Ein Roadtrip ist keine Reise
Es gibt Reisen. Und es gibt Roadtrips. Der Unterschied liegt nicht im Fortbewegungsmittel, es muss nur für die Strasse taugen. Denn die Strasse ist die Zutat für einen Roadtrip. Wie das Unterwegssein. Aus einer physischen Bewegung entsteht eine Erzählung, die Unabhängigkeit, Selbstbestimmung, Flucht und die Entdeckung des Unbekannten verklärt. Ein Roadtrip ist keine Reise, ein Roadtrip ist die Selbstentdeckung auf der Strasse.
Ich stamme aus einer Zeit, als der Hauch der GT-Autos noch präsent, als der Begriff GT noch kein Marketinginstrument war. Die 1970er-Jahre haben mich als Kind geprägt. Drei Dinge: Benzin im Blut, die kultigen GT-Autos und die grosse Sehnsucht nach Roadtrips.
Der Petrolhead bin ich geblieben, obwohl auch bei mir die Einsicht kommt, dass Strom die Zukunft ist. Die ikonischen GT-Autos aus den 1970ern wie der Citroën SM, Datsun 240 Z oder den unerreichbaren Mercedes-Benz SL sind schon sehr lange auf unseren Strassen verschwunden, ersetzt durch unförmige SUVs mit militärischem Design.

Geblieben ist aber meine Sehnsucht nach Roadtrips. Immer wieder. Romantisiert auf unendliche Weise, verbunden mit Freiheit, Entdeckung und Selbstreflexion.
Erkannt habe ich schon lange, dass es für einen Roadtrip kein typisches Auto, streng genommen gar kein Auto braucht. Sondern eine Strasse, eine offene Strasse. Szenische Landschaft, die auch urban sein kann. Unvorhersehbarkeit in der Reise. Bewegung.
Zugegeben, ein Roadtrip funktioniert für mich nur auf der Strasse. Und es braucht etwas, was sich darauf bewegen kann. Das Unterwegssein an sich gehört beim Roadtrip zum Ziel. Eine Reise ist kein Roadtrip, aber jede Reise kann zu einem Roadtrip werden.

Eine Beifahrerin, die ich liebe …
Für mich gehört eine Beifahrerin zu meinem Roadtrip – jemand, den ich liebe. Als Single kann ich mir einen Roadtrip nicht vorstellen. Zwei Menschen, eingeschlossen in begrenzten Raumverhältnissen, verstrickt in zwischenmenschliche Beziehungen, während wir durch die Zeit fahren, Dialoge führen oder schweigen, den Blick auf die Strasse gerichtet.
Bei uns gibt es Rollentausch. Als Beifahrer übernehme ich Aufgaben wie Navi programmieren, Radiosender wechseln und die Verpflegung. Eine Roadtrip-Playlist gibt es nicht, Radio ist essenziell. Meine Frau und ich sind ein altes Paar und wir erinnern uns anhand von Songtiteln aus dem Radio, kaum ist der Roadtrip zu Ende, schwingt schon die Sehnsucht nach der untergegangenen Zeit. Die Musik klingt nach – irgendein Song. Der bleibt.
Als Fahrer werde ich zum Techniker, zum Piloten. Konzentriert auf das Armaturenbrett, die Motorengeräusche, den Blick entspannt auf die endlose Strasse vor mir. Meine Wertschätzung für die Weite, den Horizont, das Ziel vor Augen oder zumindest in Richtung.

Keine Fahrt ins Blaue
Unser Roadtrip ist keine Fahrt ins Blaue, eigentlich auch nichts Spontanes. Aber auch nicht planbar, nein ein Roadtrip können wir nicht erzwingen. Andersrum, ein Roadtrip entsteht durch eine Reise an ein Ziel, in der sich spontan ein unbeschreibliches Gemisch zu einem Roadtrip entwickelt.
Das Ziel kann banal sein, am Ende steht vielleicht eine Sehenswürdigkeit, ein Ferienhaus oder ein Konzert in einer anderen Stadt. Und doch, von Bedeutung, dann wenn es Sehnsucht, Hoffnung und Bestrebungen widerspiegelt.
Das Ziel gibt den Zweck vor, ein Thema. Das andere Thema in der Bewegung. Der Roadtrip entsteht.
Unser nächster Roadtrip? Vermutlich mit unserem Camper, neues Projekt, die Ziele sind bereits gesteckt. Obwohl, der Camper als mobiles Zuhause kann Symbol eines Roadtrips sein, aber auch für Isolation und Trennung von der Gesellschaft stehen. Doch als „Entdecker“, vielleicht als „Leisure Seeker“ erhoffe ich mir das mobile Leben auf der Strasse als zentraler Aspekt, der Camper symbolisiert Freiheit und Abenteuergeist, unsere Suche nach neuen Erfahrungen und auch etwas nach dem Sinn des Lebens.
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