Wird Island Teil der USA?
Weltpolitik? Bisher ein Hintergrundrauschen, welches ich oft mit Kopfschütteln ignorierte. Jetzt bestimmt sie meine Reisepläne.
Georgien? Auf Eis gelegt. Dieses Jahr Island – vertrautes Terrain, dachte ich. Auch ein Sprung von Island rüber nach Grönland ist bereits geplant. Jetzt droht Grönland zum militärischen Sperrgebiet zu werden.
Dann diese Woche der Knaller: Der designierte US-Botschafter in Island erklärt im Kongress, Island werde Teil der USA. Ob als 51. oder 52. Bundesstaat? Unklar. Er selbst will erster Gouverneur von „Iceland“ werden.
Die Isländer sind aufgewühlt. Sie starteten eine Petition, den Botschafter nicht anzuerkennen. Nach Artikel 9 des Wiener Übereinkommens dürfen sie das. Ein klares Signal: Nicht mit uns.
Inzwischen meldete „Arctic Today“, der designierte Botschafter, ein Ex-Kongressabgeordnete aus Missouri habe sich entschuldigt. Es sei nur ein Scherz gewesen. „Wenn sich jemand beleidigt fühlt, tut mir das leid.“
Ein Scherz? Wohl kaum. Für die USA wäre Island ein gigantischer Flugzeugträger im Nordatlantik. Menschen, Natur? In Washington interessiert das niemand.
Die Arktis wird zum Spielplatz der USA. Island – mittendrin. Ressourcen, neue Schifffahrtswege, Militärbasen. Die Isländer werden verbissen um ihre Souveränität kämpfen. Doch könnten sie dem militärischen Druck der USA standhalten?

Für mich als Reisender heisst das: Ungewissheit. Ein Land, das gestern noch sicher schien, kann morgen zum Krisenherd werden. Selbst stabile Demokratien sind keine Garantie.
Island muss uns Schweizern Denkanstösse geben. Auch wir sind klein, geografisch und politisch schräg in Europa. Auch wir könnten Spielball Grossmachtfantasien werden.
Und meine Reisepläne? Ich ziehe es durch, wenn’s irgendwie geht. Vielleicht komme ich noch nach Island. Muss ich dafür aus der Ferne zusehen, wie die Schweiz als eigenständiger Staat verschwindet?
Undenkbar? Wirklich?
Quelle: RÚV (Ríkisútvarpið)

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