Nordlichter: Von der Kunst der Malerei zur Fotografie
In der heutigen digitalen Welt werden wir von faszinierenden Bildern der Nordlichter überflutet. Früher war die Fotografie dieser Lichtershow professionellen Experten vorbehalten, heute begeben sich Hobbyfotografen in Scharen in den Norden, um ihre eigenen beeindruckenden Aufnahmen zu machen. Der aktuelle Trend kombiniert Nordlichtfotos zunehmend mit Astrofotografie. Folge mir den Nordlichter: Von der Kunst der Malerei zur Fotografie.
Die Wahrnehmung des Nordlichts mit blossem Auge unterscheidet sich stark von dem, was Kameras einfangen können. Während wir Menschen meist grauweisse Schleier am Himmel sehen, fangen Kameras bereits bei schwachen Nordlichter die Farben Grün, Rot und Violett stark leuchtend ein.
In der Vergangenheit wurden Nordlichter in der Malerei selten abgebildet, meist in Weiss-Grau. Meine Hobby-Recherche zeigte, dass die Darstellung der Nordlichter im Laufe der Zeit stark variierte – von symbolisch in der Antike über realistisch im 19. Jahrhundert bis zu abstrakt und fotorealistisch in der modernen Zeit.

Keine farbigen Polarlichter
Es stellt sich für mich die Frage, warum skandinavische Maler wie beispielsweise Harald Moltke (1871-1960) und Peder Balke (1804-1887) die Nordlichter weiss gemalt haben. Möglicherweise spielte die damalige Farbwahrnehmung, beeinflusst durch Mangelerscheinungen wie Vitamin-A-Mangel, eine Rolle.
Die Darstellung der Nordlichter ist also ein faszinierendes Thema, das die menschliche Faszination seit Jahrhunderten einfängt. Von der Antike bis zur Gegenwart spiegeln verschiedene Kunstwerke die Vielfalt und Schönheit dieses Naturphänomens wider. Meine Hobby-Recherche im Internet brachte faszinierende Erkenntnisse ans Licht. Im ersten Teil beleuchte ich die Darstellung der Nordlichter in der Malerei und in einem zweiten Teil die Entwicklung in der Fotografie.

Eine Reise durch die Zeit der Darstellungen der Aurora Borealis
Berichte über Nordlichter reichen bis in die Antike zurück, doch bildliche Darstellungen aus dieser Zeit fehlen. Vereinzelt finden sich Erwähnungen von Zeichnungen, die himmlische Soldaten mit leuchtenden Speeren zeigen – möglicherweise eine frühe Interpretation der Nordlichter.
Die vermutlich älteste erhaltene Darstellung stammt aus Norwegen: 1564 skizzierte Pfarrer Absalon Pederssøn Beyer eine Aurora über der Stadt Bergen. Das Ergebnis war etwas kurios – ein kreuzförmiges, gekrizeltes Gebilde am Nachthimmel.
Bis ins späte Mittelalter finden sich kaum weitere Abbildungen. Vielleicht waren die Künstler vom Schauspiel so überwältigt, dass sie es nicht adäquat festhalten konnten. Erst im 16. Jahrhundert zeigt ein Kupferstich ein Nordlicht über Nürnberg – dargestellt als realistische Feuerzungen. Dies könnte auf starke Nordlichter hindeuten, starke Nordlichter erscheinen auch heute noch im südlichen Nürnberg als rote Himmelerscheinung.
Im 17. Jahrhundert wurden nur wenige Nordlichter gezeichnet, vermutlich war der Grund, dass die Sonnenaktivität schwächer war.
Im 18. Jahrhundert hingegen nahm die Sonnenaktivität und damit die Sonnenstürme wieder zu und die Lichter wurden an verschiedenen Orten in Europa sichtbar. Künstler gingen nun von der symbolischen zur realistischen Darstellung über, wie der dänische Maler Jens Juel in den 1790er Jahren eindrucksvoll zeigt.
Reisen in die Polarregion
Im 19. Jahrhundert ermöglichte der technische Fortschritt winterliche Reisen in die Polarregionen und somit die Verbreitung von Abbildungen über Nordlichter. Ein Vorreiter war Peter Baldke, der seine Landschaftsmalerei mit einer Serie von Nordlichtbildern krönte. Diese abstrakt anmutenden Werke entstanden bereits vor dem frühen Impressionismus.
Vorallem Zeitungen präsentierten im späten 19. Jahrhundert kunstvolle Nordlicht-Darstellungen. Parallel dazu etablierte sich die Fotografie und versuchte sich ebenfalls an der Darstellung dieses Naturschauspiels.

