Zwischen Frost und Gedanken: Winter in Arosa

Zwischen Frost und Gedanken: Winter in Arosa

Auf 1’800 Metern liegt die Welt in einer Klarheit, die fast zu viel ist. Stille, so schwer, dass nur das Knirschen meiner Schritte sie bricht. Flocken fallen leise, hüllen alles in ein gedämpftes Weiss. Hier geht man anders als im Flachland. Die Luft ist kalt und klar, schwer und leicht zugleich. Die Tannen tragen den frischen Schnee mit schweigendem Ernst. Ab und zu fällt ein Schneebrocken – lautlos, wie Diamantenstaub im Licht.

Der zugefrorene Obersee liegt still, eine matte Fläche im Bergkessel. Die Gipfel rundherum verschwinden im Wolkenschleier, ihre Flanken bleiben scharfkantig, fast bedrohlich im fahlen Winterlicht. Nebelschwaden ziehen kühl und schwer über die Hänge. Eine Einsamkeit, die Ordnung hat.

Zwischen den stummen Bäumen ist die Welt fern. Doch man trägt sie im Geist mit sich – das Politische, das Lärmende, das Banale. Ich wandere als Gast im Exil durch den frostigen Frieden, der das Herz kaum beruhigt. Die Kälte beisst an Fingern und Füssen. Ich kehre um, suche das Hotel, die Tasse Tee und die Sicherheit, die jenseits der Berge gerade in Trümmer versinkt.

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