Abschied vom rechnenden Denken

Abschied vom rechnenden Denken

Ich denke viel, wahrscheinlich viel zu viel. Während ich darüber nachsinne, erkenne ich, wie sich in mir ein kopflastiges Verstandesdenken eingenistet hat. Ständig beschäftige ich mich mit Kalkulationen, Analysen und dem kontinuierlichen Sammeln von Wissen – alles voller Zweckmässigkeit. Man könnte sagen, mein Denken ähnelt dem einer künstlichen Intelligenz, nur dass diese viel schneller denkt als ich. Dahinter steht eine Logik: Aus dem kopflastigen Verstandesdenken wurde das rechnende Denken der künstlichen Intelligenz entwickelt. Diese Erkenntnis führt mir vor Augen, dass es an der Zeit ist, mich auf die Suche nach einem besinnlichen Denken, also einem tiefen Herz-Denken, zu begeben und mich nach und nach von meinem kopflastigen Verstandesdenken zu verabschieden. Kann der Abschied vom rechnenden Denken gelingen?

Kopflastiges Verstandesdenken wird nutzlos

Jetzt, da meine berufliche Karriere sich dem Ende neigt, wird mir zunehmend bewusst, wie nutzlos mein kopflastiges, rechnendes Denken in der Zukunft sein wird. Was nützt mir all die Analyse, wenn ich nur da sitze und kalkuliere? Maschinen können das letztlich viel besser. Ist dieses Denken überhaupt noch von Bedeutung? Langsam spüre ich, dass ich die Software in meinem Kopf updaten muss. Gibt es da draussen eine andere Denkweise, die über Fachwissen und Erfahrung hinausgeht? Was bleibt mir neben dieser permanenten, kopfgesteuerten Kalkulation?

Die Illusion der Lebensbewertung

In der Wirtschaft, der Politik und der Forschung, wo Geheimnisse keinen Platz haben, leben die Menschen oft so, als müssten sie ständig eine Bilanz ziehen. Was bringt oder kostet meine Handlung, meine Lebensweise? Die Lebenserwartung wird als Gewinn oder Verlust bewertet. Rechnet sich das Leben überhaupt? Resultieren am Ende mehr positive als negative Erträge?

In meinem Umfeld gibt es einige, die ihr Leben als eine „Glücksmaschine“ betrachten. Eine Maschine, die ständig optimiert werden muss, um das Gleichgewicht zwischen Leistung und Konsum zu wahren und möglichst kein Unglück zuzulassen. Doch was passiert, wenn diese Rechnung nicht aufgeht, weil Krankheit, Unfall oder das Alter uns aus der Bahn werfen? Dann wird die Maschine einfach abgestellt. „Selbstbestimmtes Sterben“ – auch das ist ein Produkt des rechnenden Denkens. Es zeigt den verzweifelten Versuch, das Leben mit Berechnungen zu meistern, ohne sich den unberechenbaren Tiefen der Existenz zu stellen. Es herrscht eine Kultur der oberflächlichen Gedankenlosigkeit.

Abschied vom rechnenden Denken

Der Ruf zum tiefen Herz-Denken

Dort gilt es anzusetzen, denn mein kopflastiges Verstandesdenken wird mich in der Zukunft nicht weiterbringen. Aber was bedeutet das? Ich muss einen Weg finden, um in Richtung eines „tiefen Herz-Denkens“ zu gelangen. Ich muss lernen, die Welt mit neuen Augen zu sehen und wieder in Kontakt mit dem Sein zu treten. Zu einem authentischen Leben finden. Das bedeutet für mich, Ziellosigkeit zu lernen – eine echte Herausforderung! Ich muss die Dinge so nehmen, wie sie sind; offen sein für das Unerwartete und Unbekannte. In die Tiefe meines Wesens eintauchen, das Wesen der Dinge ergründen und mich nach ihrem Sinn fragen. Begreifen, dass nicht die Hektik des Alltags mein Leben bestimmen sollte, sondern Ruhe und Gelassenheit.

Uff, das ist ganz schön viel für jemanden wie mich, der stets mit seinem „kopflastigen Verstandesdenken“ durch die Welt gerannt ist. Ich sehe schon, das Älterwerden hält noch einige Aufgaben für mich bereit. An der Schwelle zum Alter beginnt meine neue Reise. Wohl auch im Kopf.


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