Teilzeit-Pensionierung: Chaos statt Wecker!

Teilzeit-Pensionierung: Chaos statt Wecker!

Der Traum einer „Wise Old Soul“ vom digitalen Nomaden

Mit 60 Jahren den Turbo drosseln? Ja, genau! Ich habe vor einigen Jahren beschlossen, meinen 100%-Job auf 50% zu reduzieren und stehe nun kurz, ein paar Wochen vor dem Start in meine Teilzeit-Pensionierung. Chaos statt Wecker! – so stelle ich mir das zumindest vor. Flexibel arbeiten, von überall aus, als digitaler Nomade. Klingt schon fast veraltet, oder? Während andere sich zur Kaffeepause kämpfen, sitze ich in einem Café oder am Strand und arbeite „remote“ an meinem Laptop. Wer braucht schon feste Arbeitszeiten? Das habe ich mir von der Gen Z abgeguckt! Was für ein Privileg, künftig als teilzeitarbeitender Coach diese Freiheiten zu geniessen.

Zwischen Euphorie und Unsicherheit

Doch Moment mal! Mein Terminkalender quillt über, die Tage rasen wie ein Intercity-Zug mit 250 km/h auf die Weiche zur Teilzeit zu. Was erwartet mich? Ein lebensfroheres Ich? Ein ruhiger Teich des inneren Friedens? Oder doch nur ein Sofa voller leerer Chips-Tüten? Diese letzte Phase vor meiner „Teilzeit-Pensionierung“ ist eine prickelnde Mischung aus Euphorie und schauriger Unsicherheit. Endlich die Freiheit geniessen und die Tage nach Belieben gestalten! Eine süsse Vorstellung. Aber gleichzeitig fühle ich mich, als hätte jemand meine Kaffeetasse auf den Kopf gestellt. Wie füllt man seine Zeit, wenn der gewohnte Alltag mit all seinen Business-Ritualen wegfällt?

Ich war immer der festen Überzeugung, dass ich mit Kaffee in der Hand 87% mehr Dinge erledigen kann. 😉
– Michael’s Beers & Beans

Zweifel nagen

Plötzlich nagen Zweifel: Soll ich den Zug stoppen? Finanzielle Unabhängigkeit ist da, aber wäre es nicht besser, noch ein paar Jahre „volle Pulle“ zu arbeiten? Reisen, Fotografie, Literatur, Kultur und Freundschaften – all das schwebt mir vor. Ich möchte täglich im Freien aktiv sein und die Langeweile geniessen! Aber bisher fehlt mir die Zeit, um die Zeit nach dem Passieren der Weiche zu planen. Ich fühle mich blockiert; alles dreht sich um diese Schwelle zum neuen Leben, jede Minute durchgeplant!

Angst vor der Leere

Und dann ist da noch die Angst vor der Leere, dem Gefühl, nicht mehr gebraucht zu werden. Wie anstrengend wird es sein, das Leben neu zu gestalten? Nach der Weiche beginnt die Zeit der Reflexion und des Neuanfangs. Ich muss mich mit dieser neuen Lebensphase auseinandersetzen und die Zukunft planen – klingt ganz schön anstrengend, oder?

Überraschungen am Horizont

Und zu allem Überfluss: Während ich überlege, wie ich die erste Stunde ohne Arbeit füllen könnte – vielleicht mit einer tiefgründigen Reflexion über umgekehrte Kaffeetassen – beschliesst meine Lebenspartnerin, diesen Frühling ebenfalls den Stecker zu ziehen und sich frühzeitig zu 100% pensionieren zu lassen. Wunderbar! Plötzlich wird nicht nur mein Leben unberechenbar, sondern auch ihres könnte Gefahr laufen, langweilig zu werden.

Raus aus der Stadt, rein ins Landleben

Und dann steht auch noch ein Umzug an! Raus aus dem pulsierenden Grossstadtleben am Stadtrand, rein ins beschauliche Dorfleben am Bodensee. Wie viel ländliches Idyll kann mein urbanisiertes Herz überhaupt verkraften? Ich stelle mir gerade vor, wie ich an der Seepromenade mit Fischern, die ihre Angeln auswerfen, plaudere und über ihr aufregendes Leben philosophiere.

Warum das Ganze?

In all dem Trubel vergesse ich fast, warum ich das Ganze eigentlich mache: Ich werde älter! Dankbarkeit erfüllt mich, dass ich gesund bin und diesen Schritt wagen kann. „Hey, mit 60 ist man doch noch jung!“, werden einige denken. Mag sein, aber der Zahn der Zeit nagt – und ich hoffe auf noch zwanzig schöne Sommer. Sicher ist das nicht! Genau deshalb will ich jetzt Freiräume schaffen und mein Leben selbst gestalten.

Teilzeit-Pensionierung: Chaos statt Wecker!

Ambivalente Gefühle

Die Wochen vor der Teilzeitpensionierung sind ambivalent: Einerseits lockt die Freiheit, endlich den Wecker aus dem Fenster zu werfen. Andererseits geistern Unsicherheit und Zweifel durch die Vorfreude. Der Zug des Lebens rast weiter, die Weiche ist gestellt, und ich kann sowieso nicht mehr abspringen. Mal sehen, was mich hinter der nächsten Kurve erwartet!

Platz für das Chaos

Vielleicht drehe ich die Kaffeetasse einfach nochmals um und fülle sie mit den Überresten meiner alten To-Do-Listen. Danach schmeiss’ ich das Ganze, samt dem Wecker, aus dem Fenster. So schaffe ich Platz für das Chaos, das nur darauf wartet, gelebt zu werden. Platz für die Freiheit, meine Zeit neu zu definieren. War es nicht ohnehin ein Irrtum zu glauben, ich hätte mit der Kaffeetasse in der Hand den Überblick über die Welt behalten? Und wenn mich das Chaos überfordert? Dann lasse ich es einfach geschehen.

Kaffee dehydriert den Körper nicht. Ich wäre sonst schon Staub.“
– Franz Kafka

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