Hauptsache, Sportferien!

In meiner aktuellen Postkarte aus Arosa erkunde ich, warum trotz des Klimawandels, veränderter Freizeitgewohnheiten und demografischer Veränderungen der jährliche Ruf zum Skifahren bestehen bleibt. Schnee? Hautpsache, Sportferien!

Noch genau erinnere ich mich an mein Herzklopfen, als mein Grossvater mich als Kind zum ersten Mal auf die Skier stellte. Mit Holzskieren, Kabelbindungen und Lederschuhe verbanden sich meine ersten zaghaften Abfahrten hinter unserem Haus, wo wir eine eigene kleine Skipiste erschaffen hatten. Und dann, zum ersten Mal in die Sportferien. Ein vollbepackter Renault R16 führte uns nach Grindelwald, mein Vater musste in Interlaken die Schneeketten aufziehen um die schneebedeckte Strasse, die vereisten Kurven und Anstiege zu bewältigen. Die Erinnerungen an diese ersten Sportferien sind inzwischen verblasst, doch eines bleibt in meinem Gedächtnis haften: Mein geduldiger Grossvater, der mich auf einem sanften Hang in die Kunst des Skifahrens einwies. Seit dieser Erfahrung verbrachte ich jedes Jahr im Winter die Sportferien in den Bergen. Grindelwald, Bergün, Engadin und seit vielen, vielen Jahren in Arosa. Bis zum heutigen Tag!

Postkarte aus Arosa

Vom Après-Ski zur Naturverbundenheit: Die Wandlung der Skiferien-Erlebnisse

In meiner jugendlichen Sturm- und Drangphase waren die Skiferien für mich eine Zeit voller Après-Ski-Partys, unsinniger Mutproben, der Suche nach Schneehasen, dem Flirten auf dem Skilift und natürlich viel Alkohol. Anstatt mich für die Natur und die Berge zu interessieren, lagen damals meine Blicke eher auf den jungen Skifahrerinnen in ihren engen und farbigen Skianzügen. Eine Zeit, die geprägt war von jugendlicher Leichtigkeit und Unbeschwertheit – von Abenteuern und Erlebnissen, die mir heute manchmal ein schmunzelndes Lächeln ins Gesicht zaubern.

Meine Postkarte aus Arosa: Hauptsache, Sportferien!

Als ich in Arosa ankam, war ich voller Tatendrang und freute mich auf die kommenden Tage auf der Piste. Doch mit jedem Jahr spürte ich immer stärker, wie sich meine Einstellung zu den Sportferien und dem Skifahren veränderte. Statt nur noch Hüttenparty, Après-Ski und Flirts suchte ich auch immer öfter die Ruhe und die Schönheit der Berge. Die majestätischen Gipfel, das glitzernde Weiss des Schnees und die klare Bergluft zogen mich mehr und mehr in ihren Bann.

Heute, viele Jahre später, schätze ich die Sportferien in Arosa auf eine ganz andere Art und Weise. Die Tradition, trotz des Klimawandels und den Veränderungen unserer Zeit, in die Berge zu reisen, um die frische Luft und die sportlichen Aktivitäten zu geniessen, hat für mich einen besonderen Wert. Und während ich die perfekt präparierten Pisten hinabsause, denke ich manchmal an meinen Grossvater, der mir einst die ersten Schritte auf den Skiern zeigte, und bin dankbar für all die Erinnerungen und Erfahrungen, die mir die Sportferien in den Bergen über die Jahre geschenkt haben.

Eine Tradition, die dem Klimawandel trotzt

Sportferien, so nennen wir sie in der Schweiz – diese Winterferien in den Bergen. Diese freien Tage haben ihre Wurzeln in der Politik. Und es ist eine Tradition, die seit Jahrzehnten in der Schweiz weitergetragen wird. Der Begriff „Sportferien“ trotzt dem Klimawandel, demografischen Verschiebungen und dem veränderten Freizeitverhalten. Wie auf einen geheimen Befehl verschieben sich Schweizer mitsamt der Schweizerin im Januar oder Februar in Begleitung von Kind und Kegel in die Bergwelt, weil die frische Luft dem Leib und der Seele zuträglich ist.

Dies alles wurde nicht von TV-Serien wie „Davos 1917“ oder „Wilder“ inspiriert, noch nicht einmal vom Zauberberg von Thomas Mann, sondern vom politischen Willen unserer Grossväter: Der Bundesrat beschloss im Jahre 1940, im Rahmen der „geistigen Landesverteidigung“, der Jugend in den Bergen eine Umgebung zu bieten, in der unter den schwierigen Bedingungen der Natur symbolhaft „Wehrhaftigkeit und Gemeinsinn“ erprobt werden sollten. Aus dieser Idee entstanden die Sportferien und Skilager. 

Russi, Collombin und Nadig

Der eigentliche Aufschwung begann jedoch erst, als Russi, Collombin, Nadig und andere waghalsig die Berge hinab fegten, Skirennen gegen die Österreicher gewannen und so zu unseren Nationalhelden und Nationalheldinnen wurden.

Somit wurde der Nachwuchs motiviert, die Freude am Schnee wurde weitergetragen. Aus diesem Grund behalten die Sportferien in der Schweiz ihre Bedeutung – Jung und Alt begeben sich an der frischen Bergluft sportlichen Aktivitäten hin. Dass sich diese Aktivitäten heute anders anfühlen als vor fünfzig Jahren, ist einerseits eine Frage der Anpassung an die Natur, die immer sparsamer mit den Schneeflocken umgeht, andererseits auch an meine eigenen Ansprüche, die sich seit damals verändert haben.

Meine Postkarte aus Arosa: Hauptsache, Sportferien!

Grossvater würde staunen

Mein Grossvater wäre erstaunt, wie mühelos das Skifahren heutzutage auf den perfekt präparierten Pisten vonstattengeht, auf diesen Skiern, die mit einem leichten Knick in den Knien schon eine Kurve ziehen. Und er würde erst recht ins Staunen geraten, wenn er sehen würde, dass Schnee auf den Pisten liegt, während drumherum schon der frühlingshafte Grünwuchs beginnt. Dass der Schnee aus Kanonen kommt, würde ihn vermutlich schockieren. 

Meine Postkarte aus Arosa: Hauptsache, Sportferien!

Anstatt mit pochendem Herzen vor meinem Grossvater zu stehen, der mich auf die Skier stellte, habe ich Online einen Skipass gelöst und gehe heute morgen direkt zur Skivermietung. Und im Gegensatz zu den damaligen Holz-Skiern, Kabelbindungen und Lederschuhe erhalte ich dort die aktuellste Hightech-Ausrüstung. Vielleicht fahre ich auf den gleichen Brettern wie Marco Odermatt oder Lara Gut-Behrami. Und wenn nicht, kann ich immer noch nach denen von Didier Cuche fragen.

Hauptsache Skier unter den Füssen und Sportferien in Arosa! Oder sonstwo in den Bergen!

Hinweis

Dieser Blogbeitrag enthält KI-Bilder welche durch Michael’s Beers &Beans (Michael Schneider), teilweise auf der Basis von Originalbilder (MSC), mittels Standard-Version © Midjourney im Jahre 2024 erstellt wurden. Die Bilder unterliegen den Nutzungsbedingungen von Midjourney: https://docs.midjourney.com/docs/privacy-policy.

Skifahren in Arosa

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