Zimtschneckentage
Es war ein Sonntagmorgen Anfang Dezember, als der erste Schnee uns hier am See erreichte. Eine zarte, weisse Schicht legte sich sanft über alles und glitzerte im sanften Licht des Winters. Das Wasser des Sees, tiefschwarz und geheimnisvoll, spiegelte den silbrigen Himmel wider. Endlich waren sie da, diese Zeitlupentage, in denen der Schnee Bäume und Büsche in filigrane Skulpturen verwandelt. Dieser Schnee, der unter meinen Stiefeln beruhigend knirscht und alle Geräusche dämpft, als ob sie durch eine Wand aus Watte hindurch drängen müssten. Es ist die Zeit des Rückzugs, der Abschottung, nach langen, turbulenten Sommertagen. Ein Moment, in dem wir uns gemütlich machen dürfen, die Flügel hängen lassen und einfach das Gegenteil von energiegeladener Zielstrebigkeit erleben. Ich nenne sie Zimtschneckentage.
An solchen Tagen backen wir tatsächlich gerne Zimtschnecken – die ‚Kanelbullar‘ nach einem originalen schwedischen Rezept. Wenn die frisch gebackenen Zimtschnecken, warm und dicht gedrängt auf dem Blech, ihr unverwechselbares Aroma verbreiten, kann ich es kaum erwarten, den ersten Bissen zu nehmen. Weich, warm und süss schmilzt der Genuss auf meiner Zunge. Dieser Geschmack trägt mich durch den Winter. Ein wenig später gönne ich mir einen zweiten Bissen, begleitet von einer Tasse feinem Tee. Und draussen fällt immer noch der erste Schnee.

Zimtschneckentage sind besondere Momente, die nicht umsonst kommen. Nicht nur, weil sie wie Schwedenöfen in einer Jahreszeit sind, vor der uns wegen ihrer grauen Kälte immer wieder gruselt. Sondern auch, weil sie mein Bedürfnis nach einer Ruhe stillen, die es möglich macht, mich hin und wieder dem Lärm in meinem Inneren zu stellen.
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