Auszeit dazwischen – Probezeit im Ruhestand
Ein Protokoll der Teilpensionierung
Die Fähre ist gebucht. Die Vorbereitungen laufen. Anfang Sommer werde ich meine Welt für drei Monate gegen das Reisemobil tauschen. Island ist das Ziel. Es ist keine Urlaubsreise, wie wir sie früher kannten – es ist eine Zäsur, ein dreimonatiges Experiment. Dank einer vereinbarten Jahresarbeitszeit ist dieser Spielraum entstanden. Ich werde zwar wöchentlich einige Stunden remote arbeiten, aber der Kern ist die Auszeit.
Das Labor auf vier Rädern
Ich betrachte diese Reise als einen Eignungstest. Wir verlassen das Hamsterrad, um im Kleinen zu sehen, was im Großen möglich ist. Werden wir uns in der Enge des Reisemobils verstehen? Wie belastbar ist unsere Partnerschaft, wenn wir 24 Stunden am Tag ohne den Puffer des Berufsalltags aufeinandertreffen? Island ist unser Labor. Bestehen wir diesen Test, öffnen sich Horizonte: die Türkei, Kanada, Alaska – vielleicht Afrika.
Es ist aber auch ein Test für das, was ich zurücklasse. Ich habe das Geschäft über Jahrzehnte mitgeprägt. Jetzt muss sich zeigen, ob die Nachfolge-Strukturen halten. Ich ziehe mich zurück – nicht, weil ich muss, sondern um zu sehen, ob das System ohne mich funktioniert. Es ist der ultimative Beweis für die Qualität der Arbeit, die ich in den letzten Jahren geleistet habe. Wenn es läuft, kann ich loslassen. Wenn es stockt, weiss ich, wo ich nachbessern muss.
Die Suche nach dem neuen Sehen
Ich nehme Zeit mit. Zeit für meine Partnerin, Zeit für die Fotografie. Das ist ein wichtiger Teil dieses Experiments. Ich will meinen Horizont nicht nur geografisch erweitern, sondern auch ästhetisch. Im Alltag war oft kein Platz für das bewusste Sehen. Die Fotografie zwingt mich dazu, innezuhalten, das Licht zu analysieren, den Moment zu isolieren. Es ist ein Kontrastprogramm zum getakteten Business-Leben – eine Übung in Langsamkeit.
Der Aufbruch
In wenigen Wochen geht es los. Wir lassen die gewohnten Routinen hinter uns. Es ist das erste Mal seit Langem, dass ich keine klare Zielvorgabe für diese Monate habe – ausser der, herauszufinden, wer wir sind, wenn die äusseren Zwänge wegfallen. Es ist ein Aufbruch in ein Territorium, das auf keiner Karte verzeichnet ist.
Was wird uns dort erwarten? Wo liegen die Klippen? Wird es gelingen, das Hamsterrad dauerhaft gegen eine neue Freiheit einzutauschen? Ich weiss es nicht. Ich werde sehen, ob das Experiment hält, was es verspricht. Vielleicht werde ich von diesem Testlauf berichten. Vielleicht schweige ich auch und lasse nur die Bilder sprechen. Das Ergebnis bleibt offen – ebenso wie der Weg, der vor uns liegt.
Wer an diesem „Experiment“ teilhaben will, kann uns begleiten. Ich habe ein Logbuch angelegt: Island & Beyond. Es ist ein „Living-Post“, ein Reise-Ticker, den ich während der drei Monate ständig aktualisiere. Dort teile ich weniger das Konzept „Auszeit“, sondern fotografische Reisenotizen aus Island. Es wird nicht einfach eine Reise in ein anderes Land, sondern eine Reise auf einen anderen Planeten: https://beersandbeans.ch/logbuch-island-beyond/.
Was auf dem Ticker erscheint, entscheidet sich unterwegs. Das Eigentliche bleibt der Unwägbarkeit der Reise überlassen.
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Gute Reise, Begegnungen, Eindrücke und Reflexionen !
Vielen herzlichen Dank, langsam kommt etwas Nervosität auf 😉 LG Michael