Schema von «50 Stunden bis 75» passt. Das ist keine Innovation. Das ist Nostalgie.

Dabei liegt hier die Chance.

Statt Teilzeit zu diskreditieren, sollten Unternehmen sie begreifen. Ich bin die Brücke zwischen der alten und der neuen Arbeitswelt. Ich leiste, ich bin effizient. Ich bin ausgebildet. Ich bin motiviert – zu meinen Bedingungen.

Wer heute den Schritt in die Teilzeit wagt, leistet keinen Verzicht. Er leistet einen Beitrag. Er gestaltet den Übergang, anstatt sich ins Abseits drängen zu lassen.

Es ist keine «Lifestyle-Teilzeit». Es ist die Freiheit, die ich mir über Jahrzehnte erarbeitet habe

Quelle Schweizerischer Arbeitgeberverband: Teilzeit als Lifestyle? Das grösste Potenzial liegt bei 50 Plus – nicht bei der Gen Z

Michael's Beers & Beans – vom Blogbrewer gebraute Geschichten über das Älterwerden einer Wise Old Soul, während die Reisenotizen wie fein gemahlene Kaffeebohnen deren Aromen entfalten, die uns an wunderbare Orte erinnern. „Bier & Bohnen – Blogbrauerei & Reiserösterei!“


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