Kann ich loslassen? Mein Weg zum Teilzeit-Privatier

Kann ich loslassen? Mein Weg in die Altersteilzeit

Kann ich loslassen? Mein Weg, meine letzten Wochen auf dem Weg zum Teilzeit-Privatier, in die Altersteilzeit.

In den Sonnenuntergang gedacht …

„Wie lange noch?“, fragte kürzlich ein Kollege. Ich musste grinsen. „Noch ein paar Wochen – dann reduziere ich!“ Der Wechsel in die Altersteilzeit naht, sanft und unaufhaltsam, wie ein Sonnenaufgang im Frühling. Oder sollte ich eher sagen, wie ein Sonnenuntergang im Herbst? Vielleicht ist es auch beides, ein neuer Anfang und ein Abschied zugleich. Vieles mache ich nun zum letzten Mal. Bald beginne ich mein Leben als Teilzeit-Privatier, der bewusste Abschied von der Berufslandschaft. Ich, bald 60, stehe vor der letzten Runde im vollzeitlichen Arbeitsleben. Ab dem Frühling reduziere ich sukzessive meine Arbeitszeit, im Herbst ist dann in der jetzigen Form ganz Schluss. Couch und Verwaltungsrat sind die Aufgaben, die in Teilzeit übrig bleiben – als digitaler Nomade, so der Plan.

„Wie lange machen Sie noch?“, verwandelte sich schnell in die tiefere Frage: „Wie lange will ich noch?“. Eine Frage, die mich schon seit meinem 50. Geburtstag beschäftigt. Die Zahlen sprachen eine klare Sprache: Finanziell ist ein früherer Ausstieg möglich. Der Gedanke daran erfüllt mich mit einem Gefühl der Freiheit – ich muss nicht bis 65 oder noch länger arbeiten. Wie wunderbar!

Zwischen Euphorie und Ungewissheit: Die ersten Gedanken zur Altersteilzeit

Die Ziellinie ist in Sicht, doch Euphorie? Fehlanzeige. Neulich erledigte ich meine morgendlichen Routinen – GTD, Mail, DMS – fast mit einem Lächeln. Früher war das eine lästige Pflicht. Während ich so meine Routinen abarbeite, schleicht sich immer wieder die Frage ein: Was kommt danach? Wann muss ich diese Entscheidung treffen? Diese Fragen beschäftigen mich. „Lass es auf dich zukommen“, riet meine Frau. Kann ich das? Einfach abwarten? Ich bin jemand, der plant. In den verbleibenden Wochen will ich das Finale im Beruf still geniessen und herausfinden, wie es sich anfühlt, wenn meine Bilanz zukünftig niemanden mehr interessiert – ab jetzt zählt sie nur noch für mich.

Loslassen lernen: Kann ich mich wirklich von der Arbeit trennen?

An der Kaffeemaschine wurde es neulich konkreter. „Kannst du wirklich loslassen?“, fragte eine Kollegin, während der Kaffee in die Tasse blubberte. Ob ich mich wirklich nicht mehr in ihren Arbeitsalltag einmischen werde? Mit fester Überzeugung versprach ich, sie von meinen Ratschlägen zu verschonen. Ihr süffisantes Lächeln liess mich an ihren Zweifeln erkennen. Dabei erinnerte ich mich an einen früheren Kollegen, der ab seinem ersten Rententag einfach weiterhin ins Büro kam, um zu sehen, ob wir alles richtig machen.

Das wird mir nicht passieren. Niemals. Den Abstand von meiner eigenen Pseudo-Bedeutsamkeit habe ich längst verinnerlicht. Andere haben meine Aufgaben übernommen – sie machen es auf ihre Weise. Na und?! Ich hätte früher damit beginnen sollen, mich mit dem Leben nach dem Beruf auseinanderzusetzen, aber ich habe mich innerlich bereits von der Idee gelöst, unersetzlich zu sein.

Die letzten Aufgaben: Abschied vom bisherigen Arbeitsalltag

Während ich meiner Kollegin das Loslassen verspreche, werfe ich selbst einen Blick auf meine letzten Aufgaben. Fliessbandarbeit, nur nicht ganz so monoton. Die gleichen Abläufe: Zahlen checken, Kernbotschaften abgleichen, Strategie-Meetings, Berichte für den Verwaltungsrat entwerfen. Der Zeitdruck lastet schwer. Ich muss die Revision vorbereiten, den Jahresbericht schreiben. Läuft irgendwo ein Fehler im Verborgenen? Gefangen im eigenen Workflow – Checklisten abarbeiten und einzelne Tasks abhaken. Ich tue mein Bestes – und 2026, da bin ich mir sicher, werde ich es nicht vermissen.

Ich kann loslassen, versprochen!


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