Logbuch: Island & Beyond
Ein Living-Post. Unser Reise-Ticker – ständig aktualisiert.
Der Vorruhestand ist kein Ende, sondern ein Wendepunkt. Wir beginnen ihn nicht mit dem Ausruhen, sondern mit dem Aufbrechen. Drei Monate Island. Im Sommer 2026 geht es los.
Doch dieser Sommer ist erst der Prolog. Island bildet den Auftakt für eine Reihe langer Reisen zu Horizonten, für die bisher die Zeit fehlte. Es ist der Beginn einer neuen Art zu leben.
Dieses Logbuch dokumentiert den Weg, die Vorbereitungen und das, was folgt. Die Chronologie ist umgekehrt: Das Neueste steht immer oben.
Eintrag #6: Das Erwachen
+++ 29. April 2026
Der Winterschlaf endet. Es ist ein ritueller Akt: Wasserfilter reinigen, Ventile schliessen, Elasi sichern, den Entleerungsstopfen der Aussendusche einsetzen. Fahrzeug und Solar-Panel vom Winterstaub befreien. Die Technik verlangt Aufmerksamkeit, bevor sie uns wieder trägt.
Wir sind zurück beim Reisemobil-Spezialisten Tartaruga AG. Ein Marder hat im Winterlager seine Spuren hinterlassen – der Schutz des Motorraums ist nun unvermeidlich. Wir investieren weiter in Sicherheit: HEOSafe-Türsicherungen für Fahrer- und Beifahrertür. Die Fahrerkabine ist die Schwachstelle; der Wohnraum im Bimobil gleicht dagegen einem Safe. Und wir montieren ein Verdunklungsrollo für den Dachventilator. In Island wird es 24 Stunden taghell sein. Schlaf braucht Dunkelheit.
Die wichtigste Änderung: BF-Goodrich All Terrain. Wir tauschen Komfort gegen Traktion. Wir kennen diese Reifen im Gelände, doch wie verhält sich das Profil auf dem Asphalt? Ein Experiment. Wir sind skeptisch und lagern die Winterreifen vorerst ein.
Das Bimobil ist bereit. Anfangs Mai führt uns ein zweiwöchiger Testlauf nach Tschechien. Theorie und Praxis müssen sich dort beweisen. Es bleibt nur noch das Einräumen: Bettdecken, Vorräte, der Hausstand auf wenigen Quadratmetern.
Eintrag #5: Die Kunst des Scheiterns (vermeiden)
+++ 12. April 2026
Schwäbische Alb. Hochsommer 2025. Man denkt an sanfte Hügel, doch unter den Reifen unseres Bimobils fühlt es sich anders an. Offroad-Training. Es geht nicht um Geschwindigkeit. Es geht um Zentimeter, um Neigungswinkel und das Vertrauen in die Technik. Wer die Welt abseits des Asphalts entdecken will, muss erst lernen, sein Fahrzeug im Dreck zu lesen. Wir sind bereit für die Pisten dieser Welt.

Eintrag #4: Vom Stillstand in die Bewegung
+++ 2. April 2026
November 2024. Die Übergabe. Unser Abenteuer-Reisemobil mit Allradantrieb, aber noch ohne Geschichte. Wir stellten es direkt ins Winterlager – Vorfreude ist eine stille Disziplin. Dann ab dem Frühling 2025: Sempachersee, Dänemark, das Engadin. Schliesslich Korsika. Mit jedem Kilometer schrumpft die Ehrfurcht vor der Grösse des Wagens, und das Gefühl von Freiheit wächst.

Eintrag #3: Das Warten oder: Die Ungewissheit
+++ 31. März 2026
Ein Fahrzeug zu konfigurieren bedeutet, Entscheidungen über ein zukünftiges Reise-Leben zu treffen. Jedes Gramm zählt, wenn man unter der 3.5-Tonnen-Grenze bleiben will. Bestellt im Oktober 2021. Lieferzeit: 18 Monate. Dachten wir.
Dann kam die Welt dazwischen. Pandemie, der blockierte Suezkanal, der Krieg in der Ukraine. Kabelbäume fehlten, Komponenten blieben aus. Im September 2023 die Nachricht vom Händler, die alles infrage stellte:
Die Lage: Mercedes konnte keine Liefertermine für das 4×4-Chassis mehr nennen. Die Nachfrage von Blaulichtorganisationen und Militär überstieg die Kapazitäten bei weitem. Der neue Allradantrieb war zu gut, zu begehrt. Für uns bedeutete das: Stillstand auf unbestimmte Zeit. Vielleicht Monate, vielleicht Jahre.
Wir hingen in der Luft. Plan B wurde diskutiert, Alternativen verworfen. Doch Bimobil kämpfte. Ein freies Kontingent wurde gefunden. Wir hatten plötzlich ein Fahrzeug. Ein kleiner Triumph der Hartnäckigkeit. Im November 2024 – drei Jahre nach der Bestellung – geschah das Unerwartete: Das Fahrzeug wurde an uns ausgeliefert.

Eintrag #2: Die Wahl des Werkzeugs
+++ 25. März 2026
Nachdem feststand, dass wir reisen würden, kam die Frage nach dem Wie. Die Suche nach dem richtigen Gefährten ist ein Prozess des Ausschlusses. Wir prüften Aufsetzkabinen, klassische Reisemobile und Offroad-Vans. Am Ende blieb das Bimobil EX 366.
Ein Reisemobil ist für uns kein Wohnzimmer auf Rädern. Es ist ein Werkzeug für den Horizont. Ein Schweizer Taschenmesser aus Aluminium-Sandwich. Unsere Wahl fiel aus drei Gründen auf dieses Fahrzeug:
- Wo Standard-Camper an ihre Grenzen stossen, fängt der EX 366 an. Wir wollten kein GFK und keine Holz-Fachwerke, sondern eine verwindungssteife Kabine, die Schläge einsteckt.
- Es sind nicht nur der Allradantrieb und die Bodenfreiheit, die über das Vorwärtskommen entscheiden. Es sind die Winkel. Der abgeschrägte Heckabschluss ist kein Design-Element; er ist die Versicherung, an steilen Fährrampen oder in Dünen nicht hängenzubleiben. Und die Wattiefe gibt uns die Freiheit, dort weiterzufahren, wo Brücken fehlen und Flüsse den Weg diktieren.
- Ein Kastenwagen ist immer ein Kompromiss aus gewölbten Wänden und verlorener Isolierung. Das Bimobil ist ein Bekenntnis zum Raum. Senkrechte Wände, echte Winterfestigkeit bis -20°C.
Es war keine Entscheidung für ein Auto. Es war die Entscheidung für die Unabhängigkeit.

Eintrag #1: Die Idee einer langen Reise
+++ 24. März 2026
Island war immer nur ein kurzes Gastspiel. Zehn Tage hier, zwei Wochen dort. Seit den 1980er Jahren liess uns die Insel nicht los. Irgendwann die Entscheidung: Der Vorruhestand wird nicht im Sessel, sondern im Norden beginnen. Drei Monate auf Island. Ein ganzer Sommer.
Doch diese drei Monate sind erst der Prolog. Island ist der Startpunkt für eine Reihe langer Reisen, ein Aufbruch zu neuen Horizonten, für die bisher die Zeit fehlte. Es geht nicht um einen Urlaub, sondern um eine neue Art zu leben.
Heute laufen die Vorbereitungen. Dieser Ticker ist der Anfang einer Reise, die eigentlich schon vor Jahren in unseren Köpfen begann.
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