Thurgau – Reisenotizen: Die Fabrik der Blüten
The Brew
April. Der Himmel blau. Die Bise, angeschubst vom Bodensee, fegt über den Thurgau. Sie ist kalt. Die Kälte hält die Zeit an. Sie bremst den Verfall der Blüten. Sie konserviert den Blütenzauber, zögert das Ende kurz hinaus. Die Apfelbäume stehen in weisser Blüte. Die Dichte verklärt die Sicht. Nichts ist dauerhaft. Diese Erkenntnis begleitet den Gang durch das Bilderbuch. Es gibt keinen Lärm. Nur das starke Rauschen des Windes in den Kronen.
The Grit
Die Route. Von Amriswil, über Sommeri und Leimbach nach Sulgen. Kein Gebirge. Asphalt und Wirtschaftswege. Ungewöhnlich: Die gelben Markierungen der Schweizer Wanderwege sind lückenhaft. Hinweisschilder führen gelegentlich in die Irre. Ein Smartphone korrigiert den Fehler. Die Strecke ist flach, die Distanz ist die eigentliche Herausforderung.
Man wandert durch eine Kulturlandschaft. In Teilabschnitten durch eine blühende Fabrik. Die Bäume folgen keinem Zufall. Sie stehen in schnurgeraden Reihen, an Drahtseilen fixiert, auf maximale Ausbeute getrimmt. Ein auf Präzision ausgelegtes Raster.
The Note
Man wandert nicht für die sportliche Leistung. Man wandert für das Bild. Der Thurgau ist im Frühling kein gewöhnlicher Kanton. Er ist eine Kulisse. Der Eisweiher bei Amriswil markiert den Anfang. Ein industrielles Wasser als eigentlicher Höhepunkt.
Die Blüte ist eine flüchtige Inszenierung. Wer sie sehen will, muss zur richtigen Zeit da sein. Wer zu spät kommt, sieht nur Blätter. Die Natur fragt nicht nach Erlaubnis. Sie blüht einfach. Madame Bluescht gibt Auskunft über den aktuellen Stand der Blüte: +41 71 531 01 30. Man sollte anrufen, um den richtigen Moment nicht zu verpassen.
The Picturebook











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