Bonjour Tristess – Hallo Grau!
Die Welt um mich herum verblasst in einem Schleier aus Grau. Diese Nichtfarbe breitet sich unaufhaltsam in unserem Alltag aus und reflektiert ein Dasein, in dem sich keiner mehr festlegen möchte. Bonjour Tristess – Hallo Grau!
Heute entscheide ich mich für dieses Foto, um meine Gedanken in ein neues PhotoLyric zu formen. Das Bild zeigt Grau in all seinen Schattierungen und ruft Trostlosigkeit, Langeweile und Undeutlichkeit in mir hervor. Melancholie wird in mir geweckt.
Nullpunkt zwischen Weiss und Schwarz
In unseren Wohnvierteln wird fleissig renoviert oder neu gebaut. Der Trend bei Fassadenfarben: meist ein dunkles Grau! Vielleicht bleiben die Fassaden noch natursteingrau oder putzweiss, das im Winter ebenfalls grau wirkt. Werden Uferpromenaden hier am See saniert, dann irgendwo zwischen Staubgrau und Aschgrau. Jedes dritte neue Auto trägt die Farbe Grau – noch vor Schwarz! Viele dieser Autokäufer entscheiden sich nicht für Ascotgrau, Rauchgrau, Mondsteingrau oder Limestone Grey, sondern für RAL 7005 – Mausgrau! Ein Grau, das jegliches Leben verschluckt und keinen Glanz erstrahlen lässt. Dazu passt ein iPhone in „Space Grey“, der Bildschirm mit dunklen, grauen Elementen abgedunkelt. Wenn nicht schwarz, dann dominiert Beige, also gräuliches Braun und andere blasse Töne unsere Kleidung. In einer modernen Wohnung lebt es sich unter grauen Betondecken. Grau sind die Uniformen der Kriegshelden und Kriegsheldinnen.
Ein nahezu perfektes Grau schwankt im Nullpunkt zwischen Weiss und Schwarz. Diese Uneindeutigkeit breitet sich immer weiter und überall aus. Eine Farbe für die Unentschlossenen und Mutlosen, die in der Masse untergehen wollen? Könnte man meinen.
Die Autokratie wirft einen Schatten des Grauens
Wir folgen dem unsichtbaren grauen Faden unseres Lebens; Grau ist zum Paradox der farbenfrohen Gesellschaft geworden. In der Hoffnung zu strahlen haben wir alle Farben gemischt, doch am Ende bleibt uns nur ein dumpfer, bräunlicher Grauton.
Grau ist ein Statement unserer heutigen Gesellschaft, die sich im digitalen Zeitalter ständig optimiert und Schönheit als bedeutungslos abtut. Wenn das Licht absorbiert und nicht reflektiert wird, dann entsteht Grau. Im Schatten dieser Unfarbe stehen graue Eminenzen und milliardenschwere „Silver Ager“, die über unserer Gesellschaft thronen, unsere Gedanken eintönig indoktrinieren. Sie tragen ein graues Herz und präsentieren in elitärem Grau ihre Selbstherrlichkeit und narzisstische Verachtung. Ihr Ziel ist es, einem Teil der Menschen ihren tiefsten Wunsch nach einem grauen, monotonen autokratischen Leben zu erfüllen und es dem widerspenstigen Rest grausam aufzudrücken.
Das Gegenteil von Grau ist bunt. Bunt war einmal die Freiheit. Und bunt war anstrengend.
Der 24. Februar 2022 markierte den Beginn einer bedrückenden und tragischen neuen Ära in Europa. Seit zwei Jahren tobt ein Krieg in der Ukraine, in dem Russland versucht, das Land zu entwaffnen und den Ukrainer und Ukrainerinnen seine eigene, monotone Lebensweise aufzuzwingen oder sie zu vernichten. Millionen von Russen und Russinnen kämpfen an der Seite ihres Präsidenten um die autokratische Herrschaft in Europa, um die endgültige Erstickung des farbigen, westlichen Lebensstils. Befindet sich das graue Herz Russlands am Anfang eines erbarmungslosen Eroberungszugs quer durch Europa in Richtung Westen?
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