Pensionierung – mein Millionenprojekt!

Warum ist die Pensionierung „mein Millionenprojekt“?

„Darf ich Sie auf Ihre finanzielle Situation ansprechen?“, begann die freundliche Bankberaterin das Gespräch. Ich dachte mir, das sei kein Problem, bis ihr nächster Satz mich förmlich aus der Bahn warf.

„Um Ihren Ruhestand sorgenfrei geniessen zu können, sollten Sie noch einiges an Kapital ansparen. Zudem ist das vorhandene Kapital unzureichend angelegt“, erklärte sie mit ihren tiefbraunen Augen. Ich hielt ihren Blick fest, um zu prüfen, ob sie das ernst meinte oder ob es nur ein schlechter Scherz war.

Meine Frau und ich hatten ein solides finanzielles Polster. Warum sollte das nun nicht ausreichen? Die Beraterin hatte mit meiner Reaktion gerechnet. Sie sagte: „Es ist nicht ungewöhnlich, dass Kunden zuerst erschrecken, wenn sie erkennen, dass das Ersparte nicht ausreicht, um beruhigt in den Ruhestand zu gehen. Aufgrund der steigenden Lebenserwartung können die Kosten für den Ruhestand höher sein, als viele erwarten. Deshalb ist es wichtig, genügend liquide Mittel zur Verfügung zu haben.“

„Ich verstehe das nicht ganz? Noch mehr oder anders gesagt nur noch für einen sorgenfreien Ruhestand zu sparen erscheint mir übertrieben! Sobald ich nicht mehr arbeite, werden meine Ausgaben doch ohnehin sinken!“

Die kluge Frau sah mich lange an und setzte zu einem weiteren Schlag an: „Eine Illusion! Wo wollen Sie sparen? Die grössten Ausgaben entstehen durch Steuern, Krankenkasse und Wohnen! Möglicherweise könnten Sie bei der Mobilität einsparen, indem Sie ihr Auto verkaufen. Doch andererseits werden die Gesundheitskosten mit zunehmendem Alter steigen!“

„Rechnen Sie doch mal nach!“, fuhr sie fort. „Sie und Ihre Frau verfügen über ein gesichertes jährliches Einkommen aus der maximalen AHV-Rente und Ihren Pensionskassen. Basierend auf Ihrem Budget und Ihren Ansprüchen ergibt sich eine Einkommenslücke pro Jahr. Um diese zu schliessen, wird hochgerechnet auf 25 Jahre bis zum Alter von 90 Jahren ein hoher Kapitalbedarf erforderlich sein, der auch die Inflation berücksichtigt.“

Pensionierung - mein Millionenprojekt!
Alle Elemente, welches es für eine Pensionierung braucht, sind anfänglich nicht einfach zu durchschauen. Im Alter von 50 Jahren sollte man aber die Weichen stellen. (Bild: KI / Midjourney)

Mein Kopf drohte zu explodieren, als ich schnell nachrechnete und bestätigen musste, dass die Beraterin recht hatte. Aber woher soll das Geld kommen?

„Asset rich but cash poor“, hallte der nächste Satz wie ein weiterer Schlag mitten in mein Gesicht! „Ihr Eigentum ist gut investiert, aber wenig liquide. Ihre Immobilien sind zwar wenig belastet mit Hypotheken, aber wie Ihr Investment als Teilhaber im eigenen Geschäft sowie andere Vermögenswerte sind sie langfristig gebunden!“

Dieses Gespräch liegt nun über 10 Jahre zurück. Die clevere und direkte Finanzberaterin (die uns auch heute noch coacht) hat mir damals klargemacht, dass es noch nicht zu spät ist, aber dass eine umfassende Planung und weiteres Sparen unerlässlich sind.

Pensionierung - mein Millionenprojekt!

Einige Zeit später sass ich vor einer leeren Excel-Tabelle. Ich hatte die Worte der Beraterin verinnerlicht und wusste, dass eine umfassende finanzielle Planung für unsere Zukunft unumgänglich war. Was sie damals noch nicht wusste: Meine Frau und ich planten, vor dem regulären Rentenalter aus dem Berufsleben auszusteigen. Damit würde eine zusätzliche Einkommenslücke entstehen, die ebenfalls finanziert werden muss!

Ich erkannte, dass mein Ausstieg aus dem Berufsleben und der Übergang in den Ruhestand ein Mega-Project ist, mein persönliches Millionen-Projekt!

Dank der klaren Ansage der Beraterin unserer Hausbank haben meine Frau und ich finanzielle Weichen gestellt, geplant und gespart. Durch die kontinuierliche Aktualisierung meiner Excel-Tabelle und die laufenden Überprüfungen unserer Schritte haben wir unser Ziel erreicht und konnten mit 58 Jahren unsere finanzielle Freiheit feiern!

*P.S. Der Begriff „Millionenprojekt“ gilt als Symbolik; entscheidend ist, das persönliche Einkommen im Ruhestand zu kennen sowie die Ausgaben und Ansprüche klar zu definieren. Bei vielen Menschen klafft eine Einkommenslücke, die nur durch Ersparnisse geschlossen werden kann. Hierbei rede ich nicht von der Upper Class, sondern von Verhältnissen im Schweizer Mittelstand.

Aber es gibt auch gute Neuigkeiten. Nicht nur, dass wir immer älter werden, sondern auch, dass Rentner heutzutage immer gesünder sind. In der Regel erfreuen sie sich bis zum 80. Lebensjahr einer guten oder sogar sehr guten Gesundheit. Wenn man finanziell vorgesorgt hat, kann der Lebensabend entsprechend genossen werden. Das werde ich doch dann einmal austesten; den Anfang habe ich bereits gemacht. 😉


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