Warum haben skandinavische Maler das Nordlicht weiss gemalt?
Skandinavische Künstler wie Harald Moltke (1871-1960) und Peder Balke (1804-1887) haben in ihren Werken die Nordlichter mit „weiss-grauen“ Tönen dargestellt. Interessanterweise entspricht diese Darstellung meiner eigenen Wahrnehmung schwacher Nordlichter. Es ist durchaus möglich, dass diese Künstler auch intensivere Nordlichter in strahlendem Weiss gesehen haben. Selbst Fridtjof Nansen malte die Nordlichter weiss-gelblich, manchmal aber auch in leichten grünlichen Pastellfarben.
Die weisse Darstellung der Nordlichter in der Kunst des 19. Jahrhunderts lässt sich durch verschiedene Faktoren erklären, darunter die menschliche Farbwahrnehmung in der damaligen Zeit. Es erscheint plausibel, dass Mangelerscheinungen aufgrund der damaligen Ernährungsgewohnheiten die Farbwahrnehmung der Menschen im Norden beeinflussten und somit zu einer verzerrten Wahrnehmung der Nordlichter führten. Vitamin-A-Mangel war im 19. Jahrhundert in den nördlichen Regionen Europas aufgrund der begrenzten Nahrungsmittelauswahl und der langen Wintermonate weit verbreitet. Auch Mangelerscheinungen anderer Mikronährstoffe wie Zink und Eisen könnten die Farbwahrnehmung beeinträchtigt haben.

Darstellung der Nordlichter im Laufe der Jahrhunderte
Die Darstellung der Nordlichter hat sich im Laufe der Jahrhunderte stark gewandelt. Von der symbolischen Darstellung in der Antike über realistische Malerei im 19. Jahrhundert bis hin zur atemberaubenden Fotografie und Filmkunst der Gegenwart spiegeln diese Werke die Faszination wider, die dieses Phänomen seit jeher auf die Menschheit ausübt.
Im nächsten Teil zeige ich auf, wie sich die Abbildungen von Nordlichter in der Fotografie verändert hat. Nordlichter: Von der Kunst der Malerei zur Fotografie.
Nachtrag 9.1.25: Fondation Beyeler, Riehen/Basel
Zu Beginn dieses Jahres präsentiert die Fondation Beyeler vom 26. Januar bis zum 25. Mai 2025 die Gruppenausstellung „Nordlichter“. Rund 80 beeindruckende Landschaftsgemälde von Künstlerinnen und Künstlern aus Skandinavien und Kanada, die zwischen 1880 und 1930 entstanden sind, werden zu sehen sein. Unter ihnen befinden sich Meisterwerke von Hilma af Klint und Edvard Munch.
Im Fokus der Ausstellung steht nicht nur das Nordlicht selbst, sondern vor allem der majestätische boreale Wald, der sich südlich und nördlich des Polarkreises ausbreitet und zu den grössten Urwäldern der Erde zählt. Diese scheinbar unermesslichen Wälder, das strahlende Licht der im Sommer nahezu endlosen Tage und die langen, dunklen Nächte im Winter, zusammen mit atemberaubenden Naturphänomenen wie dem Nordlicht, haben eine einzigartige moderne nordische Malerei hervorgebracht.
Fondation Beyeler, Riehen/Basel: Nordlichter
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Hochinteressant, Vielen Dank 😊!
Vielen Dank für Dein Feedback und entschuldige bitte meine späte Antwort. Ich finde das Thema der oft „weissen“ Nordlichter in der Malerei des 18. und 19. Jhd wirklich interessant. Mit den intensiveren Nordlichtern, die wir in den kommenden Monaten und Jahren erwarten dürfen, werden diese Darstellung noch mehr im Kontrast stehen.